Für die Windkraft auf See geht es künftig darum auch Gewässer mit einer Tiefe von mehr als 50 Metern zu erschließen, dafür braucht es allerdings schwimmende-Fundamentlösungen. Daran arbeiten derzeit mehrere Entwickler und Versorger, darunter auch die EnBW. Nun soll ein Prototyp von „Nezzy2“, so der Name der schwimmenden Offshore-Windkraftanlage, bald in der Ostsee getestet werden.
Dabei werden zwei Windturbinen auf das halbtauchende Y-förmige Fundament montiert. Getestet werden sollen zwei unterschiedliche Rotorvarianten mit zwei und drei Blättern. Das Fundament selbst wiederum besteht aus vorgespannten Betonfertigteilen, die geflutet werden, sodass nur noch die drei Auftriebskörper und der zentrale Turmschaft aus dem Wasser herausragen. Entwickelt wurde das System von Aerodyn aus Schleswig-Holstein.
Erst Ostsee dann China
Durch die Befestigung mit sechs Leinen und Ankern am Meeresboden richtet sich die Plattform durch die Windströmung passend aus. Vorteil der Konstruktion ist ihre Stabilität, denn durch die zwei Rotoren liegt der Angriffspunkt für den Wind deutlich tiefer als bei einem Rotor ohne dabei an Leistung zu verlieren. Perspektivisch streben EnBW und der Aeordyn an, Rotoren mit einer Gesamtleistung von 15 MW auf das Fundament montierten zu können, dabei verteilt sich die Leistung auf die zwei Rotoren, was Höhe und Gewicht der Plattform insgesamt reduzieren. So sollen Kosten gespart und die Konkurrenzfähigkeit gesteigert werden.
Tatsächlich soll ein 15-MW-Prototyp bereits Ende 2021 mit einem weiteren Partner vor der Küste Chinas erprobt werden. Zuvor muss sich „Nezzy2“ jedoch in heimischen Gewässern bewähren. Noch diesen Sommer soll, wenn die Genehmigung der zuständigen Behörde erfolgreich ausfällt, eine Testanlag im Maßstab 1:10 in See stechen. (ls)
