Einen sozial ausgewogenen CO2-Preis, um unter anderem die klimaschädlichen Emissionen der Kohlekraftwerke zu verteuern, fordert German Watch.

Einen sozial ausgewogenen CO2-Preis, um unter anderem die klimaschädlichen Emissionen der Kohlekraftwerke zu verteuern, fordert German Watch.

Bild: © Bernd Sterzl/Pixelio

Das zentrale europäische Klimaschutzinstruments, die CO2-Ausstoßrechte (EUA), hat sich - nach jahrelangem Dümpeln als Ramschpapier - in diesem Jahr bis 10. September im Preis von 7,80 auf 25,24 Euro pro Tonne fast vervierfacht, danach gaben die Notierungen - nach starken Schwankungen - auf zuletzt 19,25 Euro am Mittwoch nach. Das sind veröffentlichte Zahlen der Energiebörse EEX über den Referenzkontrakt zur Lieferung in diesem Dezember. Entwarnung für Betreiber fossil befeuerter Kraftwerke?

Von Analysten wird die Verteuerung als Zeichen dafür gesehen, dass der Markt an die Reform des EU-Emissionshandels vom November 2017 glaubt. Deren Kernpunkt war eine Verknappung des EUA-Überschusses von 1,7 Mrd. Tonnen um 24 Prozent jährlich vom nächsten Jahr an, indem er in die neue "Marktstabilitätsreserve" (MSR) gepackt wird. Ziel ist die bewusste Verteuerung von EUA, um Investitionen in CO2-extensive Technologien anzureizen.

Lawson Steele: RWE und Spekulanten kauften Markt leer

Also wird allgemein damit gerechnet, dass die EUA 2019 knapp werden. Sie werden es aber dieses Jahr schon, sagte Lawson Steele, ein Analyst der Berenberg Bank, am Mittwoch auf der Konferenz "Carbon Forward" in London. Das berichtet die Agentur Montel.

Steele zufolge haben RWE und Spekulanten so viel EUA aufgekauft, dass bereits in diesem Jahr 217 Mio. zu wenig EUA auf dem Markt seien. Der geringere Bedarf der Kraftwerksbetreiber an EUA reiche nicht aus, um diese Knappheit auszugleichen.

Bei 45 Euro ist die Steinkohle draußen

Mehr noch: Die Knappheit sei kein Strohfeuer, sondern weite sich bis 2023/24 auf etwa 600 Mio. EUA aus. Steele will Tonnagepreise von bis zu 65 Euro nicht ausschließen. Bei 45 Euro pro Tonne fände ein vollständiger Coal-to-Gas Switch statt. Das heißt, Gaskraftwerke würden in Europa Steinkohlekraftwerke bei solchen Notierungen komplett aus dem Strommarkt drängen, weil sie spezifisch weniger EUA brauchen. Bei 65 Euro wäre dies bei Braunkohle der Fall, meinte Steele. Doch es gebe hierfür sowohl zu wenig Kraftwerksgas als auch zu wenig Kraftwerke.

Carbon Tracker: Überschüsse eher bei Industrie

Laut Mark Lewis von Carbon Tracker ist es völlig undenkbar, dass die historischen Überschüsse an EUA alle im Kraftwerkssektor gehortet werden. Er sieht eher die stromintensive Industrie als überversorgt an. Sie bekommt im Gegensatz zur Stromerzeugung einen Großteil der EUA gratis zugeteilt, um ihre Abwanderung zu vermeiden ("Carbon leakage"). Lewis schätzte, das produzierende Gewerbe halte europaweit 700 Mio. EUA, die Kraftwerksbetreiber hätten 750 bis 800 Mio. und Spekulanten 150 Mio. (geo)

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