Die Viessmann-Tochter Energy Market Solutions verantwortet für eine Vielzahl von Kunden die Beschaffung und den Handel mit Strom. Nun hat die Entega Unternehmensanteile erworben. (Symbolbild)

Die Viessmann-Tochter Energy Market Solutions verantwortet für eine Vielzahl von Kunden die Beschaffung und den Handel mit Strom. Nun hat die Entega Unternehmensanteile erworben. (Symbolbild)

Bild: © TaweeW.asurut/AdobeStock

Mit Blick auf noch zu verhandelnde Details des künftigen EU-Strommarktdesigns und der Weiterentwicklung seines deutschen Pendants warnt die Lobby der Energiehändler vor negativen Auswirkungen auf den Großhandelsmarkt. Das gelte sowohl für mögliche Veränderungen des Preiszonenzuschnitts als auch für die geplante Einführung zweiseitiger Contracts-for-Differences (CfDs), sagte der Vorstandsvorsitzende von Efet Deutschland, Bernhard Walter, auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Essen.

So sollten bei den CfDs die jeweiligen staatlich garantierten Preisunter- und -obergrenzen nicht so stark ausgeweitet werden, dass dadurch Anreize zur Preisabsicherung genommen würden. Bei der Reform der Instrumente zur Finanzierung des Erneuerbaren-Ausbaus sei daher eine Variante zu wählen, bei der die negativen Effekte auf den langfristigen Stromhandelsmarkt minimiert und die Anreize zur Systemintegration des erzeugten Stroms aufrechterhalten würden.

Deutschlands Stromterminmarkt am liquidesten

Entscheidend sei die Einführung der CfDs auf freiwilliger Basis, sagte Walter weiter. Bisher gibt es dieses Instrument in Europa lediglich außerhalb der EU in Großbritannien. „Wahnsinnig liquide“ sei der UK-Stromterminmarkt allerdings nicht, sagte Walter. Weiterhin warnte er vor Veränderungen beim Gebotszonenzuschnitt sowie der Einführung virtueller Hubs. Deutschland verfüge derzeit über den liquidesten Stromterminmarkt in Europa. Dieser Vorteil dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Überlegungen über eine Aufsplittung in zwei Gebotszonen Nord und Süd führten deshalb in die Irre.

Angesichts der politischen Bemühungen, den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen, macht sich der Verband zudem für klare Spielregeln für den künftigen Handel stark. Um einen liquiden Wasserstoffmarkt zu fördern müsse eine transparente und verlässliche Preisbildung möglich sein, erklärte Joachim Rahls, Vorsitzender der German Task Force Gas. Das System der Massenbilanzierung sei als Grundlage für die Entwicklung eines liquiden Wasserstoffhandels jedoch nicht geeignet. „Es ist zu bürokratisch und intransparent und weit entfernt von Markterfordernissen“, sagte Rahls.

Frühzeitig Weichen für eine Regulierung stellen

„Wir haben nichts gewonnen, wenn wir 35 Schattierungen von grünem Wasserstoff in einem massentauglichen Design abwickeln“, betonte der Marktexperte. Vielmehr gelte es, Produkteigenschaften zu bündeln und Handelstransaktionen möglichst zu standardisieren. „Je kleiner die Zahl der handelbaren Produkte, umso liquider wird der Handel.“

Um frühzeitig die Weichen für eine Regulierung und ein passgenaues Marktdesign zu stellen, solle die Bundesnetzagentur nunmehr zeitnah einen Dialog zur Ausgestaltung der Marktregeln für das Wasserstoff-Kernnetz einrichten und moderieren. „Wir sollten mit einer Pilot- und Orientierungsphase beginnen“, sagte Rahls. Neben dem Marktdesign müssten dort auch einheitliche Netzzugangs- und Netznutzungsregeln für die Wasserstoffinfrastruktur erarbeitet werden. Die Erfahrung zeige, dass ein liquider Handel Zeit brauche.

Europäische Gasmärkte nicht zersplittern

Eine weitere Forderung der Energiehändler betrifft den aktuellen europäischen Gashandel. So erhöhten hohe Entgelte an den Grenzübergangspunkten die Marktfragmentierung, erklärte Rahls. „Wir sehen die Gefahr, dass sich die europäischen Gasmärkte weiter zersplittern“, so der Gasmarktexperte. Mit der Einführung der Gasspeicherumlage nehme Deutschland hier eine negative Vorreiterrolle ein. Derzeit gebe es in anderen EU-Staaten wie etwa Italien ebenfalls Überlegungen, bei der Kostenwälzung von nationalen Maßnahmen auch grenzüberschreitende Transporte zu erfassen.

Die auch an den Grenzübergangspunkten fällige deutsche Gasspeicherumlage wurde jüngst bis Ende März 2027 verlängert. „Zusätzliche Umlagen an Gasverbindungspunkten bedrohen die Solidarität im europäischen Binnenmarkt, indem sie die Schwelle für Gastransport zwischen Regionen erhöhen“, warnte Rahls. Profiteur sei am Ende auch Russland, da durch die Kostenbelastung russische Gasimporte über die historischen Pipelinerouten attraktiver würden. (hil)

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