Tennet profitiere zunehmend von einem integrierten Ansatz bei Netzplanung, Management und Betrieb im Rahmen eines integrierten europäischen Strommarktes. Dies teilte der Übertragungsnetzbetreiber anlässlich der Vorlage des Halbjahres-Geschäftsberichtes am heutigen Freitag in einer Presseerklärung mit.
"Der Austausch von Best Practices und gewonnenen Erkenntnissen aus der Betriebspraxis zwischen unseren deutschen und niederländischen Betrieben zahlt sich in Bezug auf unseren integrierten Ansatz für den Netzausbau auf See und an Land, eine bessere Netzauslastung aufgrund europäischer Innovationen und eine grenzüberschreitende Energiesystem-Planung immer mehr aus", erklärte Manon van Beek, CEO von Tennet.
Fortschritte bei den Netzanschlüssen für Offshore-Windparks
Der Übertragungsnetzbetreiber betreibt laut eigenen Angaben derzeit 14 Offshore-Netzanschlüsse für Windparks auf dem Meer, zwölf in der deutschen und zwei in der niederländischen Nordsee. Der zwölfte Offshore-Netzanschluss in Deutschland, BorWin 3, sei im ersten Halbjahr 2020 an TenneT übergeben worden. Damit belaufe sich die Gesamtanschlusskapazität in der deutschen Nordsee auf über 7 Gigawatt.
Weitere Fortschritte seien auch bei den Anbindungen der Windparks in der niederländischen Nordsee erzielt worden, teilte das Unternehmen mit. So habe die Offshore-Netzanbindung Borssele Alpha kürzlich erstmals Windstrom von dem angeschlossenen Offshore-Windpark übertragen und das Netzanbindungssystem Borssele Beta sei in Betrieb genommen worden.
Investitionsprogramm im ersten Halbjahr 2020 um 30 Prozent erhöht
Auch bei der Nutzung von Drehstrom-Erdkabeln kämen Tennet seine europäischen Erfahrungen zu Gute, heißt es in der Mitteilung weiter. Verwiesen wird auf das niederländische Randstadt-Projekt, das mit zehn Kilometern europaweit längste Drehstrom-Erdkabelprojekt. Von diesen Erfahrungen profitieren auch die Gleichstromverbindungen Sued Link und Suedost Link.
"Wir haben uns als widerstandsfähig gegen die Herausforderungen der COVID-19-Pandemie erwiesen", wird van Beek in der Mitteilung zitiert. Die Netzausbauprojekte an Land und auf See sowie die Instandhaltung gingen weiter planmäßig voran. Zudem sei das Investitionsprogramm im ersten Halbjahr 2020 um 30 Prozent erhöht worden.
Europäische Crowd Balancing-Plattform bindet Prosumer ein
Neben Netzausbau und Instandhaltung investiere TenneT ebenfalls stark in weitere Innovationen, um die Kapazität und Flexibilität bestehender Stromleitungen zu optimieren und diese besser zu nutzen, erklärte das Unternehmen. Im April sei in Kooperation mit den Übertragungsnetzbetreibern Terna (Italien) und Swissgrid (Schweiz) mit Equigy eine neue europäische Crowd Balancing-Plattform gestartet worden, die die Blockchain-Technologie nutze.
Diese Plattform werde es Millionen von europäischen Prosumern ermöglichen, Netzbetreibern über ihre Elektroautos, Hausbatterie-Speichersysteme oder Solarmodule aktiv flexible Kapazitäten zur Stabilisierung des Stromnetzes anzubieten und damit finanziell von der Energiewende zu profitiere.
Jährliches Investitionsvolumen auf 4 bis 5 Mrd. Euro erhöhen
Gleichzeitig kündigte Tennet laut der Mitteilung an, das jährliche Investitionsvolumen in den Anschluss erneuerbarer Energiequellen und die Entwicklung eines integrierten europäischen Strommarktes auf jährlich 4 bis 5 Milliarden Euro zu erhöhen: " Wir werden steigende Mengen erneuerbaren Stroms transportieren und gleichzeitig weiter die Entwicklung eines integrierten europäischen Strommarktes vorantreiben", erklärte Tennet-CFO Otto Jager.
Angesichts des künftigen Bedarfs an Eigenkapitalfinanzierung werden die laufenden Gespräche mit der deutschen Bundesregierung über eine mögliche Kapitalbeteiligung des deutschen Staates neben dem niederländischen Staat von Tennet besonders begrüßt.
Finanzielle Ergebnisse und Ausblick
Das finanzielle Ergebnis von TenneT im ersten Halbjahr 2020 blieb laut der Mitteilung weiterhin solide. Der Umsatz von 2.319 Mio. Euro sei im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 (2.166 Mio. Euro) um 7,1 Prozent gestiegen. Der operative Gewinn ( EBIT) erhöhte sich laut Unternehmensangaben um 7 Mio. Euro auf 414 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2020 (erstes Halbjahr 2019: 407 Mio. Euro).
Im Juli 2020 hat Tennet laut der Mitteilung erneut grüne Hybridanleihen im Wert von 1 Mrd. Euro emittiert, um die Bilanz für die kommenden Jahre weiter zu stärken.
Neue Organisationsstruktur und Führungsteam
Mit Blick auf die neue Organisationsstruktur des Übertragungsnetzbetreibers sagte Tennet-CEO van Beek: " Am 1. Juli haben wir eine neue Organisationsstruktur mit einem neuen Führungsteam gebildet, die das Wachstum des Unternehmens und seine Rolle bei der Energiewende in den Niederlanden, in Deutschland und in den Nachbarländern unterstützen wird ".
Wichtige und neue Bereiche würden sich auf strategische Partnerschaften, die Digitalisierung und die Energiesystem-Planung konzentrieren. (hcn)
