Breitband

Schneller und lückenlos: Niedersachsen will Breitbandnetzausbau voranbringen

Spätestens seit Beginn der Pandemie ist der Zugang zu schnellem Internet eine Basis-Infrastruktur geworden. Aber Lücken bestehen weiter - die Netze sind durch Homeoffice und Homeschooling unter Druck geraten.
08.12.2021

Das Jahr 2022 könne das Jahr der beginnenden Digitalisierungen im kommunalen Bereich sein.

Lädt eine Nachricht auf dem Smartphone nicht oder bricht die Videokonferenz zusammen, dann sorgt das für Ärger in Zeiten von Homeoffice. Vertreter aus Politik, Verwaltung und Telekommunikation trafen sich am Mittwoch in Osterholz-Scharmbeck (Landkreis Osterholz), um eine Zwischenbilanz zum Breitband- und Mobilfunkausbau in Niedersachsen zu ziehen.

«Niedersachsen ist nach Fläche das zweitgrößte Bundesland, aber belegt bei der Bevölkerungsdichte Platz neun», sagte ein Sprecher des Breitbandzentrums Niedersachsen-Bremen (BZNB). Nach wie vor seien die Städte besser angeschlossen als viele ländliche Regionen.

86 Prozent haben mindestens 30 Mbit/s

Es gebe noch den einen oder anderen weißen Fleck - also Adressen, die eine Download-Geschwindigkeit unter 30 Mbit/s aufweisen. Besondere Anstrengungen seien erforderlich, um diese Regionen mit hochleistungsfähigen Internetanschlüssen zu versorgen. Derzeit hätten 86 Prozent aller Gebäude einen Anschluss von mindestens 30 Mbit/s.

Die Ausbaugeschwindigkeit hat nach Angaben von Vodafone in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Der Ausbau gehe weiter. Allein in Niedersachsen seien das einige tausend Kilometer Glasfaser, die verbaut würden, sagte Vodafone-Vertreter Dirk Ebrecht. Die Netze seien durch die Pandemie unter Druck geraten, weil immer mehr Menschen von zu Hause aus gearbeitet hätten. «Da hat auch Corona uns durchaus nochmal sozusagen vor unseren eigenen Zeitplan und Ausbauplan gezwungen. Die Netze sind stabil geblieben, Gott sei Dank», so Ebrecht.

"Machen Sie es nicht jedes Mal komplizierter."

Der niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) forderte, bürokratische Hürden abzubauen und die Förderlandschaft so einfach wie möglich zu gestalten. NSGB-Präsident Marco Trips appellierte an die Bundesvertreter: «Machen Sie es nicht jedes Mal komplizierter». Das Jahr 2022 könne das Jahr der beginnenden Digitalisierungen im kommunalen Bereich sein.

Im Prinzip seien heute 60 Prozent der Haushalte gigabitfähig, sagte Breitbandzentrum Niedersachsen Bremen (BZNB)-Chef Peer Beyersdorff - für sie könnten also Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit/s erzielt werden. «Wir bemerken aktuell eine sehr hohe Dynamik des eigenwirtschaftlichen Glasfasernetzausbaus durch neue und etablierte Telekommunikationsunternehmen», berichtete Beyersdorff. 73 Prozent der Gebäude im Bundesland hätten eine Versorgung von 100 Mbit. «Das ist ein riesen Fortschritt im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren», sagte er.

Regelwerk vom Bund unzureichend

Das Wirtschaftsministerium fordert beim Thema Mobilfunk einen Strategiewechsel. «Das unzureichende Regelwerk, dass der Bund bei der Mobilfunkversorgung vorgibt, ist ein riesiges Handicap in einem Flächenland wie Niedersachsen», sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Das Ministerium teilte mit, dass nach Angaben der Bundesnetzagentur 2,4 Prozent der gesamten Landesfläche Niedersachsens ohne 3G oder LTE-Mobilfunkversorgung seien.

96 Prozent der knapp 3200 Schulen in Niedersachsen sind nach Angaben der Landesregierung gigabitversorgt oder im Ausbau dafür. Gleiches gelte für 92 Prozent der Krankenhäuser. «Je digitaler eine Volkswirtschaft aufgestellt ist, desto besser meistert sie die Krise. Grundvoraussetzung dafür ist eine flächendeckende digitale Infrastruktur», sagte Althusmann. Bis 2025 soll jeder Haushalt im Land einen gigabitfähigen Anschluss haben. (dpa/gun)