Die Akzeptanz für den Netzausbau oder die Errichtung von Windkraftanlagen ist in vielen Regionen Deutschlands merklich gesunken. Die Gegenwehr aus der Bevölkerung bedroht ernsthaft die Ausbau- und Klimaschutzziele der Bundesregierung. Grund dafür sei vor allem der fehlende unmittelbare Nutzen für die betroffenen Gemeinden, sagt Gunnar Groebler, Senior Vice President der Vattenfall Europe Windkraft.
Früher hätten die Leute in kleinen Projekten auf dem eigenen Land Windräder gebaut und damit unmittelbare Wertschöpfung erzeugt. Mit der Professionalisierung der Branche sei diese Wertschöpfung aber verloren gegangen. In anderen Ländern würden die Kommunen aktiver an den Erträgen der Anlagen beteiligt. So zum Beispiel in Dänemark, wo Anlagenbauer den Anwohnern mindestens 20 Prozent der Eigentums-Anteile des gesamten Projekts zum Kauf anbieten müssen. In Großbritannien würden Teile der Erlöse in einen Fonds fließen, der von der Kommune verwaltet werden darf, so Groebler weiter.
Vorschlag für finanzielle Beteiligung
Für Sebastian Kunze, Referatsleiter beim Städte- und Gemeindebund Brandenburg, sind freiwillige und individuelle Beteiligungsansätze keine Lösung des Problems. Viel mehr müsste ein gesetzlich geregelter Zahlungsstrom an die betroffenen Gemeinden fließen, so wie es eigentlich auch im Koalitionsvertrag steht, so Kunze weiter. Er schlägt eine Konzessionsabgabe auf den eingespeisten Strom vor, womit alle beteiligt würden. Wichtig wäre dabei aber vor allem eine einheitliche Regelung die sich zum Beispiel am Abstand zu den errichteten Anlagen orientiert, ergänzt Groebler von Vattenfall.
Neben der finanziellen Beteiligung sei aber auch das frühe Einbeziehen der Bevölkerung in die Planung notwendig. Die Transnet BW veröffentliche daher auf einer Plattform ihre Ausbaupläne, sodass sich Bürger informieren könnten, berichtet Werner Götz, CEO der Transnet BW. Außerdem wird der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben Hinweise und Anregungen zu formulieren. Die Transnet BW hätte schon rund 7000 Hinweise in die Planung einbeziehen können, so Götz weiter.
Energiewende hat gewisse Kosten
Klar wäre aber trotzdem, dass nicht jeder zufrieden gestellt werden könne, so der Geschäftsführer des Netzbetreibers weiter. Die Energiewende fordere nun mal gewisse Kosten. Das müsse viel klarer kommuniziert werden, da sonst zum Beispiel die einheitliche Strompreiszone nicht gehalten werden könne, so Peter Ahmels vom Bürgerdialog Stromnetz.
Außerdem müssten den Bürger der Nutzen des Netzausbaus spürbar nähergebracht werden, zum Beispiel durch die Sektorenkopplung, schlägt Groebler vor. Ein fahrendes Auto oder ein beheiztes Wohnzimmer würden eben leichter deutlich machen, wie die Gemeinde von den neuen Anlagen profitieren kann. (pm)



