Die neue NRV-Netzsaldo-Ampel zeige dabei die Situation in der Systembilanz in drei Stufen an: unkritischer, erhöhter und angespanter Saldo.

Die neue NRV-Netzsaldo-Ampel zeige dabei die Situation in der Systembilanz in drei Stufen an: unkritischer, erhöhter und angespanter Saldo.

Bild: © monticellllo/AdobeStock

Die Ampel-Parteien sehen in ihrem Koalitionsvertrag einen massiven Ausbau der Erneuerbaren vor. Die Kapazität von Wind- und Solarenergie soll bis 2030 auf 320 bis 350 GW anwachsen. Die bisherigen Regierungspläne haben hingegen nur 191 GW anvisiert. Auch wenn diese Ausbaupfade die Energiebranche positiv stimmen, könnte das rasante Ausbautempo auch neue Probleme mit sich bringen.

Eine neue Analyse von Aurora Energy Research zeigt, dass es für die Erneuerbaren am Strommarkt zu einem massiven Kannibalisierungseffekt kommen könnte. So könnte der Marktwert von PV um 44 Prozent sinken, die Windkraft an Land muss Einbußen von 35 Prozent und Windkraft auf See 31 Prozent hinnehmen.

Trotz steigender Stromnachfrage wird Großhandelspreis sinken

Casimir Lorenz, Energiemarktexperte bei Aurora Energy Research meint allerdings, dass sich dieser Effekt abschwächen dürfte, wenn die Pläne zur Einführung eines gemeinsamen Emissionshandels für alle Sektoren umgesetzt werden und damit die europäischen CO2-Preise ansteigen. Trotzdem müsse man das im Auge behalten, denn sinkende Marktwerte machen eine Finanzierung von Erneuerbaren auf Basis von Markterlösen und ohne staatliche Förderung schwieriger.

Der starke Ausbau der Erneuerbaren wird gleichzeitig dazu führen, dass die durchschnittlichen Großhandelsstrompreise im Jahr 2030 um 13 Prozent gegenüber der Fortsetzung der aktuellen Politik sinken werden. Und das, obwohl in Folge der geplanten Sektorenkopplung ein deutlicher Anstieg des Strombedarfs prognostiziert wird. Die Emissionen im Stromsektor werden laut Aurora-Berechnungen auf 107 Megatonnen CO2 sinken. Das Status-Quo-Szenario würde hingegen 128 Megatonnen CO2 verursachen.

CO2-Emissionen im Stromsektor höher als erwartet

„Dieser Rückgang ist geringer als durch den starken Erneuerbaren-Ausbau zu erwarten wäre“, sagt Lorenz. „Das liegt daran, dass unser Szenario „Koalitionsvertrag“ auch eine höhere Stromnachfrage durch die verstärkte Elektrifizierung anderer Sektoren wie Verkehr und Wärme beinhaltet. Die vergleichsweise schwachen Emissionseinsparungen im Stromsektor stehen dafür Emissionseinsparungen in den neu elektrifizierten Sektoren wie Verkehr oder Wärme gegenüber. (lm)

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