So sieht der lokale "Grünstromindex" für das Netzgebiet der Stadtwerke Eberbach am Neckar seit Juli 2019 auf deren Website aus. Die stundenscharfe Visualisierung bis zu 36 Stunden im Voraus ist Teil eines White-Label-Pakets mit dem Blockchain-Spezialisten Strom-DAO.

So sieht der lokale "Grünstromindex" für das Netzgebiet der Stadtwerke Eberbach am Neckar seit Juli 2019 auf deren Website aus. Die stundenscharfe Visualisierung bis zu 36 Stunden im Voraus ist Teil eines White-Label-Pakets mit dem Blockchain-Spezialisten Strom-DAO.

Screenshot: © Stadtwerke Eberbach

Kunden der Stadtwerke Eberbach am Neckar können von sofort an auf deren Website in einem "Grünstromindex" stundenscharf bis zu 36 Stunden im Voraus sehen, ob in ihrer Postleitzahl gerade viel oder wenig Grünstrom eingespeist wird. In einem neuen Stromtarif des Kommunalversorgers bekommen sie zusätzlich eine moderne Messeinrichtung (mME). Das Ganze gehört zu einem White-Label-Paket, das die Strom-DAO (Dezentralisierte Autonome Organisation) von Thorsten Zörner aus Heidelberg nach eigenen Angaben aus ihrem eigenen Ökosystem "Corrently" für andere Vertriebe gestrickt hat.

Auch die Stadtwerke Tübingen sind demnach Kunde. Beide Versorger nehmen wie die Strom-DAO und der Zählerhersteller Discovergy an dem baden-württembergischen Projekt "Cloudmall BW" teil. Allerdings war am Montag auf der Tübinger Website noch nichts von einem Index oder Tarif zu sehen.

Bis zum Prosumer ohne Grund und Dach

Gemeinsames Ziel ist die Verbrauchsverlagerung in Zeiten mit viel lokalem Grünstromangebot und ein möglichst erzeugungsnaher Ökostromkonsum, um die Abregelung von Anlagen und Netzausbau möglichst zu vermeiden. Je nach Entscheidung des White-Label-Kunden kann der Tarif so weit gehen, dass Endkunden mit ausgleichendem Verbrauchsverhalten Anteile an Erneuerbaren-Anlagen erwerben und so zu Prosumern werden, ohne selbst geeignetes Grundeigentum zu haben. So weit scheint es in Eberbach nicht zu sein.

Die mME in dem neuen Ebersbacher Tarif kommt von Discovergy, die dann auch für den Endkunden zum wettbewerblichen Messstellenbetreiber (Msb) wird und ihre Zähler selbst einbaut – ein kleiner Kannibalisierungseffekt für das Stadtwerk als grundzuständigen Msb. Eberbach kauft in dem White Label die Abrechnungsdienstleistung, den "Grünstromindex" und den Betrieb auf Basis des "Corrently"-Ökosystems der Strom-DAO ein.

Blockchain mit 1419 Schlüsseln

Und hier kommt die Blockchain ins Spiel: Die Strom-DAO hat Anteile an 1419 Blockchain-Schlüsseln für Erneuerbare-Energien-Anlagen bundesweit verteilt. Wie vielen Betreibern unter Vertrag das entspricht, weiß sie nicht genau, da sich diese Schlüssel wie im physischen Leben auch von mehreren Personen benutzen lassen. Die Ökostrom-Ein- und Ausspeisungen unter Vertrag jedenfalls werden in der Blockchain der Strom-DAO fälschungssicher und dezentral dokumentiert und im Übrigen auf der Website der Strom-DAO mit den Orten visualisiert, natürlich anonym. Und ihr "Grünstromindex" zeigt bundesweit postleitzahlen- und stundenscharf die lokale Ökostrom-Einspeisung, bis zu 36 Stunden im Voraus. Daraus hat die Strom-DAO für ihre eigenen Endkunden einen zeitvariablen Tarif entwickelt, der den Verbrauch in Zeiten des lokalen Überschusses belohnt. Wie viele das sind, verrät Thorsten Zörner nicht.

Eberbachs Vertriebsleiter Michael Sigmund schwärmt: "Wir sind begeistert von diesem Tarif. Damit werden unsere Kunden zu aktiven Klimaschützern, entlasten die Netze und schaffen langfristig Mehrwert für die regionalen Erneuerbaren Energien. In der Zukunft ist es sogar vorstellbar, dass Verbraucher mit dem neuen Tarif in Kombination mit einem Stromspeicher bei hohem Ökostromangebot einkaufen und bei niedrigem Angebot im Netz ihren Bedarf aus dem Speicher decken.“

Früher mit "Grünstromjetons"

Die Strom-DAO Thorsten Zörners war vor knapp drei Jahren der Kooperationspartner der ersten Blockchain für Stadtwerke (siehe gedruckte ZfK 11/2016, Seite 10). Die kommunale Kooperation SEV Stadtwerke Energie Verbund bot damals Kommunalversorgern ein White Label mit "Grünstromjetons" an, die ebenfalls netz- und autarkiedienliches Verbrauchsverhalten belohnen sollten. Wie man jetzt von Zörner hört, hatte das damalige Projekt im Probebetrieb geendet. (geo)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper