Herr Brinkmann, 60 bis 80 Mio. Euro investiert die Sachsengigabit, eine Tochter der Sachsenenergie, jedes Jahr in das noch neue Geschäftsfeld Glasfaserausbau. Wie sieht die Strategie konkret aus?
Brinkmann: Glasfaser ist eine Infrastruktur, die heute gelegt wird und aller Voraussicht nach auch größtenteils nicht mehr überbaut werden wird. Für uns hat diese Art der leitungsgebundenen Infrastruktur eine zentrale Bedeutung. Aktuell hat der Verteilungswettbewerb zwischen Telekom, Deutscher Glasfaser und anderen an Fahrt aufgenommen.
Wir glauben, dass über kurz oder lang, Open Access der richtige Weg ist. Aktuell befinden wir uns noch in einer Phase, in der versucht wird, Altkupferbestände durch Vectoring in den Markt zu drücken und in der die Glasfaser noch nicht die Rolle einnimmt, die es sollte. Das wird irgendwann kippen und dann wird sie von allen genutzt. Darauf bereiten wir uns vor.
Wir haben uns das Kooperationsmodell von EWE und der Telekom genauer angeschaut.
Kooperationen zwischen Stadtwerken und der Telekom nehmen in der Branche zu. Könnte das für die SachsenEnergie ein interessantes Modell sein?
Wir haben uns das Kooperationsmodell zwischen EWE und der Telekom genauer angeschaut. Letztlich ist EWE stark in der Rolle des Infrastrukturbetreibers nach Maßgabe der Telekom eingeschränkt. Wir denken Kooperationen von vornherein anders.
Das müssen Sie genauer erklären.
Anders als kleinere Stadtwerke sind wir beispielsweise auch in der Industrieversorgung mit Glasfaser richtig tätig. Wenn dieses Vorhaben nicht trägt, wäre eine Kooperation mit einem anderen großen Telekommunikationsunternehmen ein gangbarer Weg. Aktuell sehen wir vor allem die Chancen, und werden in unseren Ambitionen daher auch nicht zurückzustecken.
Natürlich schauen wir uns nach Kooperationspartnern im Telekommunikationsgeschäft um.
Welche Rolle spielt das Telekommunikations- und Carriergeschäft in Ihrer Strategie?
Das ist für uns das Commoditygeschäft rund um die Immobilie, das wir gerne mit einem Co-Partner weiter entwickeln wollen. Auch wenn dieser Bereich weniger Erträge erwirtschaften wird als der Ausbau der Infrastruktur selbst, gehört dies zu einem Vollversorgungsportfolio einfach dazu und ist uns wichtig auch in der Marktpositionierung gegenüber den Immobilienbesitzern.
Gibt es schon konkrete Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern im Telekommunikations-Geschäft?
Natürlich schauen wir uns intensiv um. Einer unserer Geschäftsführer der Sachsengigabit war früher selbst im Kommunalgeschäft der Telekom tätig und ist dahingehend bestens verdrahtet. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir hier nun schnell viel Fahrt aufnehmen werden.
Wir werden den Vorsprung der Telekom als regionaler Marktführer nicht mehr einholen, aber .......
Sie bauen kräftig aus. Welche Marktposition in der Region streben Sie im Bereich Glasfaserinfrastruktur und Telekommunikation an?
Da sind wir realistisch. Im Assetbereich werden wir den Vorsprung der Telekom als regionaler Marktführer nicht mehr einholen, aber wir wollen als ein signifikanter Wettbewerber werden und uns mindestens zur Nummer 2 bei den Glasfaseranschlüssen in unserem Versorgungsgebiet entwickeln.
Im Telekommunikationsbereich vielleicht zur Nummer 3 oder 4. Der Markt ist sehr dynamisch und wir wollen unsere Chancen dabei bestmöglich nutzen.
Wann rechnen Sie denn ungefähr mit schwarzen Zahlen im Assetbereich? Wie sieht der Businesscase aus?
Die Finanzierungsstruktur und die Renditeerwartung in diesem Bereich ist ähnlich wie bei den Energienetzen. Die Amortisationszeiten sind lang. Aber der Switch von Kupfer zu Glasfaser ist nicht mehr so weit weg, wie wir ursprünglich vielleicht dachten.
Gerade bei den sogenannten Sweet Spots gibt es einen harten Konkurrenzkampf.
Bisher haben Sie vor allem auf geförderten Ausbau im ländlichen Raum gesetzt, es soll aber auch eigenwirtschaftlich ausgebaut werden. Wie sieht hier die Strategie aus?
Im Fokus stehen immer die sogenannten Sweet Spots, in denen ein bestimmte Infrastruktur bereits vorhanden ist und eine entsprechende Bebauungsdichte, so dass sich ein Ausbau lohnt. Gerade in diesem Bereich gibt es aktuell einen harten Verteilungs- und Konkurrenzkampf. Deshalb spricht man in der Branche auch über solche Projekte ungern öffentlich, sondern setzt sie einfach um.
(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)
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