Die Direktvermarktung von Strom aus erneuerbaren Quellen wächst nach wie vor – in den letzten beiden Jahren jedoch deutlich schwächer: Während 2017 und 2018 von Jahr zu Jahr noch deutliche Wachstumssprünge von 7000 bis 8000 MW zu verzeichnen waren, kamen zwischen Jahresende 2019 und 2020 nur noch etwa 4000 MW hinzu. Im Januar 2021 umfasste das Portfolio der deutschen Vermarkter dann 81344,47 MW, so die Zahlen auf der Informationsplattform der Übertragungsnetzbetreiber. Gründe für den vergleichsweise geringen Zuwachs in den vergangenen zwei Jahren gibt es viele, wie eine aktuelle ZfK-Umfrage ergab.
Neben der Dauerkrise beim Windkraftausbau, habe auch die mehrmalige Umstellung des Regelenergiemarktdesigns für höhere Unsicherheiten gesorgt, heißt es aus der Branche. „Die häufigen Systemwechsel waren nachteilig, da sie zu Unsicherheiten im Markt führten und die zu erwartenden Kosten für Ausgleichsenergie kaum kalkulierbar machten. Sie haben in mehreren Situationen zu Extrempreisen geführt, in denen keine Systemgefährdung vorlag. Dies birgt für die meisten Teilnehmer unkalkulierbare hohe finanzielle Risiken, wenige profitieren davon“, resümiert die MVV Trading.
Ähnlich sieht das der Direktvermarktungs-Marktführer Statkraft Markets: „Der Start des neuen Regelarbeitsmarktes war holprig. Wir beobachten, dass viel weniger Unternehmen an den Ausschreibungen teilnehmen als vorher. Das hat sich anfänglich auch in den extremen Preisspitzen widergespiegelt hat. Diese waren kein Signal für eine Knappheit, sondern für einen gering liquiden Markt, der Preissetzend ist“, so die Düsseldorfer.
Bereitschaft für PPAS bei Post-EEG-Anlagen geringer als erwartet
Die BayWa r.e. plädiert wiederum für eine Kombination aus einem modifizierten Mischpreisverfahren und wirksamen zusätzlichen Pönalisierungen durch Knappheitskomponenten als effizienteste Lösung, um bei den Vermarktern von Regelenergie wie auch bei den Bilanzkreisverantwortlichen wettbewerbliches und netzstabilisierendes Verhalten anzureizen.
Doch nicht nur die Umbrüche am Regelleistungsmarkt haben für Verunsicherung in der Branche gesorgt, auch die Corona-Krise und die EEG-Novelle wirkten sich auf die Geschäfte aus – vor allem bei den Langfristlieferverträgen (PPAs). Aus Sicht der SWM war das Preisniveau zu Beginn 2020 an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit bei PV PPAs, der Preiseinbruch habe dies nun verzögert. Und auch das die Inbetriebnahme mancher Projekte habe sich durch die Corona-Beschränkungen im Bereich Logistik und Handel verzögert.
Bei Anlagenbetreibern von Bestands-Windkraftanlagen sei die Bereitschaft aufgrund des sehr niedrigen Preisniveaus äußerst gering gewesen, längerfristige Verträge zum Weiterbetrieb abzuschließen. Ähnlich sieht das die SachsenEnergie: So hätte die frisch eingeführte Einspeisevergütung für ausgeförderte Windkraftanlagen deren Direktvermarktung verhindert.
Scheu vor Marktpreisrisiken
Und auch Trianel blick eher mit gemischten Gefühlen in die PPA-Zukunft: PPAs könnten zwar einen Beitrag zum Ausbau der Erneuerbaren leisten. Insbesondere in Deutschland stünden sie jedoch neben dem etablierten Förderinstrumenten des EEGs. „Es wird sich zeigen müssen, inwieweit sich – nach den bisherigen, vereinzelten Abschlüssen- ein Markt mit dieser Koexistenz entwickeln kann“, heißt es aus Aachen. Einerseits wüden PPAs auf dem Kaufinteresse großer Endkunden basieren, die dadurch ihre Nachhaltigkeit vorantreiben wollen. Andererseits stünde dies im Konflikt mit der Übernahme von zusätzlichen Marktpreisrisiken durch diese Akteure.
Auch wenn das Marktumfeld gerade schwierig ist, haben die meisten von der ZfK-befragten Direktvermarkter mittlerweile PPAs im Aufbau oder Anlagen bereits unter Vertrag. (lm)
Eine ausführliche Übersicht und Analyse der deutschen Direktvermarktung finden Sie in der aktuellen ZfK-Printausgabe.


