Der Ostalbkreis und die Stadt Rothenburg ob der Tauber können sich freuen, sind sie bereits teilweise mit der schnellen Glasfaserinfrastruktur versorgt. Beiden hilft dabei die NetCom BW, eine Tochter der EnBW. Diese war 2014 recht frisch gegründet, als sie den drittgrößten Kreis Baden-Württembergs mit seinen 42 Kommunen erschloss.
Im Ostalbkreis wurden 12.000 überwiegende Fiber-to-the-Curb (FTTC)-Anschlüsse verwirklicht. Dazu kommen noch 1000 Fiber-to-the-Border (FTTB) Glasfaseranschlüsse für Gewerbekunden. Insgesamt wurden Trassen mit einer Gesamtlänge von 800 Kilometer verlegt. Mehr als ein Drittel davon wurde als Neubautrasse realisiert.
Betreibermodell: Innerhalb eines Jahres gestartet
Die Vorbereitungs-, Planungs- und Beratungsphasen für den Glasfaserausbau dauerten im Ostalbkreis insgesamt nur ein Jahr. Nach der Vertragsunterzeichnung im September 2017 gingen Anfang 2018 die ersten Anschlüsse ans Netz. Dieses Projekt wird als Betreibermodell realisiert und befindet sich momentan noch in der Umsetzung.
Es setzt auf eine aktive Zusammenarbeit mit den Kommunen. In diesem Fall kümmern sich diese in Eigenregie um den Aufbau der passiven Glasfaser-Infrastruktur. Sie beantragen eigenständig Fördermittel und übernehmen die Ausschreibungen für den Ausbau der passiven Infrastruktur. Die Kommunen haben damit das gesamte Projekt in der Hand.
Unterstützt werden die Kommunen zudem durch die eigens für den geförderten kommunalen Breitbandausbau gegründete Kommunalanstalt des öffentlichen Rechts "Komm.Pakt.Net". Darin haben sich acht baden-württembergische Landkreise und rund 231 Kommunen zusammengeschlossen.
Kooperation als Schlüsselfaktor
Im nächsten Schritt schreibt die Kommune den eigentlichen Betrieb des Breitbandnetzes aus. Hierfür erhielt die NetCom den Zuschlag und pachtete das passive Glasfasernetz der Kommunen. Sie baut die aktive Technik für den Betrieb der Netze auf. Nach deren Inbetriebnahme und damit einher auch des Breitbandnetzes bietet sie Privatkunden Kommunikationsservices an. Dazu gehören zum Beispiel Internet, Telefonie und IPTV (Fernsehen über das Internet). Sie realisiert für Unternehmenskunden Breitbandanbindungen und maßgeschneiderte Kommunikationslösungen.
Zusätzlich kooperiert das Unternehmen mit der Plusnet GmbH. Ein Tochterunternehmen der EnBW und ein Anbieter für gewerbliche Kommunikations- und Netzdienstleistungen. Ihre White Label Plattform können beispielsweise Stadtwerke nutzen, um maßgeschneiderte Internetprodukte oder TK-Produkte unter eigenem Namen anbieten.
Rothenburg – das Deckungslückenmodell
Ein zweites Beispiel für eine erfolgreiche Breitbandausschreibung ist das bayerische Rothenburg ob der Tauber. Diese Kommune hat bereits zwei Breitbandförderverfahren realisiert. Hier wurde das Deckungslückenmodell angewandt. Bei beiden Projekten erhielt die NetCom BW den Zuschlag.
Im Gegensatz zum Betreibermodell kann den Kommunen viel Arbeit abgenommen werden. Dieses Modell kann dann sinnvoll sein, wenn die voraussichtlichen Kosten für den Netzaufbau und -betrieb nicht innerhalb von sieben Jahren von den Netzbetreibern erwirtschaftet werden können. Denn ein Breitbandausbau wäre damit unwirtschaftlich.
Zuschlag – wer die beste Kalkulation vorweisen kann
Damit solche Gebiete trotzdem angeschlossen werden, wird die Deckungslücke zwischen den Investitionskosten und den erwarteten Einnahmen von der öffentlichen Hand übernommen, die dafür Fördergelder einsetzt. Den Zuschlag nach dem Modell erhält immer der Netzbetreiber, der die niedrigste Deckungslücke plus die höchste Wirtschaftlichkeit ausweist – und damit den geringsten Förderbedarf benötigt.
Der Vorteil für die Gemeinde liegt in einem schnellen und risikolosen Ausbau des regionalen Breitbandnetzes. Dazu kommt ein Eigenanteil, der in der Regel etwa zehn Prozent der Gesamtkosten ausmacht.
Zwei Projekt - ein schnelles Rothenburg
Nach der Vertragsunterzeichnung im Mai 2016 konnte das Breitbandnetz den Betrieb ein Jahr später aufnehmen. Bei diesem Projekt koordinierte die EnBW-Tochter alle notwendigen Partner. Die Tiefbauarbeiten und das Verlegen der passiven Glasfaserinfrastruktur übernahm dagegen die EnBW ODR. Die Fördersumme betrug ungefähr eine Million Euro.
Damit konnte ein Großteil der privaten und gewerblichen Anschlüsse mit der schnellen FTTB-Technik realisiert werden. Den Zuschlag für das zweite Projekt erhielt die NetCom BW im November 2019. Jetzt sollen weitere unterversorgte Gebiete komplett mit Glasfaser (FTTB) ausgebaut werden. Dafür stehen 750.000 Euro Fördergelder bereit. (gun)


