Übergangs- oder Brückentechnologien wie Vectoring oder Super-Vectoring hinterließen beim flotten Glasfaserausbau einen bitteren Beigeschmack. Die Glasfaserzukunft bis in jede Wohnung bzw. jedes Haus mitsamt dazugehöriger Inhouse-Verkabelung ist nun das primäre Ziel. Aber: "Gerade die nachträgliche Verkabelung von Bestandsgebäuden mit Glasfaserkabeln ist meist nur mit einem hohen Aufwand realisierbar", gibt Sascha Kammer, Teamleiter Breitband Technik, von den Stadtwerken Bad Nauheim, Einblicke.
Deshalb testeten die Bad Nauheimer zusammen mit der Thüga SmartService in einem Pilotprojekt das Produkt "IRIS Gigabit Inhouse-Lösung" von der GiaX GmbH. Die Wobcom und die E-Net vertreiben indes für Privateigentümer die "Giga Bridge" von Devolo. Die Wobcom ist die Tochter der Stadtwerke Wolfsburg und die E-Net jene der Stadtwerke Elmshorn.
So funktionieren die Technologien
Während bei den bisherigen Anschlussarten die Glasfaserleitung in die Verteilerkästen an der Straße reichte, muss nun bei beiden Anbietern und ihren Technologien das Glasfaserkabel bis zum Verteiler im Keller des Einfamilien- oder Mehrfamilienhauses geführt werden. Ab da übernimmt die "Giga Bridge" oder "IRIS Gigabit Inhouse Lösung".
Sie werden an den Netzabschluss sowie ein freies Koaxial- oder Telefonkabel angeschlossen, wodurch die Datenübertragung über die vorhandenen Leitungen laut den Anbietern mit Gigabitgeschwindigkeiten sowohl im Up- als auch im Downstream möglich werden. Bei der Devolo-Technologie wird auf G.hn als Datenübertragungsstandard gesetzt. Die Latenz liegt bei unter 2 Millisekunden im LAN; im WLAN liegt sie bei unter 5 Millisekunden. Bei der GiaX-Lösung werden 2,5 Gbit/s im Downstream und 2 Gbit/s im Upstream erreicht. Die Latenz liegt bei <5ms.
"Leider nicht“ in den nächsten 10 Jahren
GiaX-Geschäftsführer, Jörg Hellwig, betrachtet die aktuelle Situation hinsichtlich der Glasfaserinfrastruktur kritisch: "So sehr wir uns auch anstrengen, der Mangel an Baggern und Handwerkern sorgt dafür, dass große Teile der Republik auf Jahre auf dem heutigen Breitband Status Quo festhängen werden."
So kommt er zum Schluss: "Aus unserer Sicht ist ein pragmatischer Zwischenschritt nötig, um schneller grössere Teile der Bevölkerung mit mehrfachen Gbit/s in Down- und Upstream- Richtung zu versorgen." Das Giax IRIS Produkt würde beim schnelleren Ausbau in Mehrfamilienhäusern helfen und die Kosten pro Kunden deutlich senken.
Dadurch könnten seines Erachtens auch gewinnbringend Glasfaser-Projekte realisiert werden, die sonst durch verfehlte Vorvermarktungsquoten und fehlender Rentabilität gestoppt werden müssten. Es sei ein Zwischenschritt in die richtige Richtung, so Hellwig. Zudem stünden bereits existierende Übertragungsprotokolle in den Startlöchern, die 10 Gbit/s über Koax in den nächsten Jahren massentauglich machen würden, so Hellwig. (gun)



