Lichtblick ist der deutsche Marktführer unter den Ökostromvertrieben.

Lichtblick ist der deutsche Marktführer unter den Ökostromvertrieben.

Bild: Lichtblick SE

Hinter einer "oberflächlich" positiven Entwicklung des Grünstromvertriebes verbirgt sich nach Ansicht des Ökoenergie-Anbieters Polarstern eine qualitative Verschlechterung. Das Unternehmen zitierte am Donnerstag aus seinem jährlichen "Ökostrom-Barometer". Es basiert auf den Tarifen und Anbietern in den 15 größten deutschen Städten.

Demnach sind Ökostrom-Tarife zwar unübersehbar für wechselwillige Verbraucher; sie stellen 56 Prozent aller Strom-Angebote, die ein Haushalt im Schnitt zur Auswahl hat. Pro Stadt sind es bis zu 300. Auch der Anteil Erneuerbarer im allgemeinen Strommix nimmt stetig zu.

Die Sache mit den HKN

Doch "Ökostrom" ist kein geschützter Begriff. Zur alljährlichen vertrieblichen Stromkennzeichnung nach Erzeugungsquellen reicht es, pro Tarif die 36 Prozent ohnehin geförderte Grünstrommenge mit Graustrom und dem Kauf von Herkunftsnachweisen (HKN) energiebilanziell auf 100 Prozent aufzufüllen. Die HKN bestätigen lediglich die grüne Herkunft, allerdings von anderen Ökostrommengen, die damit zu Graustrom umdeklariert werden.

Dabei kommt dieser Grünstrom praktisch nie aus Deutschland, weil die Erzeugungsanlagen hierzulande gefördert werden und daher keine HKN bekommen, manchmal aus Österreich, womit aufs Jahr gesehen wenigstens weitgehend auch ein physischer Import von Wasserkraftstrom verbunden ist, aber meistens aus Norwegen, dessen Wasserkraftstrom seltenst über Schweden hinaus physisch exportiert wird – wohl aber dessen HKN. Damit ändert sich Norwegens bilanzieller, offizieller Strommix von 97 Prozent Wasserkraft auf etwa die Hälfte fossile Kraftwerke und Kernkraft, obwohl das Land beides kaum oder gar nicht besitzt. Der offizielle Strommix kümmert in Norwegen auch niemanden, an den HKN verdienen Statkraft und wenige andere gut.

GSL und OK-Power

Der "Spiegel" und einige Ökoenergieunternehmen geißeln dies seit Jahren als "Greenwashing" von konventionellem Strom. Vor diesem Hintergrund gibt es zusätzlich Qualitätssiegel, die die Finanzierung eines Erneuerbaren-Ausbaus in Deutschland selbst verlangen. Die beiden strengsten Gütesiegel sind das Grüner Strom Label (GSL) und das OK-Power-Label. Im Vergleich zu 2016 habe ihr Anteil an den Ökostrom-Tarifen, so Polarstern, um mehr als 13 Prozent abgenommen, in Relation zu 2017 um drei Prozent. "Damit tragen knapp 44 Prozent der Ökostromangebote heute gar kein Gütesiegel, nicht einmal ein klassisches TÜV-Gütesiegel", beklagt Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern.

Auch diese Gütesiegel sind freilich zu hinterfragen und dies wird auch in den Trägervereinen diskutiert, ob sie in einer Pionierzeit des Grünstroms stehen geblieben sind:

  • So wird undifferenziert auf den Ausbau erneuerbarer Stromquellen abgestellt und nicht auch verlangt, dass sie auch netzdienlich sind und dass die erzeugten Mengen zeitgleich auch gebraucht werden.
  • Manche Siegel fordern bewusst eine Förderung von Erneuerbaren-Technologien, die weit weg von der Wirtschaftlichkeit sind, als eine Art Marktanreizprogramm. Es wäre aber zu diskutieren, ob man sich nicht auf die wirtschaftlichsten Grünstromquellen konzentrieren sollte. (geo)
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