Videokonferenzen haben sich als akzeptabler Ersatz für Dienstreisen etabliert.

Videokonferenzen haben sich als akzeptabler Ersatz für Dienstreisen etabliert.

Bild: © Zoom

Vor dem Morgengrauen aufstehen, zum Check-in für den ersten Flug von Köln nach Berlin hechten, um sich dort eine Stunde lang mit Geschäftspartnern auszutauschen und noch am gleichen Tag wieder zurückzufliegen: Was in vielen Unternehmen Alltag war, wirkte oft schon vor Corona nicht mehr zeitgemäß. Viel CO2 landete in der Atmosphäre der supermobilen Arbeitswelt. Dann kam die Pandemie – und zwang die Welt, endlich einmal genauer zu überlegen: Muss das wirklich sein?

Deutsche Post, Deutsche Telekom, Deutsche Bank, Rheinmetall, Zalando, Evonik, RWE, Thyssenkrupp oder Bayer: Fragt man große deutsche Konzerne, ist die Einigkeit über die Branchen hinweg groß: «Nach Corona» werden nicht mehr so viele Dienstreisen stattfinden wie vorher – die Lehren der Pandemie werden bleiben.

Sparpotenzial bei Dienstreisen

Für global agierende Unternehmen wie die Post mit Mitarbeitern in 220 Ländern gehören Treffen per Video schon lange zum Alltag. Aber: «Die Pandemie hat hier als Katalysator fungiert und der virtuellen Zusammenarbeit einen weiteren Schub gegeben», sagt eine Post-Sprecherin. In den meisten Fällen habe es keine inhaltlichen Einbußen gegeben, sogar Länderbesuche hätten virtuell stattgefunden.

Auch der Rüstungskonzern Rheinmetall berichtet davon, dass selbst langwierige, länderübergreifende Vertragsverhandlungen mit Kunden auf einmal auch per Video möglich waren. Die Zahl der Konferenzen über Telefon oder Video sei bei Rheinmetall in den vergangenen vier Monaten auf das Sechsfache gestiegen, teilte ein Sprecher mit. Gleichzeitig seien die Reisekosten um rund 80 Prozent gesunken. Dieses «enorme Sparpotenzial» sporne an, die Tools auch in Zukunft intensiver zu nutzen als zuvor.

Persönliches Erscheinen wird geschätzt

Doch nicht für jedes Treffen ist der virtuelle Raum der richtige, auch da sind sich viele Unternehmen einig. «Klar ist, dass virtuelle Konferenzen den persönlichen Kontakt nicht vollständig ersetzen können», sagt etwa eine Sprecherin von BMW. Man wolle von Fall zu Fall abwägen und erwarte eine Mischung aus echten und digitalen Treffen, heißt es bei vielen Firmen.

Wer sich auf einen weiten Weg zu seinem Gesprächspartner macht, gibt sich Mühe. Diese Wertschätzung dürfte gerade im Kontakt mit Kunden bislang oft ein Grund für manche Dienstreise gewesen sein. Da während der Corona-Zeit Reisen generell kaum zur Debatte standen, hatten alle Seiten die Chance, sich frei von Erwartungen an neue Formen zu gewöhnen.

Erwartungen haben sich verändert

Persönliche Treffen würden von Geschäftspartnern daher mittlerweile auch weniger erwartet oder veranlasst, heißt es zum Beispiel von Telekom und RWE. «Die hohe Bereitschaft und Akzeptanz zum mobilen Arbeiten hat ganz automatisch dazu geführt, dass die Notwendigkeit von Dienstreisen auf allen Ebenen hinterfragt wurde – sei es mit Kollegen, Kunden oder Dienstleistern», erzählt eine Evonik-Sprecherin. (dpa/hp)

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