"Wir sind froh und begrüßen es ausdrücklich, dass der europäische Green Deal nicht zum Opfer, sondern zum Katalysator im Rahmen von COVID-19-Belebungsmaßnahmen wurde". Dies biete eine gute Grundlage dafür, die Transformation Europas zu einem klimafreundlichen Kontinent zu forcieren, unterstrich Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender von Eon, am heutigen Mittwoch anlässlich der Präsentation des Zwischenberichts für das 1. Halbjahr 2020 bei einer Telefonkonferenz.
Teyssen verspricht sich von den von der EU und der Bundesregierung beschlossenen Konjunkturprogrammen "erhebliche zusätzliche Investitionsmöglichkeiten in das Kerngeschäft", vor allem in den Bereichen Netze, Batterien, Speicher und Infrastruktur. Bis Ende dieses Jahres will der Konzern 200 Mio. Euro zusätzlich in Infrastrukturmaßnahmen für Klimaschutz und Konjunkturbelebung investieren, kündigte Teyssen an.
Chance Quartiersentwicklung, dekarbonisierte Fernwärme und Wasserstoff
Zudem baut er auf neue Geschäftsmodelle rund um die nachhaltige Umgestaltung von Quartieren und ganzen Städten. Eon sieht er hierbei als Vorreiter mit bereits realisierten Leuchtturmprojekten wie im schwedischen Malmö. Interessante Möglichkeiten sieht er auch bei der Modernisierung und dem Umbau von Fernwärmenetzen in Ländern wie Polen, was nun durch die europäischen Konjunkturprogramme gefördert werde.
Attraktive Geschäftschancen sieht Teyssen auch in der Nationalen Wasserstoffstrategie. Eon werde den Markthochlauf von Wasserstoff auf allen Stufen der Wertschöpfungskette – von Produkten über Speicherung und Verteilung bis zum Einsatz beim Kunden – unterstützen, um die verschiedenen Sektoren bis 2050 zu dekarbonisieren.
Bereits heute verfüge das Unternehmen über 50 konkrete Wasserstoff-Projekte in Europa. Die Netzgesellschaften des Konzerns stellten ihre Gasverteilungsnetze derzeit auf H2-Readyness um, mit dem Ziel, die Verteilungsnetze über dezentrale Power-to-Gas-Anlagen und durch Anschluss an das geplante Wasserstoff-Transportnetz Erdgas mit grünen Gasen zu mischen.
Erwartetes Konzernergebnis 2020 leicht nach unten korrigiert
Teyssen zeigte sich auch zuversichtlich, dass leichte Geschäftsdämpfer durch COVID-19 bald überwunden ist. Unter der Annahme, "dass kein weiterer, einschneidender Lockdown in den Kernmärkten des Unternehmens stattfindet", geht er davon aus, "dass mit dem zweiten Quartal bereits der überwiegende Teil von Covid-19-Effekten bilanziell verarbeitet ist". Um insgesamt 300 Mio. Euro drückte COVID-19 bisher das Konzernergebnis, je zur Hälfte aus dem regulierten Netzgeschäft sowie dem Kundengeschäft.
Entsprechend korrigierte Eon seine Erwartungen für das bereinigte Konzern-Ebit in 2020 etwas nach unten, auf 3,6 bis 3,8 Mrd. Euro, ursprünglich wurden 3,9 bis 4,1 Mrd. Euro erwartet. Entsprechend wurden die Erwartungen für den bereinigten Konzernüberschuss 2020 korrigiert, von 1,7 bis 1,9 Mrd. Euro auf nunmehr 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro.
Integration von Innogy im Plan – atttraktives Slowakei-Geschäft
Gut voran kommt laut Teyssen die Übernahme und Integration von Innogy. Mit dem Squeeze-out der verbliebenen Minderheitsaktionäre habe Eon Anfang Juni den letzten großen Schritt zur vollständigen Übernahme von Innogy vollzogen. Den Verkauf von Geschäften in Ungarn, Tschechien und Deutschland, den die EU-Kommission zur Auflage gemacht hatte, setze Eon planmäßig um. Entsprechende Verträge mit Käufern seien bereits unterschrieben und führten zu Verkaufserlösen von rund einer Milliarde Euro.
Ende Juli sei die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit der slowakischen Regierung zur Übernahme des RWE-Anteils von 49 Prozent am Geschäft der VSEH gelungen. Damit werde Eon in der Slowakei künftig rund 1,5 Millionen Kunden betreuen und zum größten Netzbetreiber in dem für Osteuropa wichtigen Markt aufsteigen.
Zuversicht in puncto geplante Synergien
Auch die geplanten Synergien aus der Innogy-Transaktion von rund 740 Millionen Euro ab 2022 und rund 780 Millionen Euro im Jahr 2024 werde Eon aus heutiger Sicht wie geplant erzielen. Insgesamt sei im Zuge der Integration ein Abbau von bis zu 5.000 Stellen vorgesehen. (hcn)
