Im Landkreis Bamberg speisen 5800 Photovoltaikanlagen Strom ins Netz ein, die Jahresproduktion liegt bei rund 120.000 MWh. Das Bild zeigt eine PV-Anlage in Hirschaid.

Im Landkreis Bamberg speisen 5800 Photovoltaikanlagen Strom ins Netz ein, die Jahresproduktion liegt bei rund 120.000 MWh. Das Bild zeigt eine PV-Anlage in Hirschaid.

Bild: © Regionalwerke Bamberg

Seit Anfang Mai können Kunden im Landkreis Bamberg ihren Strombedarf ausschließlich über Energie abdecken, die in der Region erzeugt wird. Möglich macht dies ein neuer Ökostromtarif, basierend auf einem lokalen Strommarkt, den die Regionalwerke Bamberg gemeinsam mit dem Bayernwerk entwickelt haben. Die Regionalwerke sind ein Verbund aus 31 Kommunen, dem Landkreis, der Stadt und den Stadtwerken Bamberg. Dieser war bisher vorwiegend energiepolitisch beratend und koordinierend tätig, durch das neue Angebot wird er nun zum Stromanbieter.

Rund 470.000 MWh an Strom pro Jahr produzieren mittlerweile die Erneuerbaren-Anlagen im Landkreis Bamberg – das entspricht 75 Prozent der benötigten Strommenge. Vor zehn Jahren deckten regenerative Energien vor Ort lediglich 33 Prozent ab. Im Landkreis stehen über 5800 Photovoltaikanlagen, 35 Windkraft-, 35 Wasserkraft- und 46 Biomasseanlagen. Bis 2020 sollen 80 Prozent der verbrauchten Energie in der Region produziert werden, Ziel ist die Energieautarkie bis 2035.

Regionalstrom geht in die Direktvermarktung

Und so funktioniert der lokale Strommarkt: Das Bayernwerk kauft den Strom aus den regionalen Erzeugungsanlagen auf und macht diesen den Tarifkunden im Landkreis Bamberg zugänglich. "Der Strom aus den Anlagen geht in die Direktvermarktung, zusätzlich wird die bilanzielle Zuordnung sichergestellt", erklärt Thomas Oppelt, Geschäftsführer der Bayernwerk Regio Energie GmbH im Gespräch mit der ZfK. Der Kunde kann bei diesem Modell nicht verschiedene Anlagen aus- oder abwählen wie beispielsweise bei der Grünstrom-Vermarktungs-Plattform Talmarkt der Wuppertaler Stadtwerke, obwohl das technisch machbar wäre. "Wir wollen bewusst den Community-Gedanken stützen", so Oppelt.

Man habe auch eine Verwendung der neu eingeführten Regionalnachweise des Umweltbundesamtes geprüft, diese Option aber aufgrund des administrativen Aufwands und der "ziemlich komplexen Prozesse" zunächst zurückgestellt. "Wir können mit den Regionalnachweisen derzeit nur den EEG-Anteil im Strommix regionalisieren. Letztlich wollen wir aber den gesamten Bezug des Kunden erfassen", so Oppelt.

"Künftig wird der Strommarkt in Echtzeit ausgeregelt"

Eine Blockchain sei für den angestrebten regionalen Strommarkt derzeit nicht erforderlich. "Wir wollen künftig hin zu wirklichen physischen lokalen Strommärkten. Momentan ist das Modell bilanziell ausgelegt, in Zukunft wird der Strommarkt in Echtzeit ausgeregelt", sagt Oppelt. Ziel sei es, eine direkte Verbindung zwischen Erzeuger und Verbraucher herzustellen.

Das Interesse im Landkreis Bamberg an dem lokalen Strommarkt sei groß, insbesondere von PV-Anlagenbesitzern, deren Solarmodule in absehbarer Zeit aus der EEG-Förderung fallen. "Die Energiewende muss regional stattfinden. Der lokale Strommarkt ist der Auftakt für weitere Projekte, um nachhaltige und energieautarke Gemeinden und Landkreise zu entwickeln", ergänzt Robert Martin, Geschäftsführer der Regionalwerke Bamberg.

Weitere Projekte in Planung

Das Bayernwerk arbeitet an verschiedenen Orten in Bayern am Aufbau lokaler Strommärkte. Neben dem Landkreis Bamberg kooperiert man hier beispielsweise mit der Stadt Abensberg seit Ende Februar in einem ähnlichen Projekt. Im Raum Landshut ist zudem ein regionaler Strommarkt in den Kommunen Furth und Altdorf geplant. Die Pendlerkommune Furth hat eine relativ große regenerative Erzeugung, aber tagsüber einen entsprechend geringen Verbrauch. In Altdorf ist das EE-Portfolio deutlich geringer, gleichzeitig der Energiebedarf aber aufgrund vieler Gewerbebetriebe deutlich größer.

"Wir sind jetzt in der Erprobungsphase und werden das Modell weiter optimieren. Ziel ist es, das Konzept der lokalen Strommärkte im Anschluss in ganz Bayern anzubieten", sagt Thomas Oppelt. Auch Kooperationen mit Stadtwerken seien dabei denkbar und wünschenswert.

Auch Zubau von Anlagen möglich

Um den Eigenversorgungsgrad einer Region zu steigern, biete man den Kommunen auch den Zubau von PV- oder Windkraftanlagen oder aber auch den Ausbau von Wasserkraft an, soweit regional möglich. "Die Kommunen sind dafür sehr offen", versichert Oppelt. Auch weil der Koalitionsvertrag der neuen bayerischen Landesregierung CO2-Ziele verankert habe und alle Kommunen angehalten sind, die Energiewende zu unterstützen. (hoe)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper