Am vergangenen Donnerstag haben auch die Stadträte von Bottrop und Gelsenkirchen der Anteilsaufstockung der Kommunen an der noch mehrheitlich privaten Emscher Lippe Energie (ELE) zugestimmt. Diese greift aber erst ab 30. Juni 2026, ab dann soll die ELE wieder mehrheitlich in kommunalen Besitz übergehen. Darauf haben sich die drei ELE-Gesellschafter Bottrop, Gelsenkirchen und Gladbeck (alle halten je 16,6 Prozent der Anteile) laut Lokalmedien nach den fast zwei Jahre dauernden Verhandlungen mit dem aktuellen Mehrheitsgesellschafter Innogy (51,1 Prozent) geeinigt.
Aufstockungsoption im Gesellschaftervertrag
Die kommunalen Gesellschafter machen hiermit von ihrer im Konsortialvertrag vereinbarten Change-of-Control-Klausel Gebrauch. Der Gesellschaftsvertrag sieht eine Aufstockungsoption bei einem Kontrollwechsel zugunsten der kommunalen Gesellschafter auf insgesamt 50,1 Prozent der Anteile vor. Die Voraussetzungen zur Ausübung dieser Kontrollwechselklausel seien seit der Genehmigung der Übernahme von Innogy durch Eon durch die EU-Kommission gegeben, heißt es in der Beschlussvorlage für den Rat der Stadt Gelsenkirchen.
Prämie als Kompensation
Konkret werden die drei Städte je 0,066 Porzent der Anteile von Innogy erwerben. Der zu zahlende Kaufpreis hierfür liegt bei 300.000 Euro. Um einen "möglichst geschäftsschonenden Übergang der ELE vom konzernverbundenen Unternehmen hin zu einem kommunal beherrschten Energieversorger" zu ermöglichen, wurde eine Übergangszeitraum bis zum 30. Juni 2026 vereinbart. Bis dahin bleiben Innogy respektive Eon Mehrheitseigner. Als Kompensation hierfür erhalten die drei kommunalen Gesellschafter einmalig eine Prämie von 1,6 Mio. Euro.
Diese Übergangsphase wird unter anderem auch mit einer anspruchsvollen Umstellung der IT-Infrastruktur begründet. Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski erhofft sich von dem Schritt unter anderem attraktivere Strom- und Gastarife und eine nachhaltige Energieversorgung.
ELE: 240.000 Privat- und Gewerbekunden
Die ELE-Anteile Gelsenkirchens werden von den Stadtwerken Gelsenkirchen gehalten. Die ELE versorgt rund 240.000 Privat- und Gewerbekunden und etwa 1200 Geschäftskunden. Das Unternehmen beschäftigt rund 600 Mitarbeiter. Erst einen Tag zuvor hatten die Stadtwerke Neuss bekannt gemacht, dass sie ebenfalls die Kontrollwechselklausel aktiviert haben und dies für eine Teil-Rekommunalisierung und ein Kooperationsmodell mit Eon nutzen. (hoe)



