Joint Venture gegründet (von links): Timo Poppe, Geschäftsführender Gesellschafter der Palladio Kommunal GmbH; Thilo Höllen, Senior Vice President Breitbandkooperationen bei der Telekom in Deutschland; Claudio Provenzano, Bürgermeister der Stadt Garbsen; und Daniel Wolter, Geschäftsführer Stadtwerke Garbsen

Joint Venture gegründet (von links): Timo Poppe, Geschäftsführender Gesellschafter der Palladio Kommunal GmbH; Thilo Höllen, Senior Vice President Breitbandkooperationen bei der Telekom in Deutschland; Claudio Provenzano, Bürgermeister der Stadt Garbsen; und Daniel Wolter, Geschäftsführer Stadtwerke Garbsen

Bild: © Stadtwerke Garbsen

Die Stadtwerke Garbsen und Palladio Kommunal haben das Joint Venture "Glasfaser Garbsen" gegründet. Dieses wird mit der Telekom beim Netzausbau kooperieren. Bis 2030 sollen dort mehr als 31.000 FTTH-Anschlüsse (fiber to the home, Glasfaser bis ins Haus) und somit ein flächendeckender Ausbau des Stadtgebiets der 63.000-Einwohnerstadt entstehen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Unternehmen. Die Stadtwerke Garbsen sind nach den Stadtwerken Neumünster ein weiteres Unternehmen, welches zur Finanzierung des Glasfaserausbaus auf den deutschen Investor Palladio Kommunal setzt (wie ZfK berichtete).

Die Glasfaser Garbsen verantwortet die Planung sowie den Ausbau des Netzes. Die Telekom übernimmt den aktiven Netzbetrieb und pachtet die Infrastruktur für mindestens 30 Jahre exklusiv an. Aber das entstehende Glasfasernetz wird auch für andere Telekommunikationsanbieter geöffnet, die ihre Kunden mit schnellen Verbindungen versorgen wollen. Die Telekom verpflichtet sich dem Open-Access-Prinzip, wonach Unternehmen unter fairen marktwirtschaftlichen Bedingungen freiwillig zusammenarbeiten, heißt es ferner. Erste Kunden sollen bereits Ende 2022 ihren Anschluss buchen können.

Darum kooperieren die Garbsener

Stadtwerke Garbsen-Chef, Daniel Wolter, erläutert gegenüber der ZfK die strategischen Gedankengänge: "Der Glasfaserausbau benötigt umfangreiche Investitionen und Fachwissen. Wir brauchten deshalb ein Konstrukt, welches uns sowohl bei der Finanzierung als auch bei der Umsetzung unterstützt." Der Ausbau für rund 90 Prozent der Haushalte wird auf 40 Mio. Euro geschätzt. Das gemeinsame Joint Venture der Glasfaser Garbsen ermöglicht es, dass das Kommunalunternehmen damit seine Investitionskosten reduziert. Denn es hält 51 Prozent an diesem, die restlichen 49 Prozent befinden sich in Palladios Hand.

"Durch das Teilen der Investitionssumme haben wir auch künftig mehr finanzielle Flexibilität bei der Umsetzung weiterer Zukunftsprojekte. Wir tragen damit positiv zur Eigenkapitalquote bei, weil wir durch den Finanzpartner in der Lage sind mehr Eigenkapital einzusetzen", so Wolter. Hinzukomme aber, dass Palladio bei der Umsetzung helfen kann, weil es das notwendige Fachwissen im Tiefbau sowie Planung von Breitbandprojekte als auch das Netzwerk an Dienstleistern mitbringt.

Eigene Internetprodukte bleiben optional

Zwischendurch haben die Garbsener überlegt, die komplette Wertschöpfungskette abzubilden: Netzbau und -betrieb sowie das Anbieten von geeigneten Telekommunikationsprodukten. "Uns ist sehr wichtig, dass wir Traffic auf dem Glasfasernetz haben und den sehen wir nicht bei 40 Prozent, wie so oft die magische Anschlussquote suggeriert, sondern zwischen 75 bis 80 Prozent. Das können wir jedoch nicht leisten", gibt der Stadtwerke-Chef Einblicke.

Zudem setze man derzeit primär auf Sicherheit und die eigentlichen Aufgaben der Daseinsvorsorge. "Der Vertrieb eigener Produkte hat eine sehr hohe Dynamik und momentan sind wir noch nicht in der Situation dem gerecht zu werden", sagt Wolter. Nichtsdestotrotz halte sich das Kommunalunternehmen die Option offen, doch den heimischen Glasfasermarkt mit eigenen Produkten aufzumischen.

Telekom zeigt sich offen für weitere Stadtwerke-Kooperationen

Thilo Höllen, Senior Vice President Breitbandkooperationen bei der Telekom in Deutschland, sagte bei dem heutigen Pressetermin: "Gemeinsam mit der Glasfaser Garbsen zeigen wir, dass ein anbieteroffener Ansatz funktionieren kann, wenn alle beteiligten Partner auf ein Ziel hinarbeiten." Höllen signalisierte zudem, dass die Telekom offen für weitere Kooperationen mit Stadtwerken und Versorgern sei. (gun)

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