Die EEG-Umlage ist seit ihrer Einführung im Jahr 2000 deutlich und fast jährlich gestiegen. Sie liegt 2020 bei 6,76 ct/kWh. Auszahlungen über die EEG-Umlage sind vereinfacht von zwei wesentlichen Komponenten abhängig.
Erstens: von der Menge der Einspeisung aus erneuerbaren Energien, die über das EEG vergütet werden. Zweitens: von der Differenz aus Strompreisniveau und Vergütungsanspruch, woraus sich der Belastungsbetrag für das EEG-Konto ergibt. Für das EEG-Konto ist darüber hinaus noch die Gesamtnachfrage relevant, um die Schlüsselung der Kosten je kWh Verbrauch aufzuteilen.
Zwei Faktoren wirken sich massiv aus
Die starke Einspeisung aus erneuerbaren Energien im ersten Quartal 2020 sowie der stark gefallene Strompreis durch die Pandemie haben das EEG-Umlagekonto Ende Mai stark belastet und auf einen niedrigen Wert von ca. 98 Mio. Euro zurückgeführt. Hinzu kommt ein Rückgang der Stromnachfrage durch den Lock-Down. Dies führt potenziell dazu, dass die EEG-Umlage ab 2021 deutlich ansteigen wird.
In der ökonomischen Theorie gibt es in Folge von Wirtschaftsschocks verschiedene potenzielle Zukunftsszenarien. Diese sogenannten V-U-L-Szenarien sind modifiziert auch auf die Energiewirtschaft übertragbar (s. Bild).
Diese Parameter bilden den Rahmen der Untersuchung
Für eine Prognose potenzieller Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Strommarkt und der EEG-Umlageentwicklung nutzt BET das Strommarktmodell "EuroMod". Dieses umfasst viele Parameter wie exemplarisch politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, den Ausbau der erneuerbaren Energien, Entwicklung von Brennstoffpreisen.
Neben der Entwicklung der Großhandelsstrompreise liefern die Energiemarktszenarien konsistente Einschätzungen zu weiteren Treibergrößen der EEG-Umlageentwicklung. Dazu gehören u.a. Marktwerte und Zubau Erneuerbarer Energien, Nettostromverbrauch und der Anteil des privilegierten EEG-Letztverbrauchs. Unter Nutzung dieser Analysen und Annahmen wurde mit Hilfe des Agora-EEG-Umlage-Rechners eine Bandbreite an Entwicklungen der EEG-Umlage ermittelt.
EEG-Umlagen in den verschiedenen Szenarien
Im Ergebnis zeigt sich für alle drei Szenarien ein deutlicher Anstieg der EEG-Umlage. Für das V-Szenario steigt die Umlage auf über 8,6 ct/kWh in 2021 sowie für das U- und L-Szenario über 9 ct/kWh. Die gesunkenen Strompreise lassen das EEG-Umlagekonto bis Ende des laufenden Jahres potenziell in den negativen Bereich fallen.
Die V-U-L-Szenarien verdeutlichen die mögliche Bandbreite und Intensität der Auswirkung der Corona Pandemie auf die Umlage. Während sich der Anstieg der EEG-Umlage im Corona-V- und -U-Szenario bis 2025 bei ca. 7,2 ct/kWh wieder stabilisiert, kommt es im -L-Szenario zu einem nachhaltigen Anstieg der Umlage auf 8,5 ct/kWh.
Der nationale Emissionshandel kann den Anstieg dämpfen
Ab 2021 soll das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) eingeführt werden. Dessen Erlöse sollen anteilig dafür verwendet werden, die EEG-Umlage zu reduzieren. Mit dem Entwurf eines ersten Gesetzes zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) vom Mai 2020 wurden die Festpreise der CO2-Zertifikate nochmals deutlich erhöht.
Durch die Veräußerung der Zertifikate wird für das Jahr 2021 mit Einnahmen von voraussichtlich etwa 7,4 Mrd. Euro gerechnet. Diese werden nach Erweiterung auf den vollen Anwendungsbereich im Jahr 2023 auf etwa 10,5 Mrd. Euro ansteigen. Die zusätzlichen Erlöse aus der Erhöhung der Zertifikatspreise sollen dann die EEG-Umlage senken. Dabei werden die BEHG-Regelungen berücksichtigt. Zudem soll mit den Erlösen zum Januar 2024 auch die zusätzliche Entfernungspauschale für Fernpendler angehoben werden.
EEG-Umlage wird voraussichtlich die 7-ct-Marke knacken
Durch die Zusatzerlöse aus dem nationalen Emissionshandel wird das des EEG-Konto entlastet und die Höhe der EEG-Umlage beeinflusst. Aber in der kurzen Frist zeigt sich, dass die steigernden Effekte infolge der Corona-Pandemie nicht vollumfänglich durch Zusatzerlöse aus dem Emissionshandel kompensiert werden können.
Szenarioübergreifend lässt sich somit trotz Berücksichtigung des nationalen Emissionshandels erstmals ein deutlicher Anstieg der EEG-Umlage oberhalb der 7-ct/kWh-Marke 2021 erwarten.
Bundesregierung will EEG deckeln
Aus politischer Perspektive wurde dieser Zusammenhang bereits im Rahmen des jüngst beschlossenen Konjunkturpakets aufgegriffen. Der politischen Zielsetzung der Bundesregierung zu Folge soll ein Anstieg der EEG-Umlage für das kommende Jahr, neben den Einnahmen aus dem BEHG, etwaig auch durch Zuschuss von Haushaltsmitteln des Bundes auf 6,5 ct/kWh gedeckelt werden und für 2022 die Marke 6 ct/kWh nicht überschreiten. Zu erwarten ist, dass im Vorfeld zunächst der Finanzbedarf abgestimmt zwischen Bundesregierung und ÜNB ermittelt wird.
*Der Gastbeitrag stammt von Max Sondermann, BET-Berater für Energiemarktmodelle, und Lukas Schuffelen, BET-Leiter Kompetenzteam Transaktionen.



