Aufgrund höherer Kosteneinsparungen als geplant und einem sehr guten Geschäftsgang sowohl im Bereich Handel und Beschaffung als auch in der Projektentwicklung hat die Stadtwerkekooperation Trianel im Geschäftsjahr 2018 ihren Gewinn deutlich steigern können. Das Unternehmen erwirtschaftete ein Ergebnis vor Steuern von 2,4 Mio. Euro (Vorjahr: 1,7 Mio.) - damit wurde das Planergebnis um 1,9 Mio. Euro übertroffen. Damit setzt die Kooperation operativ ein kleines Ausrufezeichen unter die Ende vergangenen Jahres abgeschlossene Restrukturierung, verwendet wird der Überschuss vor allem zur Risikovorsorge. Das Umsatzvolumen ging leicht um 11,1 Prozent zurück auf rund 2,7 Mrd. Euro - das hängt vor allem mit einer Anpassung des Direktvermarktungsportfolios auf 3200 MW sowie Prozessoptimierungen und der neu ausgerichteten Handelsstrategie zusammen.
Gewinnsprung aus eigener Kraft
"Nach zwei Jahren des Umbaus ist Trianel gut für die Zukunft aufgestellt und zeigt wieder operative Stärke“,betonte Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung am vergangenen Freitag während der Jahrespressekonferenz in Düsseldorf. Mit dem Ergebnis habe man die "Kehrtwende nach den schweren letzten 2 bis drei Jahren geschafft". Nach einem Millionendefizit in 2016 hatte die Kooperation im Folgejahr den Turnaround geschafft - allerdings dank Sondereffekten, unter anderem aus dem Verkauf der Vertriebsplattform T-PAD. Den Gewinnsprung im vergangenen Jahr hingegen erreichte das Unternehmen aus eigener Kraft. Dazu trug auch die erfolgreiche Restrukturierung maßgeblich bei, statt der im Rahmen der Restrukturierung eingeplanten 7,5 Mio. Euro wurden Kosteneinsparungen von 8,7 Mio. Euro realisiert.
"Dass Trianel bereits während der Restrukturierungsphase wieder Gewinne aus eigener Kraft erwirtschaftet, ist keine Selbstverständlichkeit und zeigt die Leistungsfähigkeit der gesamten Organisation und der Mitarbeiter", betonte Geschäftsführer Oliver Runte. Die Restrukturierung fußte im Wesentlichen auf den Säulen Kostensenkungen sowie Prozess- und IT-Verbesserungen. Rund 50 Stellen wurden dabei abgebaut, Ende 2018 beschäftigte Trianel 308 Mitarbeiter.
Einsatz von Künstlicher Intelligenz
Ein zentraler Hebel für die Steigerung der Prozesseffizienz liegt in der Automatisierung des Kurzfristhandels und der Verbesserung der Prognosequalität. "Wir benutzen mittlerweile auch Algorithmen und künstliche Intelligenz im Handel", erklärte Runte. Ein selbst entwickeltes Prognose-Tool unterstütze das Unternehmen dabei, die Prognosequalität beispielsweise in der Direktvermarktung deutlich zu erhöhen und damit die Deckungsbeiträge zu optimieren. Die Aktivitäten im Bereich Data Analytics sollen ausgebaut werden, kündigte Runte an. Gerade die steigende Volatilität im Kurzfristhandel erfordere die Fähigkeit, immer mehr Daten zu handeln. Deshalb liegt ein zentraler Fokus von Trianel auch künftig weiterhin auf der Modernisierung der IT-Landschaft.
Zahl der Trianel-Desk-Nutzer gestiegen
Auch die Weiterentwicklung des Trianel Desk als integrierte Steuerungsplattform für Handels-, Beschaffungs- und Vertriebsprozesse von Stadtwerken leistete im vergangenen Jahr einen wichtigen Beitrag im Bereich IT-Verbesserungen. Die im vergangenen Herbst begonnene Weiterentwicklung des T-Desk soll bis Ende des Jahres auch gasseitig abgeschlossen sein. Die Zahl der Stadtwerke, die das Trianel Desk nutzen, stieg in den vergangenen Monaten von 30 auf 37. "Das Trianel Desk, unsere neuen IT-Services und Prognoseinstrumente sowie die Weiterentwicklung in der Projektentwicklung sind eine gute Grundlage, um 2019 die Weichen langsam wieder auf Wachstum zu stellen", so Runte.
"Direktvermarktung macht wieder mehr Spaß"
Auch das Thema Direktvermarktung macht Trianel laut Runte "wieder mehr Spaß". Den leichten Umsatzrückgang bei höheren Erträgen sieht er als Bestätigung dafür, dass es richtig war in der Direktvermarktung ganz auf Prozessexellenz und Kosteneffizienz zu setzen. Trianel hatte 2018 sein Portfolio von rund 5.000 auf 3.200 MW reduziert, im Fokus standen dabei gute Standortqualitäten.
Nachfolgegesellschaft für TEE
Ertragreichste Säule war 2018 erneut die Projektenwicklung. Mit der Trianel Energieprojekte GmbH & Co. KG wurde eine neue Gesellschaft zur Fortsetzung der Projektentwicklung geschaffen. Im kommenden Jahr soll zudem eine Nachfolgegesellschaft für die in absehbarer Frist ausfinanzierte Trianel Erneuerbare Energien (TEE) an den Start gehen, die bis zu 100 Mio. Euro in Onshorewind- und PV-Projekte investieren wird, an denen sich Stadtwerke erneut beteiligen können. Sven Becker zeigte sich zudem zuversichtlich, dass bis Jahresende der Offshore-Windpark Borkum II in Betrieb gehen wird.
Hohe Drohverlustrückstellungen
Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich der Sprecher der Geschäftsführung zuversichtlich, dass Trianel das Jahresergebnis von 2018 bestätigen wird. "Wir können die Belastungen aus dem Assetgeschäft künftig wieder nachhaltig aus dem operativen Geschäft kompensieren", ergänzte Oliver Runte. Zusätzlich sichert sich das Unternehmen seit längerem über Drohverlustrückstellungen gegen die voraussichtlichen Verluste aus den konventionellen Kraftwerksbeteiligungen ab. Ende 2018 betrugen die Rückstellungen 37 Mio. Euro, das entspricht den erwarteten Verlusten der kommenden vier Jahre. Trianel weist zudem ein Eigenkapital in Höhe von 87,6 Millionen Euro auf, das entspricht einer bereinigten Eigenkapitalquote von 41 Prozent.
Verkauf von Steinkohlekraftwerk Lünen kein Thema
Ein Verkauf des aktuell größten Verlustbringers, des hochmodernen Steinkohlekraftwerks in Lünen ist aber laut Becker kein Thema. "Die Gesellschafter stehen hinter dem Kraftwerk. Es gibt Kaufanfragen, aber wir beschäftigen uns nicht mit einer irgendwie gearteten Verkaufsabsicht", versicherte der Trianel-Chef. Von der Kohlekommission hätte er sich einen konsequenteren Ausstiegspfad der Braun- vor der Steinkohle gewünscht. Mit Blick auf Lünen geht er davon aus, dass dieses Kraftwerk als eines der letzten vom Netz gehen werde. Natürlich gebe es Stilllegungsprämien, zu denen man bereit sei aus dem Kraftwerk auszusteigen respektive dieses stillzulegen. Da das Kraftwerk Lünen aber erst sechs Jahre laufe und für eine Laufzeit von mindestens 40 Jahren konzipiert sei, bewege man sich hier aktuell rein rechnerisch bei 1,1 Mrd. Euro. (hoe)



