Die Atomkraft in Deutschland ist auf dem Rückzug. Sieben Reaktoren zur Stromerzeugung sind noch in Betrieb. Bis Ende dieses Jahres scheidet Philippsburg 2 aus, bis Ende 2021 sind Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C dran. Die letzten sind Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Am 31. Dezember 2022 ist Schluss. Geschafft ist der Atomausstieg damit aber noch lange nicht.
„Neben dem Rückbau der Kraftwerke liegt die große gesellschaftliche Herausforderung in der Entsorgung ihrer hoch radioaktiven Abfälle“, sagt die Vizepräsidentin des Bundesamts für Entsorgungssicherheit, Silke Albin. "Sie sind eine Gefahr für hunderttausende von Jahren."
Mehrere große Baustellen
Rückbau: Mühlheim-Kärlich wird etwa seit 2004 zurückgebaut, dabei entstehen 1700 Tonnen radioaktiver Abfall, laut dem Betreiber RWE. Bis ein AKW vollständig zurückgebaut ist, können Jahrzehnte vergehen.
Zwischenlager: Ein Endlager für Atommüll gibt es noch nicht. Bisher wurden die radioaktiven Abfälle in Zwischenlagern gelagert, während die Suche nach einem Endlager weiter geht.
Endlager: Die Suche nach einem Endlager zieht sich in die Länge. Gorleben als Endlager ist hoch umstritten, daher geht die Suche nach einer Lagerstätte weiter. Die Suche soll transparent, ergebnisoffen und nach wissenschaftlichen Kriterien ablaufen. Der Zeitplan: 2031 soll ein Standort gefunden sein, Mitte des Jahrhunderts Müll eingelagert werden.
Die Energiewende drängt
Finanzen: Die Atomkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall hatten 2017 insgesamt knapp 24 Mrd. Euro für die Zwischen- und Endlagerung des Nuklearmülls an einen Staatsfonds überwiesen. Anlage-Experten sollen daraus bis zum Jahr 2100 rund 169 Mrd. machen. So viel kostet die Entsorgung Prognosen zufolge.
Energiewende: Knapp 12 Prozent des Stroms in Deutschland kommt aus der Kernkraft, die müssen bis Ende 2022 ersetzt werden – nach und nach soll der Ökostrom-Anteil klettern. Dazu kommt der Kohleausstieg für den Klimaschutz bis spätestens 2038. Aber die Energiewende stockt, gegen neue Stromleitungen und Windräder gibt es viel Widerstand. Immer wieder wird die Forderung laut, doch länger auf Atomstrom zu setzen. Aber davon hält die Bundesregierung nichts. (dpa/bh)


