Ivan Ndip vom Fraunhofer IZM erläutert exemplarisch, was mit 6G auf uns zukommen könnte.

Ivan Ndip vom Fraunhofer IZM erläutert exemplarisch, was mit 6G auf uns zukommen könnte.

Bild: © MIKA-fotografie

6G ist die sechste Generation der Mobilkommunikation. "Bei 5G reden wir über eine Datenrate von bis zu 20 Gigabit/Sekunde und eine Latenz von ca. 1 Millisekunde. Mit 6G haben wir das ambitionierte Ziel, ein Terabit/Sekunde und eine Latenz von ca. 100 Mikrosekunden – also das Fünfzigfache der Datenrate und ein Zehntel der Latenz von 5G zu erreichen", erläutert Ivan Ndip vom Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM).

Der Experte für Antennen und Hochfrequenz-Systeme fährt fort, dass 5G künftig nicht reichen werde. In der Pressemitteilung des Instituts erläutert er es anhand des autonomen Fahrens. Sensoren sammeln sehr viele Daten, die gleichzeitig wieder geteilt werden müssen. Parallel dazu müssen auch Up- und Downloads in Echtzeit erfolgen. So werden zum Beispiel Stadtpläne in sehr hoher Auflösung heruntergeladen. "20 Gigabit/Sekunde reichen für all diese Prozesse bei Weitem nicht aus. Darüber hinaus müssen die Autos zuverlässig auf unvorhergesehene Umstände mit extrem geringer Verzögerung autonom reagieren. Daher ist neben den sehr hohen Datenraten gleichzeitig eine sehr kleine Latenz erforderlich", zeigt er die Grenzen vom geplanten Mobilfunkstandard auf.

Die Schwächen von 5G

"Die Spezifikationen von 5G ermöglichen es leider nicht, Infrastrukturen und Netze aufzubauen, die gleichzeitig Hunderte von Gigabit/Sekunde und eine extrem niedrige Latenz gewährleisten. Daher sind wir der Meinung, dass mit 5G wahrscheinlich echtes autonomes Fahren gar nicht möglich sein wird", bekräftigt Ndip. Dabei wissen die Wissenschaftler noch nicht einmal, ob die 5G-Spezifikationen überhaupt erfüllt würden. "Die notwendige kollektive oder vernetze Intelligenz existiert noch nicht. 5G ermöglicht uns auch nicht, die Datenraten und Latenz, die hierfür notwendig sind. Deshalb brauchen wir 6G", so der Frequenz-Experte.


Obwohl 5G noch nicht einmal implementiert ist, beschäftigt sich die Wissenschaft bereits mit dem Nachfolger, der "voraussichtlich erst 2023 eingeführt" wird. Vor allem sollen nun die offenen Fragen beantwortet werden; zum Beispiel zur Hardwareentwicklung für die Mobilkommunikation über 100 GHz: "Da erwartet wird, dass das D-Band (0,11 THz bis 0,17 THz) voraussichtlich verwendet wird. Noch nie wurden solche Frequenzen für die Mobilkommunikation verwendet", zeigt Ndip auf. Deshalb fange die Forschungs- und Entwicklungs-Community viel früher an, sich damit zu befassen. "10 Jahre vor der Markteinführung - das ist typisch."

6G könnte 2030 bereits kommen

Ungefähr fünf Jahre vor der Einführung würden dann die Spezifikationen festgelegt. Anschließend könnten die ersten Versuche folgen. Der Wissenschaftler betont: "Bevor die Bevölkerung die Vorteile einer neuen Generation genießt, gibt es sehr viel Arbeit dahinter, die von Forschenden umgesetzt wird." Unter anderem dafür wurde beispielsweise der Innovationscampus Elektronik und Mikrosensorik Cottbus (iCampus Cottbus) ins Leben gerufen, in dem Fraunhofer mit der BTU Cottbus-Senftenberg und zwei Leibniz-Instituten an Vernetzungstechnologien und Sensorik von morgen forscht.  (gun)

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