High-Speed-Internet ist mittlerweile für ein Drittel (35, 6 Prozent) der deutschen Haushalte verfügbar, so eines der Ergebnisse der BREKO-Marktanalyse 2023. Angesichts zahlreicher Herausforderungen sei das aus Sicht des Studienautors und Telekommunikationsexperten Jens Böcker ein „gutes Tempo“.
Dennoch ist dies noch weit entfernt vom Best-Case-Szenario der Bundesregierung, wonach bis 2025 eine Abdeckung von 60 Prozent erreicht werden soll. Die Zeit ist knapp und es warten jede Menge Hürden auf dem Weg dorthin. Dazu gehört z.B. der angekündigte bzw. tatsächliche Doppelausbau durch die Telekom.
223 Kommunen und 74 Netzbetreiber vom Doppelausbau betroffen
Nach Erkenntnissen des BREKO waren davon bis Juli 2023 alle Flächenländer betroffen, 223 Kommunen, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen und Bayern, sowie 74 Wettbewerber der Telekom. In 12 Prozent der Fälle habe ein Wettbewerber sein Ausbauvorhaben bereits teilweise oder vollständig zurückgezogen. In jedem zehnten Fall werde sogar ein Glasfasernetz überbaut, das mit staatlichen Fördermitteln finanziert wurde, so der Bundesverband.
BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers fordert vor diesem Hintergrund die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur auf umgehend Gegenmaßnahmen zu ergeifen, um die politischen Ausbauziele nicht zu gefährden.
Open Access für fairen Wettbewerb
Zudem mahnt der Verbandschef: „Taktischer Doppelausbau von Glasfasernetzen ist volkswirtschaftlich unsinnig und es existiert bereits eine funktionierende Alternative, um fairen Wettbewerb zu ermöglichen: Immer mehr Unternehmen schließen Open Access Vereinbarungen und erhöhen dadurch die Auslastung bestehender Netze, während Endkundinnen und Endkunden von einer größeren Anbietervielfalt profitieren.“
71 Prozent der im BREKO organisierten Netzbetreiber bieten interessierten Diensteanbietern bereits Zugang zu ihren Glasfasernetzen und erwirtschaften damit 18 Prozent ihres Gesamtumsatzes. 22 Prozent würden planen, künftig Open Access anzubieten, so die Analyse.
Norden surft schneller als der Südwesten
Neben dem Doppelausbau hat die Branche jedoch wie viele andere auch mit dem Fachkräftemangel, gestiegenen Kosten und der Kaufzurückhaltung in Folge der Inflation zu kämpfen. Daher fordert der BREKO besser Rahmenbedingungen, wie einen Bürokratieabbau. Bund, Länder und Kommunen sollten beispielsweise die Genehmigungsverfahren flächendeckend auf Basis des Breitbandportals digitalisieren. Darüber hinaus sollte der Glasfaserausbau nicht nur als „im öffentlichen Interesse“ definiert werden, sondern als „im überragenden öffentlichen Interesse“ – analog zum Ausbau der erneuerbaren Energien.
Mit Blick auf den regionalen Fortschritt des Glasfaserausbaus zeigt die Marktanalyse ein deutliches Ungleichgewichtig zwischen Nord und Süd. Während Schleswig-Holstein mit einer Abdeckung von über 80 Prozent als Spitzenreiter gilt, gefolgt von Hamburg (72 Prozent) und Brandenburg (54 Prozent), landet Baden-Württemberg mit einer Abdeckung von 23 Prozent erneut auf dem letzten Platz.
Umfassende Datenbasis
Neben Daten der mehr als 240 im BREKO organisierten Netzbetreiber basiert die Marktanalyse 2023 auf Ausbauzahlen aller relevanten, am Glasfaserausbau in Deutschland beteiligten Unternehmen und ist damit repräsentativ für den deutschen Telekommunikations- und Glasfasermarkt. Die Ausbauzahlen geben den Stand Ende Juni 2023 wieder. (lm)



