Das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 ging 2020 in Betrieb mit der Aussicht, 18 Jahre später schon wieder vom Netz gehen zu müssen. Nicht viel Zeit also für den Betreiber Uniper, um Geld zu verdienen.
Dazu kommen steigende CO2-Preise und immer mehr erneuerbare Anlagen, die dem Kraftwerk zusätzlich zusetzen. So sehr, dass die Betriebskosten bereits 2026 die Verkaufserlöse von dort produziertem Kohlestrom übersteigen könnten. Zu diesem Ergebnis kommt das Berliner Analysehaus Energy Brainpool, das im Auftrag der Ökoenergiegenossenschaft Greenpeace Energy drei Szenarien berechnete.
Drei Szenarien
Im ersten Szenario würde Datteln 4 gemäß stundenscharfer Strommarktmodellierung bis 2038 noch etwa 63 Megatonnen CO2 ausstoßen. Das gelte für den aktuellen Kohleausstiegsfahrplan und den bisher geplanten Ausbau erneuerbarer Energien gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz, schreibt Energy Brainpool.
Der CO2-Preis würde in diesem Szenario noch im Jahr 2038 bei 40 Euro pro Tonne liegen.
Investitionskosten "sunk costs"
Steige dagegen der CO2-Preis bis dahin stetig auf 105 Euro pro Tonne und bleibe der Kraftwerkspark unverändert, sinke mit der Auslastung auch die Wirtschaftlichkeit. Datteln 4 wäre von 2026 an am Day-Ahead-Strommarkt unwirtschaftlich. Dieses Szenario dürfte unter Experten als wahrscheinlicher gelten.
Energy Brainpool weist darauf hin, dass die bereits getätigten Investitionskosten "sunk costs" sind, also nicht mehr kompensiert werden, und die künftige Wirtschaftlichkeit nicht beeinflussen. Sie seien für den Weiterbetrieb nicht relevant, selbst wenn sie die Gesamtwirtschaftlichkeit stark reduzierten.
Wenn sich Kohleausstieg verzögert
Sollten der Ausbau erneuerbarer Energien und die Reduzierung der Nutzung fossiler Energiequellen in Europa allerdings hinter den energiepolitischen Plänen zurückbleiben, sollte sich etwa der Kohleausstieg verzögern, dann erhöhten sich die CO2-Emissionen auf 76 Megatonnen CO2, heißt es weiter.
In diesem Falle seien die Strommarkterlöse und die Kraftwerksauslastung besonders hoch und stiegen langfristig.
OVG erklärt Bebauungsplan für unwirksam
Erst im Mai hatte Uniper betont, das Kraftwerk so lange betreiben zu wollen, wie dies wirtschaftlich und politisch möglich sei. Nach eigenen Angaben wirft Datteln 4 bislang in diesem Geschäftsjahr Gewinn ab. Uniper verkauft den in Datteln produzierten Strom unter anderen an RWE und die Deutsche Bahn.
Vergangene Woche hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) für das Land Nordrhein-Westfalen den zweiten Bebauungsplan für das Kraftwerk für unwirksam erklärt.
Weitere Klagen gegen Datteln 4
Datteln 4 darf dennoch weiterbetrieben werden. Grundlage ist eine gesonderte Genehmigung aus dem Jahr 2017.
Gegen diese Genehmigung laufen Klageverfahren vor dem 8. Senat des OVG. Welche Folge das Urteil zum Bebauungsplan für die Genehmigung hat, entscheidet das Gericht zu einem späteren Zeitpunkt. (aba)



