Womöglich würde Deutschland nun noch mehr Energienachfrage und noch höhere Energiepreise erleben, wenn die Corona-Krise und deren Auswirkungen die Wirtschaft in Deutschland nicht auch dieses Jahr wesentlich geprägt hätte. Dies legen frische Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) nahe.
Demnach erreicht der Energieverbrauch in Deutschland dieses Jahr eine Höhe von 416 Mio. Tonnen Steinkohleeinheiten. Das entspricht einem Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zugleich aber bleibt der Enegieverbrauch spürbar unter dem Niveau der Vor-Corona-Zeit.
Mineralöl vor Erdgas
Die Arbeitsgemeinschaft nennt Lieferengpässe, eine abschwächende Baukonjunktur sowie ein Auslaufen der Nachholeffekte, die die wirtschaftliche Erholung gebremst hätten. Verbrauchstreibend wirkten dagegen ungewöhnlich kalte Temperaturen insbesondere in den ersten Monaten des Jahres.
Energiequelle Nummer eins in Deutschland bleibt das Mineralöl mit einem Anteil von 32 Prozent am Gesamtmix. Im Vorjahr waren es noch 34 Prozent gewesen.
Stein- und Braunkohle legen kräftig zu
Zulegen konnte das Erdgas. Die Arbeitsgemeinschaft beziffert den Verbrauchsanteil bei 27 Prozent (Vorjahr: 26 Prozent). Hauptursache für den Anstieg sei die in den ersten fünf Monaten deutlich kühlere und größtenteils eher windarme Witterung gewesen, heißt es.
Stein- und Braunkohle konnten ihren Anteil am deutschen Energiemix deutlich erhöhen. Allein der Einsatz von Steinkohle in Kraftwerken erhöhte sich nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft um gut 25 Prozent. Auch Braunkohlekraftwerke waren deutlich öfter in Betrieb als noch im Vorjahr. Die Eisen- und Stahlindustrie steigerte ihre Nachfrage um 13 Prozent.
Rückschlag für Erneuerbare
Steinkohle steuerte 8,6 Prozent zum Energiemix bei (Vorjahr: 7,5 Prozent), Braunkohle 9,3 Prozent (Vorjahr: 8,1 Prozent).
Einen Rückschlag erlebten erneuerbare Energien. Sie trugen um 0,2 Prozent weniger zum Primärenergieverbrauch 2021 bei als noch im Vorjahr.
Windanteil bricht ein
Leicht zulegen kann nach Angaben der AG Energiebilanzen die Biomasse, deren Anteil an den erneuerbaren Energien mehr als 50 Prozent beträgt. Auch die Wasserkraftwerke gewinnen an Anteilen.
Dagegen steuern Windkraftanlagen deutlich weniger zur Stromerzeugung bei als noch vor einem Jahr. Bei Windkraftanlagen an Land kommt es zu einem Rückgang der Stromerzeuguing von elf Prozent, bei den Anlagen auf See sind es neun Prozent weniger.
PV-Anlagen im Aufschwung
Die Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen dagegen steigt um beinahe fünf Prozent.
Für das Gesamtjahr 2021 rechnet die AG Energiebilanzen mit einem Anstieg der energiebedingten CO2-Emissionen von gut vier Prozent oder etwa 25. Mio. Tonnen. Sie führt dies auf witterungs- und konjunkturbedingten Mehrverbrauch sowie den leichten Rückgang des Anteils erneuerbarer Energien und den Aufschwung fossiler Energien zurück. (aba)



