Es war bislang zwar ein schnee-, aber kein windreicher Dezember. (Symbolbild)

Es war bislang zwar ein schnee-, aber kein windreicher Dezember. (Symbolbild)

Bild: © christiane65/AdobeStock

Mit kalten Temperaturen und längeren Nächten hat sich auf Deutschlands Strommarkt auch der fossile Kraftwerkspark zurückgemeldet. Nach Angaben der Fraunhofer-Plattform Energy-Charts trugen bislang im Dezember Kohle- und Gaskraftwerke zwei Drittel zum deutschen Strommix bei. Ausgewertet wurde die öffentliche Nettostromerzeugung auf Basis von Daten des Netzbetreiberverbands Entso-E Stand Donnerstagmittag (13.42 Uhr).

Bemerkenswert dabei: Erdgaskraftwerke steuerten 21 Prozent bei – und damit nur sechs Prozentpunkte weniger als die Braunkohle. Witterungsbedingt sackte der Windstromanteil auf 18 Prozent zusammen. Der Solaranteil betrug weniger als ein Prozent.

Verschiebungen bei Stromhandel mit Nachbarländern

Im Vergleich zum Sommer gab es seit dem Wintereinbruch auch bei der Stromimport- und -exportbilanz spürbare Verschiebungen. Während im August noch insgesamt 5,8 Terawattstunden (TWh) netto importiert wurden, wurde Deutschland im November sogar wieder Netto-Stromexporteur – wenn auch nur hauchdünn. 0,02 TWh Strom wurden laut Energy-Charts mehr aus- als eingeführt.

Im Dezember ging es bislang wieder leicht in die andere Richtung. Demnach wurden knapp 0,2 TWh netto importiert. Der meiste Strom kam dabei von Frankreich (0,1 TWh) und Tschechien (0,1 TWh), die beide auf grundlastfähige Kernkraft setzen. Der im Sommer stärkste Netto-Stromlieferant für Deutschland, Dänemark, bezog dagegen bislang im Dezember insgesamt knapp mehr Strom aus der Bundesrepublik.

Frankreich ganz vorne bei Netto-Stromlieferanten

Bereits im November hatte sich dieser Trend abgezeichnet. Auch in diesem Monat führte Frankreich die Gruppe der Netto-Stromlieferanten an (0,6 TWh). Es folgten Dänemark (0,3 TWh), Schweden, Norwegen (je 0,2 TWh) und Tschechien (0,1 TWh). Am meisten Netto-Strom exportierte Deutschland nach Österreich (0,5 TWh). Auch die Niederlande (0,4 TWh) und Luxemburg (0,3 TWh) gehörten zu den Netto-Abnehmern deutschen Stroms.

Traditionell exportiert Deutschland dank eines großen konventionellen Kraftwerksparks in den Wintermonaten mehr Strom als es importiert. Im Jahr 2015 waren es im Dezember sogar noch mehr als sieben TWh. Seitdem hat sich aber eine Reihe von Meilern im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs aus dem Strommarkt verabschiedet.

Debatte um abgeschaltete Kernkraftwerke

Spätestens mit dem Abschalten der letzten drei Kernkraftwerke war in Deutschland eine Debatte losgebrochen, inwiefern nun teurer Atom- und Kohlestrom aus dem Ausland importiert werden müsse, um fehlende Strommengen im Inland zu kompensieren.

Tatsächlich setzen Norwegen und Schweden, von denen Deutschland netto viel Strom bezog, vor allem auf Wasserkraft. In Dänemark wird der meiste Strom von Windkraftanlagen produziert. In Frankreich besteht der Strommix zu gut zwei Drittel aus Atomstrom.

Deutscher Kohlestrom zu teuer

"Der Mechanismus [der Marktkopplung] ist so angelegt, dass aus günstigeren Preiszonen in höherpreisige Preiszonen exportiert wird, soweit die Grenzkuppelstellenkapazitäten dies zulassen", erklärte auch Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, im ZfK-Interview. Der BDEW analysiert Stromimporte und -exporte für die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen. "Dabei haben wir überwiegend erneuerbare Energien aus Skandinavien und der Alpenregion importiert und damit konventionelle Stromerzeugung in Deutschland substituiert."

Vor allem die Stromerzeugung aus Steinkohle- und Braunkohlekraftwerken sei in Deutschland deutlich niedriger gelegen als in den Vorjahresmonaten. "Gründe dafür sind die gestiegene Verfügbarkeit von erneuerbaren Energien im Ausland, aber auch der relativ hohe CO2-Preis, der fossile Stromerzeugung verteuert."

"Europäischer Strombinnenmarkt funktioniert"

Die Stilllegung der letzten drei Kernkraftwerke sei aufgrund der Verkürzung der deutschen Merit-Order unter anderem ein Grund für die stärkere Importneigung Deutschlands, aber keinesfalls alleinige Ursache, führte die Verbandschefin aus. "Auch mit der monatlichen Stromerzeugung der drei stillgelegten Blöcke wäre Deutschland in den Sommermonaten Netto-Importeur gewesen."

Je nach Preis- und Erzeugungssituation sei Deutschland in den Sommermonaten in zahlreichen Stunden auch Exporteur von Strom gewesen. "Die aktuelle Entwicklung unterstreicht daher das Funktionieren des europäischen Strombinnenmarkts." (aba)

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