Aufgrund der anhaltenden Trockenheit in Niedersachsen und im Harz bereiten sich die Harzwasserwerke auch 2020 wieder auf ein Doppeltrockenjahr vor. "Bereits das dritte Jahr in Folge sind unsere Talsperren unterdurchschnittlich gefüllt und bewegen sich knapp unter dem Niveau von 2018", sagt der Technische Geschäftsführer der Harzwasserwerke, Christoph Donner. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass in Zukunft Dürrephasen und Trockenheit unsere neue Normalität werden können."
Nach einem regenreichen Februar kam es in Niedersachsen über den Sommer lokal zwar immer wieder zu Niederschlägen. Im Einzugsgebiet der Talsperren im Westharz fielen teilweise allerdings deutlich unterdurchschnittliche Niederschläge. Zum Beispiel hat sich so an der Station Clausthal ein Niederschlagsdefizit im Vergleich zum langjährigen Mittel von 150 Millimetern aufgebaut.
Ein halbes Jahr Regen fehlt
Besonders wenig Niederschlag wurde an der Station Torfhaus im Harz gemessen: Hier hat sich ein Niederschlagsdefizit von 200 Millimetern aufgebaut. Betrachtet man den Zeitraum seit 2018, ist das Defizit nunmehr auf 650 Millimeter angewachsen, was circa der Hälfte des dortigen Jahresniederschlags entspricht.
"Aktuell sind unsere Talsperren nur noch zu rund 44 Prozent gefüllt und damit 20 Prozent weniger als im langjährigen Mittel", sagt Donner. "Weil wir schon seit Anfang des Jahres 12 Mio. Kubikmeter Wasser vorsorglich von der Innerstetalsperre in die Granetalsperre übergepumpt haben, stehen die Trinkwassertalsperren mit einem Füllstand von 57 Prozent etwas besser da als im September 2018."
Vorbereitung für ein Doppeltrockenjahr
Insbesondere an der Ecker- und Okertalsperre sei die Trockenheit dieses Jahr zu spüren. "Aufgrund der Vier-Wochen-Wettervorhersage des Deutschen Wetterdienstes gehen wir nicht von einer kurzfristigen Entspannung der Situation aus", sagt Donner. Darum bereite man sich auf den schlechtmöglichsten Fall, ein Doppeltrockenjahr, vor.
Um der anhaltenden Trockenheit entgegenzuwirken, haben die Harzwasserwerke nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre schon frühzeitig und intensiv die Großwetterlage beobachtet und sich auf ein weiteres Trockenjahr eingestellt. Neben dem frühzeitigen Überpumpen von Wasser in die Granetalsperre haben die Harzwasserwerke in ihrem System Lasten umverteilt.
Trinkwasser-Verbundsystem
So produzieren Söse- und Eckertalsperre an ihren Wasserwerken weniger Trinkwasser, um die dortige Ressource zu schonen. Die Granetalsperre entlastet Söse- und Eckertalsperre und produziert mehr Trinkwasser. Durch das Trinkwasser-Verbundsystem der Harzwasserwerke sei dies technisch möglich, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.
Sollte die Trockenheit weiter anhalten, ist ab einem späteren Zeitpunkt im Herbst auch eine Reduzierung bei der Unterwasserabgabe an mehreren Talsperren möglich. Entsprechende Genehmigungen für die Sösetalsperre und die Okertalsperre wurden bereits von der Niedersächsischen Landesbehörde für Wasser-, Küsten und Naturschutz (NLWKN) erteilt. Sie greifen, sollte sich die Situation nicht verändern, etwa ab Mitte Oktober. Auch die Nutzung der Teiche der Oberharzer Wasserwirtschaft wird aktuell geprüft. Bereits im trockenen Jahr 2018 wurden die Teichanlagen des historischen Bergbaus zusätzlich als Trinkwasser-Ressource eingesetzt.
Langfristige Lösungen
Aufgrund der wiederholten Trockenheit kam es in Norddeutschland im Sommer bereits regional bei einigen Endversorgern zu Problemen bei der Wasserversorgung und Aufrufen zum Wassersparen. Die Harzwasserwerke empfehlen als Vorversorger grundsätzlich in den Sommermonaten einen achtsamen Umgang mit der Ressource Wasser und arbeiten langfristig an möglichen Lösungen, um zukünftige Dürreperioden über einen längeren Zeitraum zu bewältigen.
"Die Trockenheit wird wiederkommen und erfordert bei uns allen ein Umdenken. Die Dürre zeigt uns, dass eine sinnvolle und maßvolle Wassernutzung gesamtgesellschaftlich diskutiert werden muss. Alle am Wasserkreislauf Beteiligten müssen gemeinsam an Zukunftslösungen arbeiten und eine Balance finden, um die Konkurrenzsituation um die Ressource Wasser zu entspannen", sagt Donner. "Wir wollen keinen Kampf ums Wasser, aber die Diskussion, wer in Zukunft wieviel Wasser bekommt, ist unvermeidbar." (hp)



