VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche lobte innovative Ansätze wie den Talmarkt der Wuppertaler Stadtwerke.

VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche lobte innovative Ansätze wie den Talmarkt der Wuppertaler Stadtwerke.

Bild: © WSW

Sowohl Reiche als auch Thomas König, Netzvorstand von Eon, wandten sich gegen die Forderung von Gero Lücking, Mitglied der Geschäftsführung des Ökostromanbieters Lichtblick, nach einer Reduzierung der Zahl der Netzbetreiber in Deutschland auf ein Cluster von etwa 25. "Ich glaube nicht, dass kleinere Gemeindewerke für die Zukunft gewappnet sind in punkto Digitalisierung und intelligentere Netze", sagte Lücking. Die "Kleinstaaterei" mit etwa 900 Netzbetreibern in Deutschland sei nicht zukunftsfähig, "wir brauchen dringend größere Einheiten", betonte Lücking beim Thesen-Talk "Deutschland nach dem Eon/RWE-Deal: Zukunft Downstream, Vertrieb und Kundenschnittstelle. Welches Geschäftsmodell setzt sich durch?"

"Es geht nicht nur um Größe", betonten sowohl König als auch Reiche und verwiesen hierbei auch darauf, dass Deutschland weltweit die sichersten Netze habe. Beide unterstrichen die Chancen von freiwilligen Kooperationen und wandten sich gegen dirigistische Eingriffe. "Viele Verteilnetzbetreiber arbeiten ja schon zusammen und kooperieren und ich sehe eine große Bereitschaft vor Ort, dies noch weiter auszubauen", sagte Reiche.

Mit fortschreitender Digitalisierung Skaleneffekte nicht mehr so wichtig

"Auch wir haben uns schon vor etlichen Jahren von der Idee verabschiedet, alles alleine machen zu wollen und setzen auf vielfältige Partnerschaften", betonte König. "Ich sehe die Digitalisierung gerade für kleinere und mittlere Unternehmen als enorme Chance, weil mit fortschreitender Digitalisierung Skaleneffekte nicht mehr so wichtig sind", sagte er. Entscheidend sind wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen und "diese hängen nicht von der Größe des Unternehmens ab", so König.

Reiche verwies hierbei auf innovative Ansätze wie den Talmarkt der Wuppertaler Stadtwerke, einem blockchain-basierten regionalen Handelsplatz für Ökostrom. Sie unterstrich das große Potential von Plattformangeboten gerade für kleinere kommunale Unternehmen, die zudem mit ihrer regionalen Marke und ihrer regionalen Verankerung als "Vertrauensasset" punkten könnten. Künftig müsse es darum gehen, auf neue Kundenwünsche schnell und flexibel zu reagieren und neue Angebote, beispielsweise rund um Energiespeicher, zu entwickeln.

Eon unterstützt Chancengleichheit bei der Datenweitergabe

Bauchschmerzen hat Reiche jedoch mit EU-Vorgaben für eine Erweiterung und Verschärfung der Datenweitergabepflichten für kommunale Unternehmen, die jedoch nicht für private Unternehmen greife. "Hier müssen wir nochmals ran. Sind doch die Daten einer städtischen AG genau so schützenswert wie die eines Unternehmens", sagte Reiche. "Natürlich darf es hier keinen Unterschied geben, öffentliche und private Unternehmen dürfen hier nicht unterschiedlich bewertet werden. Da haben Sie uns an ihrer Seite, hier für einheitliche Bedingungen zu sorgen, auch um die Kunden zu schützen", signalisierte König Rückendeckung.

Einig waren sich Reiche und König auch bei ihrer Kritik an den Effizienzvorgaben der Bundesnetzagentur bei der Anreizregulierung für Verteilnetzbetreiber angesichts des weiteren Ausbaus der erneuerbaren, dezentralen Energien. "Hier ist der Regulierer gefordert, für intelligentere Verteilnetze mehr Anreize zu geben", sagte Reiche. (hcn)

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