Aufgrund der nötigen zusätzlichen Strommengen zur Erreichung der Sektorenziele des Klimaschutzplans der Bundesregierung kalkuliert der BEE trotz Effizienzmaßnahmen einen stark steigenden Strombedarf bis zum Jahr 2030.
Während der Netzentwicklungsplan für das Jahr 2030 einen Bruttostromverbrauch von 590 TWh ansetzt, kalkuliert der BEE bis dahin einen Bruttostromverbrauch in Höhe von 740 TWh. Dies sei nötig, um die zusätzlichen Stromverbräuche für Wärmepumpen, Elektromobilität und PtX (Power-to-Gas, Power-to-Liquids) zu decken, sagte BEE-Präsidentin Simone Peter am Montagabend bei einem Pressegespräch in Berlin.
Jährlich 16,4 GW Erneuerbare bis 2030
16,4 GW erneuerbare Stromerzeugungsleistung muss bis 2030 jährlich installiert werden, um 65 Prozent diesen steigenden Bruttostromverbrauchs (481 TWh) zu decken. In einem Erzeugungsmix entspricht dies jährlich 10.000 MW Photovoltaik, 4700 MW Windenergie Onshore, 1000 MW Windenergie Offshore, 600 MW Bioenergie, 50 MW Geothermie und 50 MW Wasserkraft, so die BEE-Kalkulation.
"Der Schalter muss sofort umgelegt und der Ausbau der Erneuerbaren wieder beschleunigt werden", sagte Peter. "Unter Beibehalt der derzeitigen rechtlichen Gegebenheiten, die keine klaren Perspektiven für Planung und Investition bieten, wird Deutschland seinen Bruttostromverbrauch zur zu 44 Prozent aus Erneuerbaren Energien abdecken – mit negativen Implikationen für den Klimaschutz und für die innovative Erneuerbare-Energien-Industrie mit ihren zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und ihrer enormen regionalen Wertschöpfung", so Peter.
Vorhandene Ausbaudeckel streichen
Um einen verstärken Ausbau der Erneuerbaren in Gang zu bringen und die nötige Investitionssicherheit zu schaffen schlägt Peter ein Maßnahmenbündel vor: Erhöhung der Ausbaupfade, Streichung der vorhandenen Ausbaudeckel von der Photovoltaik über den Biogas-Flexdeckel bis zu Offshore-Wind sowie die Umsetzung des Kohleausstiegs und die Verabschiedung eines Klimaschutzgesetzes. "Darüber hinaus müssen durch eine CO2-Bepreisung endlich faire Wettbewerbsbedingungen für saubere Technologien geschaffen werden. Dies kann sozialverträglich durch eine entsprechende Absenkung der Stromsteuer sowie durch Rückverteilungsmodelle im Wärmebereich ausgestaltet werden", so Peter.
Auch der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, Olaf Lies, sprach sich dafür aus, den Ausbau der Erneuerbaren konsequent voranzutreiben und Deckel abzuschaffen. "Wir sollten Klimaschutz als Chance, auch für die Wirtschaft, verstehen. Die Politik darf nicht zur Behinderung der Ausbauziele beitragen", sagte er. Viele Beispiele aus dem Ausland zeigten zudem, wie eine nötige CO2-Bepreisung sozial abgefedert werden könne. Ausdrücklich sprach sich Lies auch für die Einbeziehung von grünem Wasserstoff als Schlüsselelement der Energiewende aus. (hcn)



