"Wir brauchen zwingend den Stromnetzausbau, doch ist uns wichtig, dass wir nicht nur in Kupfer denken", sagt TransnetBW-Chef, Werner Götz.

"Wir brauchen zwingend den Stromnetzausbau, doch ist uns wichtig, dass wir nicht nur in Kupfer denken", sagt TransnetBW-Chef, Werner Götz.

Bild: © Transnet BW

"Ein reiner Stromentwicklungsplan reicht für die Sektorenkopplung, beispielsweise den Ausbau der E-Mobilität oder von Power-to-X, künftig nicht aus. Deshalb müssen wir auch darüber nachdenken, wie wir das System besser erfassen". Dies unterstrich Götz beim deutsch-französischen Energieforum zur Versorgungssicherheit im europäischen Kontext am Donnerstag in Berlin.

Denn die Herausforderungen zur Gewährleistung der künftigen Versorgungssicherheit angesichts der zunehmend komplexeren Energiewelt mit immer mehr fluktuierenden erneuerbaren Energien, dem Ausstieg aus der Atomkraft und der Kohle sowie einem schleppenden Stromnetzausbau seien beachtlich, sagte Götz.

Jedenfalls entspreche das jetzige Stromübertragungsnetz nicht der durch den Ausbau der erneuerbaren Energien veränderten Erzeugungsstruktur. "Die Erzeugungsanlagen werden dort gebaut, wo die Produktionsbedingungen ideal sind, Windkraft im Norden und Photovoltaik in Süddeutschland. Wir sehen zunehmend ein Auseinanderfallen von Erzeugungs- und Verbrauchszentren, mit industriellen Schwerpunkten im Süden", so Götz. Dies führe zu Kapazitätsengpässen beim Übertragungsnetz, kostspielige Redispatchmaßnahmen gehörten mittlerweile zum Tagesgeschäft.

Elektrolyseure, Netzbooster und Demand Side Management eingeplant

"Einerseits wird Deutschland zum Exportweltmeister beim Strom, andererseits steigt die Abhängigkeit von Energieimporten", dies seien zwei Seiten derselben Medaille, sagte Götz. "Oftmals wird ja gesagt, wir haben mehr Strom als wir brauchen. Doch das stimmt so nicht unbedingt, weil ja der Strom nicht immer gleichmäßig anfällt, die Versorgungssicherheit jedoch jederzeit gewährleistet sein muss."

"Wir planen mit dieser Zukunft", unterstrich Götz und verwies auf den aktuellen Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) Strom 2030. Er berücksichtige eine Abnahme der steuerbaren Erzeugung von 73 Gigawatt (GW) im Jahr 2016 auf 34 GW sowie eine Verdopplung der Erneuerbaren Energien auf 202 GW. Zur Netz- und Systemstabilisierung und für eine bessere Auslastung der Bestandsnetze seien in dem NEP Strom 2030 auch 2 GW Elektrolyseure, 10 GW Batteriespeicher (Netzbooster) und 4 GW Demand Side Management vorgesehen.

20 Prozent Mehrauslastung des Bestandsnetzes

"Wir brauchen zwingend den Stromnetzausbau, doch ist uns wichtig, dass wir nicht nur in Kupfer denken", sagte Götz. Ziel der jetzigen Planungen sei eine 20-prozentige Mehrauslastung der bestehenden Netze, dies sei nur mit den vorgesehenen Maßnahmen wie Netzboostern und „mehr Intelligenz“ zu erreichen. Spätestens ab dem Jahr 2030 stelle sich jedoch die Frage, wie die weitere Entwicklung der Stromnetze als Teil einer integrierten Energieinfrastruktur und eines integrierten Energiesystems gestaltet werden solle. (hcn)

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