Die Hauptverwaltung der Verbundnetz Gas AG (VNG) in Leipzig.

Die Hauptverwaltung der Verbundnetz Gas AG (VNG) in Leipzig.

Bild: © VNG

Seit gut drei Jahren krempelt Vorstandschef Ulf Heitmüller das Leipziger Unternehmen grundlegend um, das vor 60 Jahren als Betreiber des ostdeutschen Ferngasnetzes gegründet waren. Im vergangenen Jahr wurde der Großhandel in eine neue Gesellschaft ausgegliedert und viel Geld in das Hochdrucknetz von derzeit 7000 km Länge investiert. Einer der Hotspots dabei ist die Beteiligung an der EUGAL, die das in wenigen Jahren über die Nordstream II angelandete russische Erdgas in Richtung Süd- und Südosteuropa transportieren soll und bereits im Bau ist.

Dazu kommen neue Engagements in Dienstleitungsbereichen, die von Mobilität über Biogas bis hin zu innovativen Quartierslösungen reichen. 274 Mio. Euro investierte VNG im vergangenen Jahr, 2017 waren es lediglich 180 Mio. gewesen. Dennoch blieb laut Finanzchef Bodo Rodestock viel Geld für künftige Investitionen in der Kasse, sank zudem die Verschuldung des Konzerns von 456 auf inzwischen komfortable 301 Millionen.

Gasabsatz steigt, Kosten sinken

Grund für die gute Kassenlage ist nicht nur ein florierendes Geschäft mit Erdgas, dem angestammten Geschäftsmodell. 500 Mrd. kWh wurden im vergangenen Jahr abgesetzt, deutlich mehr als 2017. Auch der Absatz an Großkunden stieg und erreichte 106 Mrd. kWh, während das Endkundengeschäft über die Goldgasgruppe mit sechs Mrd. konstant und eher marginal blieb.

Hinzu kommen erhebliche Erlöse aus dem regulierten Leitungsbetrieb der Unternehmenstochter Ontras und ein verbessertes aus dem bislang defizitären Speicherbetrieb. Hier sprach Rodestock aufgrund einer strikten Kostenreduktion vom Erreichen einer schwarzen Null, nannte aber keine detaillierte Zahlen für die einzelnen Segmente.

Guter Erlös beim Ausstieg in der Nordsee

Den eigentlichen Coup erzielte VNG ohnehin wo ganz anders: Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen das gesamte Geschäft des Bereiches Exploration and Production in Norwegen und Dänemark. VNG Norge hatte in den letzten Jahren Dutzende Lizenzen an Offshorefeldern erworben  und waren dort auch fündig geworden.

Wie viel Geld der Verkauf, der im September wirksam wurde, letztlich eingebracht hat, will VNG nicht sagen und verweist auf eine Klausel im Kaufvertrag. Es wurden aber „sämtliche Investitionen des vergangenen Jahres deutlich überkompensiert, und wir haben noch viel Geld für unsere neuen Projekte in der Kasse“, sagte Rodestock.

Aktionäre profitieren ebenfalls

Freuen wird es letztlich auch die Aktionäre, die eine Dividende von 40 Mio. Euro erhalten sollen – fünf mehr als ein Jahr zuvor. Dass die Ausschüttung nicht noch viel höher wird, begründet Heitmüller mit dem Einmaleffekt des Verkaufserlöses und der anstehenden Investitionen. Hierzug gehört insbesondere auch der schrittweise Übergang zum „grünen Gas“, um die Dekarbonisierung bis 2050 vollständig umzusetzen. Bis 2030 soll der Anteil von Biogas und Wasserstoff im VNG Netz bereits mindestens ein Viertel betragen.

Im vergangenen Jahr erwarb VNG erneut fünf weitere Biogasanlagen und will jetzt verstärkt auch auf Wasserstoff-Technologie setzen. Dazu sollen Power-to-Gas-Anlagen aus Windstrom Wasserstoff erzeugen, der über ein Pipeline-System auch in einem Kavernenspeicher gelagert werden soll.

Auch 50 Prozent H2-Anteil kein Problem

Die bisherige Begrenzung des H2-Anteils im Leitungssystem soll bereits in absehbarer Zeit auf 20 Prozent steigen, wobei auch 50 Prozent technisch kein Problem seien, wie Heitmüller versichert. Schließlich habe das Netz in Ostdeutschland bis zur Umstellung Mitte der 90er Jahre auf Stadtgasbasis funktioniert – und das hatte einen Wasserstoffanteil mehr als der Hälfte. (masch)

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