Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Branchenverbands VKU, betonte, die Versteigerung der Frequenzen habe gezeigt, "dass Wettbewerb und Anbietervielfalt wichtig und notwendig sind". Nun gehe es darum, dass die am Bieterverfahren beteiligten Unternehmen, rasch in die Umsetzung kommen. "Digitalisierung verträgt keinen Aufschub mehr!“, bekräftigte Reiche.
Die VKU-Hauptgeschäftsführerin weiter: „Ziel beim 5G-Mobilfunk muss sein, eine digitale Spaltung zwischen Stadt und Land zu verhindern. Wer das Land mit der Digitalisierung aufwertet, entlastet die Städte. Um all diese Chancen nutzen zu können, brauchen wir leistungsfähige digitale Infrastrukturen, wie 5G und Glasfaser, in der Stadt und auf dem Land. Und: Wenn der Ausbau von 4G – die sogenannten weißen und grauen Flecken – nicht zügig kommt, brauchen wir zwingend lokales Roaming.“
5G Kein Ersatz für mobile Glasfaser
Der Breitbandverband Breko verweist darauf, dass der Mobilfunkstandard 5G festnetzbasierte Glasfaseranschlüsse bis mindestens in die Gebäude als „mobile Glasfaser“ sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen werde.
Eine Koordinierung des Glasfaserausbaus mit dem geplanten 5G-Mobilfunkausbau sei erforderlich, da eine optimale Glasfaseranbindung die ,unabdingbare Voraussetzung für leistungsfähige 5G-Netze sei.
Gesamtstrategie statt Einzellösung
"Wir brauchen eine Gesamtstrategie für den Glasfaserausbau, um größtmögliche Synergien zwischen Festnetz- und Mobilfunkausbau zu ermöglichen. Nicht zielführend wäre dagegen eine davon losgelöste, ‚reine‘ Mobilfunkstrategie, wie sie von der Bundesregierung gerade vorbereitet wird“, sagt Breko-Geschäftsführer Stephan Albers.
Er spricht ausdrücklich gegen eine isolierte Mobilfunkförderung aus, wie sie jüngst von SPD und CDU/CSU ins Spiel gebracht wurde. Die rund 190 Netzbetreiber des Verbands bauen schon heute in ganz Deutschland Glasfasernetze aus, die auch von den Mobilfunkunternehmen zur Anbindung ihrer Basisstationen angemietet werden können.
Zu viel Förderung verteuert Ausbaukosten
Dass die gesamten Einnahmen aus der Frequenzversteigerung in das „Sondervermögen digitale Infrastruktur“ und damit in die Breitbandförderung fließen, sieht der Verband kritisch. „Wir müssen in erster Linie den eigenwirtschaftlichen Ausbau stärken und voranbringen", sagt Albers
Hierzu könnten etwa Glasfaser-Gutscheine („Voucher“) für Endkunden und Unternehmen einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt Albers und ergänzt: „Für eine Förderkulisse, die den klar vorrangigen, eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau bis mindestens in die Gebäude sinnvoll ergänzt, brauchen wir eine Priorisierung der Förderung zugunsten bisher besonders schlecht versorgter und unwirtschaftlich erschließbarer, zusammenhängend bebauter Gebiete. Die Tiefbaupreise gehen heute schon durch die Decke. Das bereits bestehende Problem der erheblichen Kostensteigerung bei gleichzeitigem Fachkräftemangel im Bereich Tiefbau und Planung würde durch eine Flutung des Marktes mit weiteren Fördermitteln deutlich verschärft und die Geschwindigkeit und Dynamik im Glasfaserausbau insgesamt erheblich hemmen", warnt Albers.
VATM will gemeinsam Lösungen erarbeiten
Der Verband für Telekommunikation- und Mehrwertdienste (VATM) plädiert für "einen runden Tisch von Marktteilnehmern und Politik", damit sich alle Marktteilnehmer über das beste Konzept für die Zukunft verständigen können und Politik nicht losgelöst von der Wirtschaft Lösungen entwickelt, die sich in der Praxis nur schwer umsetzen lassen, sagt Martin Witt, Präsident des VATM. "Nicht gegeneinander, sondern miteinander muss das gemeinsame Ziel sein. Wir begrüßen den seitens der Telekom geäußerten Kooperationswillen."
Die Bundesregierung könne die Bundesnetzagentur als sachkundigen Vermittler nutzen. Kooperationen werden in Zukunft wichtiger werden denn je. "Wir wollen marktwirtschaftliche Lösungen auch für Mobilfunk- und Serviceprovider finden", so Witt. Die Auktion habe eine deutlich höhere Erlöse erzielt als die Politik selbst erwartet habe. Der Spielraum müsse nun genutzt werden. "Das noch immer in Arbeit befindliche Förderprogramm der Bundesregierung werde stärker als bisher den Ausbau von 5G-Netzen in den Fokus rücken müssen.
Statement gegen Huawei-Ausschluss
Weitere wichtige Rahmenbedingungen für den VATM sind Bürokratieabbau, Offenheit für neue Technologien und vereinfachte Standortsuche, für die die Politik sorgen müsse. Technologietreiber dürften nicht auf politischen Druck vom Markt verdrängt werden, sondern müssen für den europäischen Markt und den Fortschritt nutzbar bleiben. Dabei sei den Sicherheitsaspekten eine sehr wichtige Rolle einzuräumen. "Es muss gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und anderen staatlichen Organisationen ein verlässlicher Rahmen für Bürger und Unternehmen gefunden werden. Aber klar ist, weder Deutschland noch Europa dürfen immer abhängiger von politischen oder wirtschaftlichen Machtkämpfen werden", bekräftigt Witt
Industrieverbände drängen auf die Vergabebedingungen für die lokalen Frequenzen
Die vier Industrieverbände VCI, VDA, VDMA und ZVEI begrüßen, dass die bundesweite 5G-Auktion beendet ist und der dringend benötigte Netzausbau nun erfolgen kann. Positiv wird ebenso bewertet, dass sich der Wettbewerb durch einen weiteren, vierten Netzbetreiber erhöht und dass dadurch die Chance besteht, die bisher vielfach unzureichende Mobilifunkversorgung für Industrieunternehmen und Endverbraucher zu verbessern.
Die vier Verbände drängen darauf, dass die Bundesnetzagentur nun schnellstmöglich die Vergabebedingungen für die lokalen Frequenzen im Bereich von 3,7 bis 3,8 Gigahertz bekannt gibt. Die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes benötigen ihnen zufolge hier dringend Klarheit, insbesondere hinsichtlich der Gebühren für lokale Frequenzen. Die lokale Nutzung von Frequenzen sei für die deutsche Industrie kein Geschäftsmodell, sondern Voraussetzung, um Leitmarkt und Leitanbieter für industrielle 5G-Anwendungen werden zu können.
Demnach planen viele Mitgliedsunternehmen schon heute – ohne die konkreten Vergabebedingungen zu kennen – eigene 5G-Netze in ihren Produktionsstätten. Einige werden diese selbst betreiben, andere sehen sich nach Partnern um, darunter aus der Telekom- und Ausrüsterindustrie. Eigene Frequenzen beantragen zu können, sorge für mehr Wettbewerb und innovative Angebote.
Chance für kommunale Unternehmen – mit Einschränkungen
Für kommunale Unternehmen sind in Sachen 5G gleich mehrere Rollen denkbar, unterstreicht außerdem der Branchenverband VKU. Sie können dem Verband zufolge Stadtmöbel als Antennenstandorte vermarkten und diese Standorte mit Glasfaser anschließen. Zudem sind eine Reihe von 5G-basierten Diensten und Anwendungen denkbar: Denn 5G ist die Steuerungstechnologie für die Smart City, so der Verband. Dies ginge am besten wenn kommunale Unternehmen unabhängig von den nationalen Mobilfunknetzbetreibern eigene regionale Netze aufbauen könnten. Derzeit sieht die Bundesnetzagentur allerdings lediglich vor, dass Industrieunternehmen Frequenzen zur so genannten lokalen Nutzung, also vor allem auf einem abgegrenzten Firmengelände, beantragen können, kritisierte der VKU zuletzt. (sg)



