Thüga-Chef Riechel: "Durch den Innogy-Deal wächst ein noch größerer Wettbewerber mit Konzernstrukturen heran."

Thüga-Chef Riechel: "Durch den Innogy-Deal wächst ein noch größerer Wettbewerber mit Konzernstrukturen heran."

Bild: © Thomas Einberger

Der wachsende Veränderungsdruck in der Energiebranche wird zwangsläufig in der Stadtwerke-Landschaft zu einer Konsolidierung mit mehr Kooperationen und auch zu Zusammenschlüssen führen. Diese Fazit zieht der Vorstandsvorsitzende der Münchner Stadtwerke-Holding Thüga, Michael Riechel, in einem Interview mit der ZfK. Dieser Prozess werde sich nicht auf kleinere kommunale Unternehmen beschränken. "Ich glaube, dass wir auch bei größeren Unternehmen eine größere Kooperationsbereitschaft in den kommenden zwei, drei Jahren erleben werden", sagte Riechel. Darüber hinaus seien auch Zusammenschlüsse auf der Ebene der Regionalversorger "nicht auszuschließen".

Die Stadtwerke der Thüga-Gruppe aber auch alle anderen kommunalen Versorger seien vor allem mit zwei Herausforderungen konfrontiert, betonte der Thüga-Chef. "Wir müssen effizienter werden. Wir haben einerseits die Notwendigkeit unsere Infrastruktur, sprich die Netze noch besser und effizienter zu bewirtschaften. Das ist Punkt Nummer eins. Punkt Nummer zwei ist, sich bei den Vertriebsstrukturen noch besser aufzustellen. Also, dem Kunden interessante Dienstleistungen anbieten zu können und gleichzeitig die damit verbundene Kostenstruktur besser und effizienter zu gestalten. Wenn uns das gelingt, sind wir gut aufgestellt."

Kleinere Stadtwerke können viele Aufgaben "nicht allein bewältigen"

Vor allem für kleinere Stadtwerke werde es immer schwieriger, den Anforderungen des immer komplexer werdenden Geschäfts, etwa bei der Regulierung, gerecht zu werden. "Es gibt einfach die Wahrnehmung, da kann ich jetzt von unserer Gruppe sprechen, dass bestimmte Stadtwerke entsprechender Größe eine Anzahl dieser Aufgaben gar nicht allein bewältigen können. Und zwar weil sie die Ressourcen nicht haben und teilweise auch nicht über das Know-how verfügen. Das bekommen sie auch am Markt nicht. Und das ist ja Teil unseres Modells, dass wir das zentral zur Verfügung stellen und damit am Ende deutlich das Risiko und die Kosten reduzieren. Ob das andere kleine Stadtwerke oder rein kommunale Stadtwerke noch leisten können, das ist die Frage. Es kostet halt sehr viel Geld."

Mit Blick auf mögliche Chancen für Zukäufe aus dem zwischen Eon und RWE vereinbarten Innogy-Deal sieht der Thüga-Chef vor allem zunächst die kommunalen Innogy-Anteilseigner am Zug. "Es gibt Gespräche derzeit, wo auch Unternehmen auf uns zukommen, um sich zu orientieren. Es ist heute zu früh, darüber mehr zu sagen. In einem halben Jahr weiß man dann vermutlich mehr. Die entscheidende Frage ist am Ende, wie attraktiv das kommunale Lager für andere zukünftig sein wird." Klar sei, dass durch diesen Deal für die Stadtwerke ein "noch größerer Wettbewerber mit Konzernstrukturen" heranwachse.

Verschärfter Konsolidierungsdruck auch beim Energiehandel

Bei möglichen Zukäufen habe die Thüga derzeit noch ausreichend finanziellen Spielraum, eine Kapitalerhöhung könne aber mittelfristig ein Thema werden. "Wir haben auch jetzt noch Mittel, uns an anderen Unternehmen zu beteiligen. Ab einer bestimmten Größenordnung werden wir irgendwann an die Grenze kommen, wo die bisherigen Kapital- oder Finanzierungsmöglichkeiten nicht mehr ausreichen. Dann müssen wir uns Gedanken machen, wie wir das zukünftig stemmen können. Aber das sehen wir kurzfristig nicht."

Einen verschärften Konsolidierungsdruck sieht der Vorstandschef auch beim Energiehandel, dessen Margen seit geraumer Zeit immer stärker schwinden. Das gelt auch für die Versorger der Thüga-Gruppe. "Ich würde sagen, wenn man es kleinteilig macht, dann kann es auf Dauer keinen Erfolg haben. Deshalb geht es ja darum, die bestehenden Einheiten zu konsolidieren. Es sollte eben nicht jeder für sich allein machen. Da sind wir gerade in Gesprächen innerhalb der Thüga-Gruppe. Das Geschäft sollte mit Blick auf eine entsprechende Mindestgröße bewertet werden."

Energiepolitik: "Ich habe überhaupt keinen Start erkennen können"

Harsche Kritik übt Riechel an der energiepolitischen 100-Tage-Bilanz der neuen großen Koalition. "Ich habe überhaupt keinen Start erkennen können, weil das Thema Energiepolitik derzeit gar keine Rolle spielt. In keiner Weise", so der Thüga-Chef. Einen Stillstand könne sich Deutschland aber nicht leisten. Es dürfe nicht sein, "dass eine Energiewende, die uns über Jahre sehr viel Geld gekostet hat und auch jährlich immer noch viel Geld kostet, ins Stocken gerät. Derzeit steht im Bereich Energie ausschließlich die Kohlekommission im Mittelpunkt. Aber wenn Sie sich als gemeiner Leser die Überschrift anschauen, kommen Sie gar nicht drauf, dass das etwas mit Kohleausstieg und Klimaschutz zu tun hat. Null." (hil)    

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Das komplette Interview mit dem Thüga-Vorstandsvorsitzenden Michael Riechel lesen Sie in der aktuellen August-Ausgabe (8/2018) der ZfK auf Seite 6.

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