Sichtlich stolz zeigte sich Boris Schucht, der scheidende CEO von 50Hertz bei der Präsentation der Geschäftsbilanz 2018 am Dienstag in Berlin. Während in 2017 in der Regelzone des Übertragungsnetzbetreibers 53,4 Prozent des verbrauchten Stroms aus regenerativer Erzeugung stammten, kletterte dieser Anteil im vergangenen Jahr auf 56,5 Prozent, weltweit ein Spitzenwert. Erneuerbare-Energien-Anlagen mit 1,6 Gigawatt (GW) wurden in 2018 zugebaut, die gesamte installierte Leistung aller erneuerbarer Energien kletterte auf 32,9 GW.
Trotzdem blieb die Versorgungssicherheit mit etwa einer Störung pro 100 Kilometer Leitungslänge in 2018 auf gleichbleibend hohem Niveau und die Engpassmanagementkosten reduzierten sich von 207 Millionen Euro (2017) um rund 100 Mio. Euro auf circa 105 Mio. Euro. Vor allem die Wirkung der fertiggestellten Südwest-Kuppelleitung ("Thüringer Strombrücke") schlägt hier laut Schucht positiv zu Buche. Weitere Faktoren für diese positive Entwicklung sind die in Betrieb befindlichen Phasenschiebertransformatoren an den Grenzen zu Polen und Tschechien, mit denen Lastflüsse besser gesteuert werden können, optimierte Redispatchprozesse und geringere Stromexporte nach Österreich und Frankreich.
Fortschritte beim Infrastrukturausbau
Auch beim Infrastrukturausbau gab es 2018 Fortschritte: Im Offshore-Bereich sind zum Beispiel im Projekt "Ostwind 1" alle Seekabel zur Anbindung der Offshore-Windparks "Wikinger" und "Arkona-Becken" in der Ostsee nordöstlich vor Rügen seit letztem Jahr im Testbetrieb. Und auch beim Offshore-Projekt "Kriegers Flak Combined Grid Solution" steht die Verbindung eines in dänischen Gewässern liegenden Windparks ("Kriegers Flak") mit einem in deutschen Gewässern liegenden Windpark ("Baltic 2") seit letztem Jahr unter Spannung und wird in 2019 ans Netz gehen.
Im Onshore-Bereich wurden 2018 unter anderem die Phasenschiebertransformatoren an der deutsch-tschechischen Grenze in Betrieb genommen, ebenso wie zwei Umspannwerke in Lubmin und Ragow. Fortschritte gab es auch beim Gleichstromprojekt "SuedOstLink". Hier reichte das Unternehmen laut designierten Interims-CEO Frank Golletz die Unterlagen zur Bundesfachplanung ein und startete die europaweite Ausschreibung der Erdkabel. Um die Leitungskorridore zu halbieren wolle man hierbei künftig auf 525-kV-Kabel setzen statt wie bisher auf 320 kV, berichtete Golletz. Derzeit liefen hierfür die Präqualifikationstests.
238 Mio. Euro Gewinn konnte 50Hertz in 2018 erzielen, das sind 56 Mio. mehr als im Vorjahr. "Auch infolge unserer Effizienzbestrebungen konnten wir im abgelaufenen Jahr ein sehr gutes Ergebnis erzielen", sagte Finanzgeschäftsführer Marco Nix. Daneben spielte das wachsende On- und Offshore-Geschäft sowie als Sondereffekt die Auflösung von Rückstellungen in Höhe von 50 Mio. Euro eine maßgebliche Rolle. Als Dividende werden 108 Mio. Euro an die Anteilseigner überwiesen. Der Umsatz aus dem Netzgeschäft legte von 1,33 Milliarden Euro (2017) auf rund 1,37 Mrd. Euro leicht zu. Für die kommenden fünf Jahre plant das Unternehmen Investitionen von rund 3,4 Mrd. Euro.
Großes Potenzial für Repowering – Elia nicht an vollständiger Übernahme interessiert
Trotz der Widerstände gegen neue Windparks und Stromleitungen zeigte sich Golletz optimistisch, dass der weitere Ausbau der Erneuerbaren und der Netzausbau wie geplant vorankommen. Ein großes Potenzial bei der Windkraft sieht er im anstehenden Repowering vieler älterer Anlagen. Das Unternehmen geht davon aus, dass das von der Politik gesetzte Ausbauziel für erneuerbaren Strom von 65 Prozent bis zum Jahr 2030 in seiner Regelzone schon 2021 erreicht wird.
Spekulationen über eine geplante Übernahme des 20-Prozent-Anteils der KfW an 50Hertz durch den belgischen Netzkonzern Elia, erteilte dessen Chef Chris Peeters eine Absage. Derzeit halten die Belgier schon 80 Prozent der Anteile an 50Hertz. "Für Elia ist die lokale Verankerung von 50Hertz als Netzbetreiber in Deutschland sehr wichtig", sagte Peeters, der auch Vorsitzender des 50Hertz-Aufsichtsrats ist. Deshalb suche man derzeit einen nationalen Partner und es gebe schon mehrere Interessenten. Derzeit laufe per Headhunter auch die Suche nach einem Nachfolger für Schucht, bis nach der Sommerpause solle das Auswahlverfahren abgeschlossen sein, so Peeters. (hcn)



