Bild: Georg Marinschek / pixelio.de

Die Energie und Wasser Potsdam (EWP) hat etwa 200 Geschäftskunden den Stromliefervertrag gekündigt und ihnen zumindest fallweise Angebote zu höheren Preisen unterbreitet. Einer dieser Kunden ist der "Verkehrsbetrieb in Potsdam" (ViP) im selben Konzern Stadtwerke Potsdam (SWP). Die "Märkische Allgemeine", die darüber online am Montag berichtete, will daraus einen Konflikt zwischen den Schwestergesellschaften EWP und ViP herausgelesen haben. Sie nennt dafür keine Belege oder Zitate. Der "Ärger" wiege umso schwerer, schreibt das Lokalblatt, als Gewinnabführungen der EWP ratierlich auch an den privaten Minderheitsgesellschafter Edis, eine Eon-Tochter, gehen, während höhere Strompreise das Defizit des ViP erhöhen und die Holding SWP dieses per Querverbund über die EWP ausgleichen muss. Privatisierung von Gewinnen, Sozialisierung von Verlusten also, so lautet der stillschweigende Vorwurf.

Ein Sprecher der SWP dementierte gegenüber der ZfK einen Konflikt. Vielmehr habe die EWP Stromlieferverträge durch einen "Prozessablauffehler" gekündigt, eigentlich nur zur Fristwahrung vor dem Jahreswechsel, aber eben aus Versehen. Dieser Fehler sei aber ausgeräumt, sowohl mit dem ViP als auch mit anderen Business-to-Business(B2B)-Kunden, die zum Teil schon seit Gründung der Stadtwerke Stammkunden sind.

Strom-Jahresprodukt um 70 Prozent teurer

Wenn es auch in Potsdam keinen belegbaren Konflikt zwischen Energie- und Verkehrssparte gab, deutet der Vorgang auf ein neues Problem für Mehr-Sparten-Stadtwerke hin, seit die Großhandelspreise für Strom nicht mehr wie seit 2008 ständig fallen, sondern extrem steigen. Allein die Jahreslieferung 2019 verteuerte sich an der Börse EEX in den sieben Monaten bis 11. September um grob 70 Prozent von 32,75 Euro pro MWh auf knapp 57 Euro und fiel danach bis diesen Montag etwas ab, auf 50,45 Euro.

Egal, ob Energie und Verkehr eigene Firmen im Kommunalkonzern sind oder beides nur Stadtwerke-Abteilungen, die intern verrechnen – irgendwie müssen Fahr- und Betriebsstrom als Lieferung verrechnet werden. Wird back-to-back beschafft, also spiegelbildlich zum Großhandelspreis, schlagen die höheren Notierungen auf den Verkehrsbetrieb durch, spätestens mit dem neuen Jahresbezugsvertrag. Und selbst wenn man eigene Kraftwerke unterhält – auch Gas und CO2-Zertifikate sind signifikant teurer geworden.

Herausforderung: Wie kommuniziere ich das der Politik?

Wie empfindlich höhere Stromkosten die Schienenbahnen treffen können, zeigt allein eine Berechnung des Verbandes VDV von 2015, als das Wirtschaftsministerium (BMWi) bestimmte Verbraucher aus der reduzierten KWK-Umlage auf Fahrstrom herausnehmen wollte: bis zu 20 Mio. Euro pro Jahr bundesweit.

Wie allgemein im B2B-Vertrieb, sind auch gegenüber dem Nahverkehr Freundschaftspreise unterhalb der Gestehungskosten nicht drin und womöglich auch rechtlich problematisch. Das gilt umso mehr, wenn, wie in vielen Stadtwerken, ein Privatunternehmen Mitgesellschafter in der Energiesparte ist. Die Herausforderung ist, diese Zusammenhänge der Kommunalpolitik und den Fahrgästen klarzumachen, gerade wenn die Fahrscheine teurer werden müssen. (geo)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper