Der Regionalversorger Enercity aus Hannover hat im Geschäftsjahr 2021 erstmals die Umsatzmarke von fünf Milliarden Euro (2020: 3,7 Mrd. Euro) geknackt und auch sein Ergebnis deutlich gesteigert. Die Umsätze legten dabei um 29 Prozent zu.
Ein wichtiger Wachstumstreiber war laut Pressemitteilung der Dienstleistungsbereich mit den Säulen erneuerbare Energien, Kundenlösungen und digitale Dienstleistungen. Das Konzern-Ebit kletterte auf 211,8 Millionen Euro, das Ebitda auf 311 Mio. Euro (2020: 272 Mio. Euro).
"Erfreulicher Kundenzuwachs"
„Das vergangene Geschäftsjahr war trotz sich zuspitzender Lage am Energiemarkt geprägt von einem sehr erfreulichen Kundenzuwachs nicht nur im Commodity-, sondern auch im Dienstleistungsbereich“, erklärte Enercity-CEO Susanna Zapreva bei der Bilanzpressekonferenz.
Aufgrund der Marktverwerfungen und Lieferstopps und Insolvenzen von Energieanbietern hatte der Regionalversorger insbesondere in der zweiten Jahreshälfte von 2021 mehrere Tausend Kundinnen und Kunden kurzfristig in Grund- und Ersatzversorgung aufnehmen müssen.
Dies habe man dank einer langfristig orientierten Beschaffungsstrategie ohne Anpassung der Grundversorgungstarife für Bestandskunden in Hannover und Umland geschafft, heißt es weiter.
Baugenehmigung für Altholz-Heizkraftwerk
Auch bei der Transformation des eigenen Energieerzeugungsportfolios vermeldet das Unternehmen weitere Fortschritte. Nach Erhalt der Baugenehmigung durch das Gewerbeaufsichtsamt startet der Bau des neuen Altholz-Heizkraftwerks und zweier Biomethan-Blockheizkraftwerken (BHKW).
Mit Abschaltung von Block 1 des Kohlemeilers in Hannover-Stöcken will Enercity perspektivisch die Wärmeerzeugung insbesondere durch die Energieträger Abfall, Altholz und Klärschlamm ersetzen.
Einige der dafür erforderlichen Ersatzanlagen laufen bereits. Allein für die Ersatzanlagen für das Kohlekraftwerk investiert das Unternehmen mehr als 500 Millionen Euro.
"Müssen uns unabhängig von fossilen Energieimporten machen"
„Die derzeitigen geopolitischen Entwicklungen mit ihren Auswirkungen auf die Energiemärkte zeigen, dass wir uns unabhängig von fossilen Energieimporten machen müssen“, erklärte Enercity-Chefin Zapreva. „Unsere Strategie, aus der Kohle auszusteigen und keine neuen Gaskraftwerke zu bauen, erweist sich einmal mehr als goldrichtig.“
Zudem müsse der Ausbau erneuerbarer Energien forciert werden. Dies betreffe einerseits das Engagement im Windkraft- und PV-Sektor, andererseits erneuerbare Wärmequellen.
Ausbau grüner Fernwärme soll forciert werden
Auch die Umstellung der Fernwärme von fossilen auf regenerative Energieträger wird vorangetrieben. „In den kommenden zehn Jahren gehen wir vom Anschluss von insgesamt rund 60.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten ans Fernwärmenetz aus. Allein hierfür investieren wir weit mehr als 200 Millionen Euro“, so Zapreva.
Zahl der bundesweit installierten Ladepunkte verdoppelt
Der Zahl der von Enercity bundesweit installierten Ladepunkte hat sich gegenüber dem Vorjahr auf mehr als 3000 verdoppelt. In Hannovers Stadtteil List entsteht darüber hinaus der nach eigenen Angaben größte E-Ladepark Norddeutschlands mit rund 90 Ladepunkten.
Beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Hannover liege man im Plan und will bis Ende April das mit der Stadt vereinbarte Ziel von 440 Ladepunkten erreichen.
Investitionsoffensive in den kommenden Jahren
Trotz widriger Umstände erwartet das mehrheitliche kommunale Unternehmen, Umsatz und Ergebnis im laufenden Jahr stabil zu halten. Ziel ist weiterhin eine Verdopplung des Ebits auf 220 Millionen Euro im Jahr 2025 im Vergleich zu 2016. Der Regionalversorger investiert in den kommenden Jahren rund 1,5 Mrd. Euro.
"Dennoch stellt uns die derzeitige Lage hinsichtlich der Versorgungssicherheit mit Gas vor riesige Herausforderungen und erhöht unsere Risikopositionen extrem stark. Sollte es zu Lieferunterbrechungen kommen, was ich nicht hoffe, werden wir die größte Krise zu meistern haben, die unsere Branche in den vergangenen Jahrzenten erlebt hat“, fasste Zapreva zusammen.
Berichte über Razzien bei Gazprom Germania und Wingas
Die Liquiditätsrisiken seien in Folge der Marktverwerfungen sehr stark gestiegen. „Wenn sich weitere Handelsunternehmen aus dem Markt verabschieden würden, hätten wir ein Problem“, so die Enercity-Chefin. Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf angebliche Razzien der Wettbewerbsbehörden der Europäischen Union (EU) in den deutschen Niederlassungen von Gazprom Germania und Wingas.
Hintergrund sollen Anhaltspunkte für wettbewerbswidriges Verhalten sein. Über diese hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg am Vortag unter Berufung auf einen Insider berichtet. (hoe)



