Auch die Saarländer VSE-Gruppe verzeichnet seit Beginn der Coronakrise deutliche Rückgänge beim Stromabsatz. Zwischenzeitlich war dieser um 30 Prozent zurückgegangen. Mittlerweile gebe es eine leichte Erholung, das Minus betrage aber immer noch circa 25 Prozent. Der Absatz von Privatkunden sei hingegen leicht angestiegen um rund fünf Prozent, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Für das Gesamtjahr erwartet das mehrheitlich zu Innogy gehörende Unternehmen einen deutlichen Rückgang beim Energieabsatz.
Langsam nähmen Industrie- und Gewerbegebiete wieder das Geschäft auf. „Auf dem Vor-Corona-Niveau sind wir aber noch nicht angekommen“, heißt es Trotz der aktuellen Krisensituation hält das Unternehmen an seiner langfristigen strategischen Ausrichtung fest, wie die VSE heute bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2019 bekanntgab. Zentrale Säulen sind dabei der Ausbau regenerativer Energien und einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur sowie innovative energieeffizienten Lösungen.
Strom- und Gasverkäufe gingen bereits Ende 2019 zurück
Bestätigt in dieser strategischen Ausrichtung fühlt sich Vorstand Hanno Dornseifer nicht nur aufgrund der Corona-Krise, sondern auch mit Blick auf die Konjunkturabschwächung und Produktionsrückgänge in der Industrie gegen Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres 2019. Diese führten zu spürbaren Absatzrückgängen im Strom- und Gasvertrieb. Die Stromabgabe ging 2019 auf 14,37 Mrd. kWh (Vorjahr: 16,20 Mrd. kWh) zurück, die Gasabgabe sank auf 9,14 Mrd. kWh (Vorjahr: 11,1 Mrd. kWh). Die Umsatzerlöse der Gruppe gingen von 1,23 Mrd. Euro in 2018 auf nunmehr 1,10 Mrd. Euro zurück. Das Jahresergebnis fließt in die Innogy- respektive in die künftige Eon-Bilanz ein und wird dort vollständig konsolidiert. Entsprechend wurden keine Ergebniszahlen bekannt gegeben.
Profitieren tut die VSE aktuell insbesondere auch vom Ausbau des Glasfasernetzes und dem Angebot entsprechender Services wie sprachbasierter Cloud-Dienste über den Telekommunikationsdienstleister VSE NET. Diese ermöglichten etwa die schnelle Einrichtung von Homeoffice-Arbeitsplätzen, kostengünstige Video- und Telefonkonferenzen mit lokaler Rufnummer, die schnellere Erreichbarkeit über zentrale Rufnummern zum Beispiel für Gesundheitsämter oder Notrufschaltungen für Krankenhäuser. "Es ist ein Vorgeschmack, wie Zukunftsarbeit aussehen kann", so Vorstand Gabriel Clemens. Corona habe einen regelrechten Digitalisierungsschub ausgelöst, deren Chancen Wirtschaft und öffentliche Verwaltung künftig verstärkt nutzen werden.
Erneuerbaren-Pipeline ist gut gefüllt
Auch das Erneuerbaren-Portfolio wächst stetig. Mit 128 Megawatt (MW) installierter Leistung bei Windkraft und 25 MW Leistung bei Photovoltaik gehört die VSE nach eigenen Angaben zu den größten regenerativen Energieerzeugern im Saarland. Weitere 51 MW Windkraft und 16 MW Photovoltaik sollen hinzukommen und sind derzeit in der Sondierung.
Weniger Energieverbrauch, mehr Unabhängigkeit und Stärkung des grünen Images – das ist das Ziel der VSE bei der Stromversorgung regional und auch überregional. So sollen im Landkreis Cochem-Zell die Potenziale vorhandener regenerativer Erzeugungsanlagen flexibler genutzt werden, um Ökostrom verstärkt in der Region zu verbrauchen. Für eine bessere Vermarktung werden die Anlagen zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschlossen. Der Landkreis, die Transferstelle Bingen und die VSE als Händler arbeiten bei diesem Projekt Hand in Hand.
VSE Net bietet Dienste für Eon-Regionalversorger an
Der Telekommunikationsdienstleister VSE NET ist nach wie vor auch außerhalb des Saarlandes tätig wie in der Eifel, Hunsrück, Nahe. Das Unternehmen bietet bereits für mehr als zehn Energie-Versorger im Bundesgebiet einen White-Label Dienst an, etwa Telefonie und Internet, inklusive technischer Betrieb der Netze und Billing. Auch für regionale Energieversorger im Eon-Konzern wird VSE NET entsprechende Dienste anbieten. Beispielsweise für White-Label-Breitbanddienste und die Betriebsführung des Glasfasernetzes. Seit Ende letzten Jahres zählt VSE Net bereits mehr als 100.000 Nutzer bundesweit. Neben Innogy, das 50 Prozent der Anteile plus eine Aktie an der VSE hält, sind auch das Saarland sowie Landkreise, Städte und Gemeinden aus dem Saarland an dem Energieversorger beteiligt. (hoe)
