Wolfram Günther ist seit Dezember der erste grüne Umweltminister in der sächsischen Koalition aus CDU, Grüne und SPD.

Wolfram Günther ist seit Dezember der erste grüne Umweltminister in der sächsischen Koalition aus CDU, Grüne und SPD.

Bild: © SMUL/Dennis Williamson

«Ich sehe die Trockenheit nicht als Sorge, sondern als Aufgabe», sagt der sächsische Umweltminister Wolfram Günther im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe darum, in allen Sparten mit allen Akteuren gemeinsam systematisch diese Probleme lösen, weil es die neue Realität sei.

Laut Wetterdaten fehlten in Sachsen von November 2017 bis Dezember 2019 rund 335 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Vor allem in Nord- und Ostsachsen ist es besonders trocken. Laut dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie betrug 2018 das Niederschlagsdefizit 33 Prozent und im vorigen Jahr 14 Prozent.

Wenig Hoffnung auf Besserung

Der mittlere Grundwasserspiegel in Sachsen lag Ende vergangenen Jahres 40 Zentimeter unter dem Mittel der Jahre 1989 bis 2019. Ende Januar 2020 wurde bereits an 30 Prozent aller Flusspegel im Land Niedrigwasser registriert. «Es regnet signifikant weniger, es verdunstet immer mehr. Da haben wir ein strukturelles Problem», konstatiert Günther.

Das seinem Hause unterstellte Landesamt macht auch beim Blick in die Zukunft wenig Hoffnung auf Besserung. «Wir haben eine durchgreifende Erwärmung festgestellt und für die Zukunft ist eine Fortsetzung dieser Entwicklung zu erwarten. Wir leben seit Herbst 2013 in einer Phase, in der sämtliche Jahreszeiten wärmer waren als der Durchschnitt», sagt Referatsleiterin Andrea Hausmann der dpa.

Weiterer Rückgang der Niederschläge

Die Klimaprojektionen reichen bis in das Jahr 2100. «Die Erwärmung wird weitergehen. Man rechnet mit einer Erwärmung um ein bis fünf Kelvin bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Bei den Jahresniederschlägen wird von einem Rückgang um fünf bis 30 Prozent ausgegangen», sagt die Expertin.

Günther – seit Dezember in der Koalition aus CDU, Grünen und SPD der erste grüne Minister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft in Sachsen – will die Ärmel hochkrempeln. Der von Trockenheit und Borkenkäferbefall angegriffene Wald als natürlicher Wasserspeicher soll umgebaut werden. Für den Umweltrechtler heißt das: keine Kahlschläge mehr, keine Monokultur und keine Altersreinbestände.

Förderung der Waldverjüngung

Weil das nicht von Heute auf Morgen «mit einem Fingerschnippen» gehe, sondern Jahrzehnte in Anspruch nehme, müsse jetzt jeder Schritt stimmen. Sowohl beim Staatsbetrieb Sachsenforst als auch bei privaten Waldbesitzern soll die Arbeit mit verschiedenen Waldstadien gefördert werden. «Wir fördern jetzt neuerdings die Naturverjüngung.»

In Städten geht es um Beschattung und Wasserspeicherung. Freiflächen wie alte Bahnstrecken sollen als Windschneisen dienen, Fassaden und Dächer begrünt werden. Gießaktionen für Bäume, die bei Hitze als Schattenspender gesucht würden, müssten Normalität werden. «Grün ist kein ,nice to have’, Stadtgrün ist überlebensnotwendig», sagt der Umweltminister.

Landwirtschaft muss sich umstellen

Die Landwirtschaft müsse sich umstellen, sagt Günther. «Wir merken, dass Dürre und Wassermangel für unsere sächsischen Verhältnisse keine Ausnahme mehr sind, sondern das ist die neue Normalität», stellt er fest. Nach seiner Meinung müssen die Betriebe deswegen auch für Sachsen neue Pflanzenarten anbauen wie Hirse oder Soja. Um mit weniger Wasser auszukommen, sei Streifenwirtschaft eine Maßnahme. Dabei würden laut Günther zwei Drittel des Bodens nicht mehr umgebrochen und so besser vor Austrocknung geschützt.

«Jeder Tropfen Wasser, den ich im Boden habe, ist kostbar. Wir müssen das Schwammverhalten der Landschaft erhöhen», betont Günther. Vom Land gefördert werden soll daher auch das Anpflanzen von Hecken, die sowohl den Wind brechen als auch dem Artenschutz dienen. «Wir haben sehr gute Hecken-Programme. Man kann auch als Landwirt mit einer Hecke ganz normal sein Geld verdienen», so der Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft.

Trinkwasserversorung ist ungefährdet

Entwarnung gibt Günther beim Blick auf die Trinkwasser-Talsperren. Aktuell sei der Füllstand insgesamt in Ordnung, sagt er. «Im Moment muss keiner Angst haben um das Trinkwasser», versichert Sachsens Umweltminister. Mit Stand vom 20. Juni waren die 21 Staubecken im Schnitt zu fast 87 Prozent gefüllt. Allerdings ist die Spanne gewaltig: Während die zu Chemnitz gehörende Talsperre Einsiedel zu 100 Prozent gefüllt war, waren es bei der Talsperre Lehnmühle im Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge nicht einmal 30 Prozent. (dpa/hp)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper