Künftig sollen neben PV und Wind auch technologieoffene Innovationen ausgeschrieben werden.

Künftig sollen neben PV und Wind auch technologieoffene Innovationen ausgeschrieben werden.

Bild: © Aris Suwanmalee/AdobeStock

Die Schwankungen im Stromnetz durch die erneuerbaren Energien stellen die Energiewende vor eine Herausforderung. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) und die Bergische Universität Wuppertal suchen gemeinsam nach einer Lösung hierfür. In dem Projekt "Wuppertal spart Watt" wird untersucht, wie über intelligente Steuerungen die Verbraucher in die Lösung mit einbezogen werden können.

Konkret werden hierfür in ausgewählten Wuppertaler Wohnquartieren sogenannte virtuelle Kraftwerke eingerichtet. Ein solches Kraftwerk entsteht, indem kleine Energieproduzenten und -verbraucher durch das Internet verbunden werden. 

Lokale Energiewende beim Verbraucher

Die Stadtwerke erhoffen sich "nicht zuletzt die Erkenntnis darüber, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit die privaten Haushalte aktiv und angebotsorientiert Ihren Energiebedarf decken", erläutert Ulrich Rieke, Leiter Energiedienstleistung bei den WSW. 

Um das unter reellen Bedingungen testen zu können, wurden Haushalte gesucht, die sich an dem Projekt beteiligen. "Wir haben in Wuppertal circa 800 kommunikationsfähige RLM-Zähler in 550 Haushalten verbaut, um einen gewissen Querschnitt an Haushalten zu erreichen", erläutert Rieke. Der Anreiz zur Teilnahme war hierbei nicht zuletzt ein Wettbewerb der "Wuppertaler Energiefüchse" der mit einem Jahr Stromkostenerstattung ausgerufen wurde.

Erstes Ergebnis: Das Energiewetter

Es geht vor allem um die Lastverschiebung. Bei dem Vorhaben sollen Konzepte entwickelt werden, wie sich die Nutzung großer, privater Energieverbraucher wie Waschmaschinen in die Tageszeiten mit hohem Energieangebot verschieben lässt. Die zusätzlichen Zähler liefert noch bis Ende April 2020 eine minutengenaue Übersicht über jeden einzelnen Verbrauchsverlauf. In einer intelligenten Oberfläche konnten die Teilnehmer ihre eigenen Lastverschiebungsquoten, aber auch die der anderen Teilnehmer, über den gesamten Projektverlauf transparent einsehen.

In einer nächsten Phase bildeten die teilnehmenden Haushalte Reallabore. In diesen wurde zunächst das Verbrauchsverhalten analysiert. Danach wurden Maßnahmen umgesetzt, die die Teilnehmer dazu animierten, ihre Verbräuche zu verlagern. Ein Ergebnis dieser Überlegungen war das entwickelte sogenannte "Energiewetter", das online abrufbar ist. Mit dessen Einführung konnten die Teilnehmer ihren Energieeinsatz planen. Ein Ampelsystem zeigt, wie viel regenerativer Strom im Netz ist und ob Stromverbraucher eingeschaltet werden sollen oder nicht.

Kommunikation ist die große Herausforderung

Um schließlich ein ganzheitliches Betriebskonzept für das virtuelle Kraftwerk zu entwickeln, benötigte es flexible Konzepte auf unterschiedlichen Ebenen. So wurde z.B. untersucht, wie relevante Daten gemessen, analysiert und weiterverarbeitet werden könnten. Dabei ging es neben fernauslesbaren Zählern auch um neue Arten der Datenübertragung. Man entschied sich, die Messdaten über ein Funknetz zu übermitteln.

Jedoch zeigt sich: "Als Erkenntnis steht die Kommunikation als eine der großen Herausforderungen. Hat man die Haushalte erreicht, wurden Lastverschiebungspotenziale zwischen sieben Prozent und in Einzelfällen bis zu 25 Prozent gehoben", betont Rieke. Die dauerhafte Hebung dieser Verschiebungspotenziale brauche jedoch sicher noch weitergehende, digitale Technik bei den Haushaltsgeräten, so dass die Mensch-Maschine-Kommunikation komfortabler wird.

Trotzdem sind Synergieeffekte erkennbar

Die Teilnehmer erlernen nichtsdestotrotz ein bewussteres Verbrauchsverhalten um Energie einzusparen. Außerdem profitieren sie mittelfristig von Stromtarifen, die flexiblen Energiekonsum belohnen. "Unabhängig von den Projektergebnissen bieten die Wuppertaler Stadtwerke mit dem WSW Talmarkt ja bereits ein Produkt an, bei dem die Kunden jederzeit die erneuerbare Energie wählen können, die sie gerne möchten", betont der Leiter für Energiedienstleistungen.

Mit den Erkenntnissen aus dem vorliegenden Projekt seien Ansätze zu lastvariablen Tarifen gelegt, die jedoch noch einige Entwicklungszeiten in Anspruch nehmen würden. Aktuell werden die Ergebnisse weiter ausgewertet und dem Wirtschaftsministerium von NRW vorgestellt. (gun)

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