Drei bis vier Neustarts und regelmäßige Systemabstürze: Die rund 20 Beschäftigten der Lüft GmbH in Budenheim bei Mainz spüren den mangelhaften Breitband-Ausbau nach eigener Darstellung täglich. "Bis es morgens los geht, brauchst du Geduld oder eine gute Kaffeemaschine", verbildlicht die Geschäftsführerin des Unternehmens für Verkehrsberuhigung und Beschilderung, Anne Rockenbach, das langsame Internet. "Wir sind ausgebremst", bringt es der Technische Leiter Rudi Pirschle auf den Punkt - insbesondere mit Blick auf den Online-Handel. Mit diesem Problem ist die Firma in Rheinland-Pfalz nicht allein.
Die Unternehmen bräuchten dringend Glasfaser bis ins Haus, auch jetzt schon, sagt die breitbandpolitische Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern (IHK) des Landes, Nicole Rabold. Die Zeit laufe davon. In einer IHK-Umfrage zum Stand der Digitalisierung aus dem vergangenen Jahr hätten sich von 900 Unternehmen rund 87 Prozent mehr Unterstützung von der Politik beim Aufbau einer leistungsfähigen flächendeckenden Breitbandinfrastruktur gewünscht. "Dies war der dringendste Wunsch an die Politik", berichtet Rabold.
Weiterhin ein Hinterherhinken
Die Customer Inn GmbH, eine Agentur für Social Media-Marketing, muss noch ohne Glasfaser auskommen. In Worms sei der Ausbau zwar ein großes Thema, der etwa zehn Kilometer entfernte Stadtteil Rheindürkheim, in dem sein Unternehmen sitzt, aber noch nicht angeschlossen, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens mit rund fünf Festangestellten, Peter Dennier. Gerade wegen der Grafiken müssten öfter größere Datenpakete von A nach B verschickt werden und dies daure einfach. Mit schnelleren Leitungen würde Arbeitszeit eingespart.
"Eine stabile Internetanbindung ist so wichtig wie eine geteerte Straße, wenn nicht noch wichtiger", sagt der Geschäftsführer der Druckerei Karl Wolf in Ingelheim, Thorsten Winternheimer. Sein Unternehmen habe sich in einem Industriegebiet selbst um die Anbindung kümmern müssen und bezahle für eine Bandbreite von 50 MBit/s rund 500 Euro im Monat. Dabei kritisiert er: "50 MBit sind eigentlich schon nicht mehr State of the Art." Er wünsche sich eine Anbindung von einem GB/s.
Bis 2025 Voraussetzungen schaffen
Die Ampel-Landesregierung habe zwar bereits viel getan, "der Bedarf galoppiert aber davon", mahnt Rabold. "Der Bund muss jetzt vorlegen, dann kann das Land nachziehen", fordert die breitbandpolitische Sprecherin mit Blick auf die Richtlinie zur "Grauen-Flecken-Förderung". Dieser Förderrichtlinie gehe jedoch zwingend ein Notifizierungsverfahren bei der Europäischen Kommission voraus, sagt die Sprecherin des Innenministeriums in Mainz, Sonja Bräuer. Sie ergänzt: "Solange dieses nicht abgeschlossen ist, kann der Bund keine Förderrichtlinie ausarbeiten und veröffentlichen."
Die Landesregierung unterstützt die Kreise und Kommunen bereits beim Ausbau von Bandbreiten von mindestens 50 Mbit/s. So habe diese Verfügbarkeit um 4,9 Prozent auf derzeit 85,8 Prozent steigern können, sagte Bräuer. Bei der Glasfaserverlegung würden auch topographisch schwieriger auszubauende Gegenden mit abdeckt, in denen es keinen privatwirtschaftlichen Ausbau gebe. Ziel der Landesregierung: Bis 2025 die Voraussetzungen dafür zu schaffen, flächendeckende Gigabit-Netze zu errichten. (dpa/ab)



