Die Glasfaser-Abdeckung in Deutschland ist aus Sicht von 69 Prozent der Breitbandkoordinator:innen schlecht bis sehr schlecht. Das ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung EY unter 124 von 401 Breitbandkoordinationsstellen. Damit sich das ändert, braucht es unter anderem eine verlässlichere Zusammenarbeit mit Telekommunikationsunternehmen und eine vereinfachte Förderpraxis.
Die Breitbandkoordinationsstellen sind im Auftrag der Bundesländer auf Landkreisebene für die Koordination der Ausbauvorhaben mit den Telekommunikationsunternehmen zuständig. Zudem kümmern sie sich um die Nutzung der Förderprogramme vor Ort.
Wirtschaftlichkeitslückenmodell wird bevorzugt
Laut der EY-Studie, die von Juni bis August dieses Jahres durchgeführt wurde, planten zwei Drittel der Koordinator:innen am Graue-Flecken-Förderprogramm teilzunehmen oder sie nahmen zum damaligen Zeitpunkt bereits daran teil. Die Mehrheit der Befragten wartete dabei bis zum Frühjahr 2023 mit ihren Anträgen, da zu diesem Zeitpunkt die Aufgreifschwellen für förderfähige Ausbaumaßnahmen auf eine Datenrate auf 200 Mbit/s symmetrisch erhöht wurden und damit mehr Adressen förderfähig wurden.
79 Prozent der Breitbandkoordinator:innen bevorzugen unter den Förderungen das Wirtschaftlichkeitslückenmodell. Hierbei schließen Kommunen die Wirtschaftlichkeitslücke privater Netzbetreiber, die in einem wirtschaftlich weniger attraktiven Gebiet ein Breitbandnetz errichten. Vor dem Hintergrund der hohen Kosten und des komplexen Koordinierungsaufwands von Betreibermodellen, bei denen Kommunen den Ausbau der Glasfasernetze selbst übernehmen, sei das laut Studienautor:innen nicht überraschend – auch wenn dies der politischen Favorisierung des Betreibermodells widerspricht.
Zu wenig Transparenz und zu viel Bürokratie
Nur 18 Prozent der Studienteilnehmer:innen sind mit der Förderpraxis zufrieden, wobei die durchschnittliche Bewertung bei 2,6 von 5 möglichen Sternen liegt. Kritikpunkte sind unter anderem unbeantwortete Anfragen, intransparente Prozesse und ein hoher bürokratischer Aufwand. Zudem bewerteten die Koordinator:innen die Zusammenarbeit mit den Telekommunikations-Unternehmen als ausbaufähig und priorisieren neben dem flächendeckenden Ausbau vor allem die Zuverlässigkeit der Partner.
Aufgrund der Umfrageergebnisse hat EY mehrere Maßnahmen für einen beschleunigten Glasfaserausbau in Deutschland erarbeitet. So sollte die Rolle der Koordinationsstellen künftig als aktiv steuernde Stellen begriffen werden. Außerdem sollte das Ende 2022 eingeführte Gigabit Grundbuch der BNetzA inhaltlich weiterentwickelt werden, um so einen transparenten Blick auf den Fortschritt von Fördermaßnahmen zu ermöglichen. Auch der bundesweite Erfahrungsaustausch zwischen Kreisen und Bundesländern sollte intensiviert werden. Ziel sollte die Schaffung einer nationalen Standardisierung im Umgang mit Glasfaserprojekten sein. (lm)

