Blick auf das Atomkraftwerk Grohnde, das Ende dieses Jahres vom Netz geht.

Blick auf das Atomkraftwerk Grohnde, das Ende dieses Jahres vom Netz geht.

Bild: © Julian Stratenschulte/dpa

Ende dieses Jahres gehen mit Grohnde, Brokdorf und Gundremmingen C drei Atomkraftwerke vom Netz. Ihnen folgen Ende kommenden Jahres Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland. Und dann?

Dann stehen Deutschland noch immer ausreichende Kapazitäten aus fossilen und erneuerbaren Energien zur Verfügung, um die Jahreshöchstlast von knapp 80 GW zu bedienen. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer neuen Studie.

87 Prozent in 2020

Demnach betrug die Nettostromerzeugung durch Kernkraftwerke im vergangenen Jahr 60,9 TWh, was einer Auslastung von 87 Prozent entsprach. Diese Menge dürfte hauptsächlich durch fossile Energieträger und steigende Importe ersetzt werden, schreiben die Autoren.

Insgesamt führe dies zu einem Anstieg der CO2-Emissionen in Deutschland um ungefähr 40 Millionen Tonnen. Dieser Wert bilde jedoch tendenziell eine obere Grenze ab, da in den Modellrechnungen weitere Veränderungen im Stromsystem nicht berücksichtigt würden, schränken die Wissenschaftler um Energie-Expertin Claudia Kemfert ein.

Engpassmanagement steigt leicht an

Auch das Engpassmanagement steige leicht, da sich aus dem veränderten Einsatz fossiler Energieträger und zusätzlicher Importe andere Stromflüsse ergäben und Kraftwerkseinspeisungen regional gesenkt oder erhöht würden.

Die Maßnahmen des Engpassmanagements fielen regional unterschiedlich aus. Im Referenzszenario müssten Kraftwerke im Westen und Süden Deutschlands ihre Erzeugung steigern und im Osten senken, um einen stabilen Netzbetrieb zu garantieren. Im Szenario ohne Kernkraft müsse die Leistung im Westen zusätzlich erhöht und im Osten zusätzlich gesenkt werden.

Bedeutung erneuerbarer Energien

Insgesamt rechnen die Autoren für die nächsten beiden Jahre nur mit geringen Auswirkungen auf das Stromsystem. Regionale Stromflüsse würden sich nicht wesentlich ändern und Netzengpässe würden sich, wenn überhaupt, nur gering intensivieren. Auch kurzfristig steigende CO2-Emissionen sollten mit einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien rasch zurückgeführt werden.

"Die Versorgungssicherheit ist auch mittelfristig nicht gefährdet, wenn das deutsche Stromsystem rasch auf erneuerbare Energieträger in Verbinung mit Speichern und Flexibilitätsoptionen umsteigt", schreiben die Verfasser. "Die Einbindung in das europäische Stromsystem bleibt aus Effizienz- und Koordinationsgründen bedeutend." (aba)

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