Rund sieben Milliarden Euro werden kommunale Unternehmen in den kommenden zehn Jahren in die Digitalisierung der Verteilnetze investieren müssen. Angesichts der Größe dieser Herausforderung rät der stv. VKU-Hauptgeschäftsführer Michael Wübbels Stadtwerken, insbesondere im Netzbereich in Kooperationen mit benachbarten Verteilnetzbetreibern zu denken. Dies hob er bei einem Vortrag bei der 13. VKU-Finanzierungskonferenz in Berlin hervor. Ein Beispiel für eine solche Zusammenarbeit könnten intelligente Verteilnetzcluster sein, bei denen Netzbetreiber auf Augenhöhe zusammen arbeiten, bestimmte Aufgaben übernehmen, aber auch gewisse Teilbereiche abgeben.
Insbesondere beim Engpassmanagement kommen auf Verteilnetzbetreiber schon bald neue Aufgaben zu. Hintergrund ist, dass die Redispatch-Maßnahmen im jeweiligen Netz knünftig vorrangig durch Verteilnetzbetreiber und nicht mehr durch Übertragungsnetzbetreiber gesteuert werden. Die entsprechenden Prozesse bei den VNB und den ÜNB müssen bis Oktober 2021 implementiert sein. So sieht es das Netzausbaubeschleunigungsgesetz 2.0 (Nabeg 2.0) vor. "Hier müssen sich Stadtwerke entsprechend ertüchtigen durch Investitionen in die IT", bekräftigte Wübbels.
Netze: 20 Mrd. Euro gehen jedes Jahr allein in Ersatzinvestitionen
Im Wesentlichen geht es hierbei um Mess- und Steuertechnik sowie die Kommunikations- und IT-Infrastruktur. Um das wachsende Stromvolumen aus erneuerbaren Energien zu integrieren, müssen Stadtwerke in den nächsten 20 Jahren zudem zwischen 14 bis 28 Mrd. Euro für die Netzerweiterung aufwenden. Hinzu kommen jedes Jahr klassische Ersatzinvestitionen von rund 20 Mrd. Euro.
Im Erzeugungsbereich werden langfristige Finanzierungen vor allem durch die unsicheren Rahmenbedingungen erschwert. Zum Beispiel durch die zahlreichen, noch offenen Fragen rund um das Klimaschutz- oder das Kohleausstiegsgesetz. Hinzu kommt erschwerend die momentane Unklarheit über die Zukunft des steuerlichen Querverbunds. "Es besteht momentan viel Rechtsunsicherheit und trotzdem müssen kommunale Unternehmen investieren", brachte es Andreas Meyer, Bereichsleiter Steuer und Finanzen beim VKU, auf den Punkt.
KWK: Mehr Anreize für Fuel Switch
Besondere Herausforderungen sieht Michael Wübbels unter anderem bei der künftigen Finanzierung der Kraft-Wärme-Kopplung und der Wärmenetze. Die Auslastung der KWK sinke durch veränderte Rahmenbedingungen im Strom- und Wärmemarkt. Hier müsse die Politik Anreize schaffen, um Potenziale der Wärmeinfrastruktur mit wirtschaftlichen KWK-basierten Konzepten erschließen zu können. Ein Beispiel hierfür sei der sogenannte Fuel Switch von kohlebasierten auf mit Gas oder Erneuerbaren betriebenen KWK-Anlagen. Um hier Betreiber für diesen Schritt zu gewinnen, müssten diverse Boni angehoben werden.
Verbesserungen beim Mieterstrom geplant
Schwierig seien aktuell auch die Perspektiven beim Ausbau der Windenergie an Land. Aktuell befänden sich Stadtwerkeprojekte mit einem Leistungsumfang von rund 1200 MW auf Halde. Projektrisiken von der Akzeptanz über den Naturschutz bis zur Flugsicherung machten die Projekte langwierig und teuer. Anders im Photovoltaikbereich. Hier gebe es momentan einen "Hype". Wübbels begrüßte, dass der PV-Ausbaudeckel angehoben wird. Für den bisher sehr verhaltenen Mieterstrom-Ausbau mit lediglich 677 Anlagen mit insgesamt 13,9 MW seien Verbesserungen geplant. Hier hat der VKU ein Positionspapier entwickelt, das auf eine Ausweitung des Anwendungsbereichs und Vereinfachungen abzielt. (hoe)



