Die Preisexplosion und die Turbulenzen am Energiemarkt im Laufe des vierten Quartals haben den Technischen Werken Ludwigshafen (TWL) den Jahresabschluss verhagelt und zu tiefroten Zahlen geführt. Hinzukamen gestiegene Beschaffungspreise, ungeahnte Abschreibungen sowie die Korrektur eines Messfehlers im vorgelagerten Netz aus dem Jahr 2020 sowie entsprechende Verlustübernahmen aus dem Konzern, heißt es in der Pressemitteilung.
Unterm Strich sank das Jahresergebnis der TWL AG für das Jahr 2021 deutlich auf –14,0 Mio. Euro (2020: –4,3 Mio. Euro). Das Konzernergebnis des TWL-Konzerns ging gegenüber dem Vorjahr von minus 1,5 Mio. Euro auf minus 15,8 Mio. Euro zurück.
Die Umsatzerlöse nach Abzug von Strom- und Energiesteuer betrugen 442,4 Mio. Euro im Jahr 2021 und lagen damit um 15,7 Prozent unter dem Vorjahr 2020 mit 525,1 Mio. Euro. Der Umsatz der Sparte Strom fiel gegenüber dem Vorjahr allein um 30,2 Prozent auf 195,6 Mio. Euro. Der Umsatz bei Gas stieg dagegen gemäß der Absatzentwicklung auf 58,1 Mio. (i. Vj. 48,4 Mio. Euro).
"Schwarze Null für 2022 ist Pflicht"
„Natürlich ist wirtschaftlich gesehen die schwarze Null für das Geschäftsjahr 2022 Pflicht, und wir haben umfangreiche Kontrollmechanismen eingeführt, um auf die derzeit äußerst sprunghaften Entwicklungen am Energiemarkt noch schneller reagieren zu können“, so Dieter Feid, Kaufmännischer Geschäftsführer der TWL AG.
Der Stromabsatz fiel im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 37,6 Prozent. Maßgeblich hierfür war der Absatz bei Geschäftskunden und Netzbetreibern, dessen Rückgang zurückzuführen ist auf eine neue Angebotsrichtlinie, die der volatilen Entwicklung auf den Energiemärkten und den damit einhergehenden Risiken Rechnung getragen hat. Insgesamt fiel der Stromabsatz an Kunden von 2.166,8 Mio. kWh im Geschäftsjahr 2020 auf 1.351,6 Mio. kWh im Geschäftsjahr 2021.
Anders dagegen verlief, auch witterungsbedingt, der Absatz in der Sparte Gas. Insgesamt erhöhten sich hier die Absatzmengen über alle Kundensegmente von 1.381,0 Mio. kWh (2020) auf 1.499,8 Mio. kWh (2021) und damit um 8,6 Prozent. 3
Auch die Sparte Wärme verzeichnet insgesamt ein Absatzplus von 11,2 Prozent auf 316,3 Mio. kWh.
Investitionen sollen im laufenden Jahr weiter gesteigert werden
Gleichzeitig hat das Unternehmen 29,3 Mio. Euro investiert, vorwiegend in Netzbetrieb und Versorgungssicherheit. Gleichzeitig wurden nach eigenen Angaben rund 24 Millionen Euro der Schulden getilgt, die aus der gescheiterten Wachstumsstrategie 2020 resultieren. Trotz der Verluste in Millionenhöhe sind für das laufende Jahr Investitionen in Höhe von 34 Millionen Euro geplant.
Neben der Infrastruktur und nachhaltigen Zukunftsprojekten bildet dabei auch die Erweiterung der Dienstleistungsangebote, insbesondere im Bereich Energieeffizienz, einen Schwerpunkt. "Neben Energiespartipps, Energiechecks zur Einschätzung des eigenen Verbrauchs und unseren Angeboten wie beispielsweise dem Heizgeräteservice oder der Installation von Wallboxen, können wir für Gewerbe- und Geschäftskunden Energiemonitorings durchführen und sind dabei, eine umfassende Energie- und Förderungsberatung aufzubauen“, ergänzt Thomas Mösl, Technischer Vorstand der TWL AG.
Aufbau eines Wasserstoff-Ökosystems und verstärkte Abwärmenutzung
Die TWL hatten im vergangenen Jahr eine neue langfristige Konzernstrategie bis 2030 verabschiedet. Das Unternehmen will bis 2045 klimaneutral sein und hat hierzu Teilstrategien ausgearbeitet und in einigen Bereichen bereits mit der Umsetzung begonnen. Unter anderem soll ein Wasserstoff-Ökosystem für Ludwigshafen und Region aufgebaut werden. Ein erstes Pilotprojekt hierzu läuft bereits. Als Teil des Forschungsvorhabens DiMA-Grids ist es dabei das Ziel, die Entwicklung, Erprobung und Implementierung von digitalen Geschäftsmodellen und Plattformen für einen intelligenten Verteilnetzbetrieb voranzutreiben.
Gleichzeitig arbeite TWL im Rahmen einer Wärmestrategie am verstärkten Nutzen industrieller Abwärme, dem Einsatz von Geothermie sowie saisonaler Wärmespeicher und Wärmepumpen. Im Bereich der Elektromobilität wird TWL die öffentliche Ladeinfrastruktur weiter ausbauen und ein Netz von E-Bike-Ladestationen in Ludwigshafen installieren.
TWL investiert zudem seit Jahren in sein Fernwärmenetz, seine Versorgungsanlagen und seine Netze sowie in seine IT-Infrastruktur, nicht nur um die IT-Landschaft nach dem Hackerangriff 2020 neu aufzubauen, sondern auch um im gleichen Zug systemseitig die Voraussetzungen für die Digitalisierung der Energiewende zu schaffen. Diesen Kurs werde man in den nächsten Jahren weiter verfolgen, so die Geschäftsführung. (hoe)



