Der Energiekonzern Uniper hat operativ im ersten Quartal Federn lassen müssen. Höhere Kosten für CO2-Zertifikate, fehlende Erträge aus dem derzeit ausgesetzten britischen Kapazitätsmarkt sowie geringere Beiträge aus dem Gas- und Flüssiggasgeschäft belasteten. So waren die Gaspreise wegen des milden Winters gesunken, die Gasspeicher von Uniper seien am Ende des Winters noch zu mehr als der Hälfte gefüllt gewesen, teilte das Unternehmen mit. Den Ausblick für das Geschäftsjahr bestätigte Uniper jedoch bei der Vorlage der Zahlen am Dienstag. Die Aktien gewannen am Mittag mehr als ein Prozent.
Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank von 350 Mio. auf 185 Mio. Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Unter dem Strich verdiente der Kraftwerkskonzern jedoch mehr. Dies lag an positiven Effekten bei der Bewertung von Rohstoffderivaten, mit denen Uniper sein Strom- und Gasgeschäft gegen Preisschwankungen absichert. Das Nettoergebnis stieg so von 114 Mio. auf 768 Mio. Euro.
Erneut höhere Ausschüttungssumme angestrebt
Uniper rechnet für das neue Geschäftsjahr mit einem weiteren operativen Ergebnisrückgang. Das bereinigte operative Ergebnis soll 550 Mio. bis 850 Mio. Euro betragen, nach 865 Mio. im Vorjahr. Grund ist der Wegfall von positiven Einmaleffekten, zudem werden Absicherungsgeschäfte für Flüssiggas (LNG) realisiert. Höhere Strompreise sollen dies jedoch teilweise kompensieren. Dennoch strebt der Kraftwerksbetreiber erneut eine höhere Ausschüttungssumme an.
Datteln 4: Fertigstellung wird vorangetrieben
Ungeachtet der Empfehlung der Kohlekommission, das in Bau befindliche Steinkohlekraftwerk Datteln 4 nicht anzuschalten, treibt Uniper die Fertigstellung der Anlage voran. Im Durchschnitt arbeiten etwa 450 bis 500 Menschen auf der Baustelle, sagte der scheidende Finanzvorstand Christopher Delbrück. Uniper hat inzwischen mehr als 1,5 Mrd. Euro in das Kraftwerk investiert, dessen Fertigstellung sich immer wieder verzögert hat. Jetzt rechnet der Konzern mit dem Ende der Arbeiten für den Sommer 2020. Mit der Bundesregierung habe es ein erstes Gespräch über die Zukunft von Datteln 4 gegeben, sagte Delbrück. Uniper fordert eine Entschädigung, falls das Kraftwerk nicht ans Netz geht.
Verhandlungen mit Fortum laufen
Nichts neues gab es zu den Gesprächen mit dem finnischen Großaktionär Fortum. Derzeit verhandelt Uniper mit dem Energiekonzern über die weitere Ausgestaltung der Beziehung und mögliche Kooperationen. Fortum hält derzeit knapp 50 Prozent an Uniper, kann das Unternehmen jedoch wegen eines russischen Vetos der Wettbewerbsbehörden nicht komplett übernehmen. Die Gespräche gingen gut voran, sagte Delbrück in einer Telefonkonferenz. Bis konkrete Ergebnisse vorlägen, dürfte es aber noch dauern. "Dies wird nicht vor Ende des Sommers der Fall sein."
Führungswechsel Ende Mai
Das Management von Uniper hatte sich lange gegen eine Übernahme gewehrt. Delbrück und der erkrankt pausierende Konzernchef Klaus Schäfer werden den Konzern Ende Mai verlassen, nachdem der Aufsichtsrat die Nachfolge bestimmt hat. So wird der frühere Chef der Aufzugssparte des Industriekonzerns ThyssenKrupp, Andreas Schierenbeck, neuer Vorstandsvorsitzender des Energieversorgers. Neuer Finanzvorstand wird Sascha Bibert, der zuletzt für Eon gearbeitet hat.
Die Hängepartie zwischen Fortum und Uniper hat auch mehrere Hedgefonds auf den Plan gerufen. So forderte etwa Elliott, der zuletzt mit knapp 18 Prozent an Uniper beteiligt war, Ende März von Uniper, einen Beherrschungsvertrag mit Fortum abzuschließen. Darüber soll die Hauptversammlung am 22. Mai entscheiden. Und auch Knight Vinke meldete sich zu Wort: Sie forderten Uniper auf, sich von ihrem internationalen Geschäft zu trennen und damit faktisch die Aufspaltung des Unternehmens – um so die Blockade bei Uniper zu beenden.
Reaktion auf Hedgefonds-Vorstöße steht aus
Vorstand und Aufsichtsrat des Energiekonzerns Uniper lehnen jedoch das Ansinnen des Hedgefonds Knight Vinke nach einer Aufspaltung ab. Die Abspaltung wesentlicher Teile des Unternehmens hätte weitreichende Konsequenzen, teilten sie in einer gemeinsamen Stellungnahme am Dienstagnachmittag mit. Dies gelte sowohl für das Stromerzeugungsgeschäft in Russland ebenso wie für die Stromerzeugungsaktivitäten in Schweden. Eine Trennung widerspreche Unipers Strategie eines integrierten Geschäftsmodells. Sollten die Aktionäre auf der Hauptversammlung jedoch dem Vorschlag Knight Vinkes folgen, würden Vorstand und Aufsichtsrat nach Prüfung der Sachlage der Anweisung folgen.
In der Schwebe ist auch noch der Verkauf der Frankreich-Aktivitäten an den tschechischen Investor EPH um den Milliardär Daniel Kretinsky. Die Verkaufsgespräche dauerten an, sagte Delbrück. Uniper hatte angekündigt, sich von seinem Frankreich-Geschäft trennen zu wollen. Anlass waren nach damaligen Medienberichten die Bestrebungen von Präsident Emmanuel Macron, die Kohleverstromung bis Ende 2021 einzustellen. Uniper betreibt in Frankreich zwei Steinkohlekraftwerke; hinzu kommen noch zwei Gaskraftwerke sowie Biomasse-, Wind- und Solaranlagen. Die Kohlekraftwerke werden seit Monaten bestreikt. Dies wirke sich "erheblich" negativ auf die wirtschaftliche Situation von Uniper Frankreich aus, so der Finanzvorstand. (dpa/hoe)
