Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm haben den Erfolg aus den Vorjahren wiederholen können. Im Geschäftsjahr 2019 erwirtschafteten die über tausend Mitarbeiter der Unternehmensgruppe einen Überschuss von 3,3 Millionen Euro. Der Konzerngewinn liegt damit auf dem Niveau von 2018.
"Es ist das dritte Jahr in Folge, dass wir nach verlustreicher Zeit klar in die Gewinnzone kommen. Die Konsolidierung stabilisiert sich und kommt auch über einzelne Verlustfaktoren hinweg", zeigt sich Geschäftsführer Klaus Eder zufrieden. Die Konsolidierung zeigt sich zum Beispiel darin, dass die Stadtwerke den bilanziellen Verlustvortrag der vergangenen Jahre nun kontinuierlich abbauen, teilen sie mit.
Sorgenkind: Corona-Auswirkungen
Wenn es dennoch Wermutstropfen gibt, so sind sie durch die aktuelle Ausnahmesituation bedingt. "Unter der Pandemie leidet die Wirtschaft, Stadtwerke sind da nicht ausgenommen. Für das Geschäftsjahr 2020 zeichnen sich deutliche Verluste ab, obwohl wir bereits gegensteuern. Noch ist unklar, inwieweit uns der ÖPNV-Rettungsschirm hilft", schränkt Eder ein.
Denn im Geschäftsbereich Verkehr ist der Fehlbetrag um über vier Millionen Euro auf 20,5 Millionen Euro angewachsen (2018: 16,2 Mio. Euro). Zwei Gründe waren ausschlaggebend: die finanziellen Belastungen aus dem Bau der Linie 2 und die Leistungen, die SWU Verkehr erbracht hat, um die Umsetzung des neuen Ulmer Nahverkehrsplans vorzubereiten. Für den Straßenbahnbau sind die Abschreibungen 2019 stark angewachsen. Zu Buche schlagen darüber hinaus die Betriebskosten für das wesentlich umfänglicher gewordene Liniennetz.
Knapp 41 Mio. Fahrgäste – ein Plus um elf Prozent
Die erfreuliche Note wiederum: Das verbesserte Nahverkehrsangebot kommt gut an. 40,8 Millionen Fahrgäste im Jahr 2019 sind ein neuer Rekord und übertreffen den Vorjahreswert (36,8 Mio.) um rund elf Prozent.
Eine vorsichtige Einschätzung der SWU bezüglich der Fahrgastzahlen im ÖPNV während der Corona-Krise: Es hängt davon ab, wie die jungen Menschen wieder zur Schule bzw. Universitäten gehen und der Alltag hochfährt. Je nachdem können bis September bzw. Oktober 80 bis 90 Prozent der üblichen Fahrgastzahlen wieder erreicht werden. Auswirkungen auf die Finanzen insgesamt ließen sich schwierig abschätzen, so Eder bei der Pressekonferenz zur Jahresbilanz.
Operatives Plus fällt etwas geringer aus
Aus dem Tagesgeschäft erwirtschafteten die SWU rund 8,9 Millionen Euro. Das ist ein leichter Rückgang, verglichen zum Vorjahr mit rund 10 Mio. Euro. Dies resultiert im Wesentlichen aus dem kräftig gestiegenen Defizit im Geschäftsbereich Nahverkehr. Demgegenüber legte der Absatz von Erdgas (2,8 Prozent), Wärme (3,8 Prozent) und Trinkwasser (vier Prozent) zu.
Die regionale Stromproduktion aus Wasserkraft erreichte in dem trockenen Jahr mit 90 Mio. Kilowattstunden wiederum nicht den Durchschnitt. Das konnte jedoch ausgeglichen werden durch eine überdurchschnittliche Strom- und Wärmeerzeugung im Heizkraftwerk Neu-Ulm. Alle regionalen Erzeugungsquellen zusammen – Wasserkraft, Kraft-Wärme-Kopplung, Photovoltaik – lieferten 2019 rund 147 Mio. kWh Strom (2018: 118 Mio. kWh; 2017: 150 Mio. kWh).
Geschäftsjahr 2019(Vorjahreszahlen in Klammern)
| Umsatz | 492 Mio. Euro (471 Mio.) |
| Konzernergebnis | 3,3 Mio. Euro Gewinn (3,3 Mio.) |
| Stromverkauf | 1.164 Mio. kWh (1.165 Mio.) |
| Erdgasverkauf | 1.635 Mio. kWh (1.590 Mio.) |
| Fernwärmeverkauf | 87,1 Mio. kWh (83,9 Mio.) |
| Trinkwasserverkauf | 11,5 Mio. Kubikmeter (11,0 Mio.) |
| Internet und Telefonie | 10.350 Kunden (9.212) |
| Nahverkehr | 40,8 Mio. Fahrgäste (36,8 Mio.) |
| Personal zum 31.12.2019 | 956 Mitarbeiter (947) |
| zuzüglich Auszubildende | 62 Auszubildende (51) |
Dienstleistungen gewinnen an Bedeutung
Das "Brot-und-Butter-Geschäft" wurde wie schon 2018 sehr gut abgerundet durch den Geschäftsbereich Dienstleistungen. "Teilweise neu entwickelte Dienstleistungen rund um Infrastruktur und Energie haben mit einem Plus von rund 1,2 Mio. Euro zum Gesamterfolg beigesteuert", unterstreicht Eder. Auch die Sparte Telekommunikation knüpft an die guten Ergebnisse aus den Vorjahren an. Die Tochtergesellschaft SWU TeleNetverzeichnet ein Plus von 1,2 Mio. Euro (2018: 1,5 Mio. Euro; 2017: 0,9 Mio. Euro)
Die Stadtwerke richten für große Stromkunden Trafostationen ein und betreiben sie; es wurden Aufträge zur Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik für umliegende Städte und Gemeinden gewonnen und betreiben Trinkwassernetze von Gemeinden im Umland. In größeren Wohneinheiten finanziert, baut und betreibt die SWU die Heizanlage und übernimmt auf Wunsch sogar die Energieabrechnung. Auch das erheblich ausgebaute E-Ladenetz und der Service "private Ladesäule vor dem Haus" deuten darauf hin, dass sich der Charakter der SWU immer stärker hin zum Dienstleister verschiebt. (gun)

