Audi produziert seit 2013 in Werlte über eine Power-to-Gas-Anlage Wasserstoff und mit CO2 aus einer Biogasanlage von EWE synthetisches Methan.

Audi produziert seit 2013 in Werlte über eine Power-to-Gas-Anlage Wasserstoff und mit CO2 aus einer Biogasanlage von EWE synthetisches Methan.

Bild: © Audi

Am Montag hat EWE Netz als erster Verteilnetzbetreiber Europas der Power-to-Gas-Anlage von Audi in Werlte den ersten Zuschlag in einem lokalen Flexibilitätsmarkt gegeben. Darüber berichteten am Dienstag die Projektpartner im Rahmen des Schaufenster-Projekts Enera sowie die Börse Epex Spot am Dienstag in Essen bei großem Journalisten-Andrang.

Konkret bezahlte EWE Netz an Audi Industriegas 45,50 Euro pro MWh, dass sie am Montag von 17 bis 18 Uhr an einem bestimmten ostfriesischen Netzkopplungspunkt 2 MW Strom aus dem überlasteten Netz nahm und zu Wasserstoff verarbeitete. Philippe Vassilopoulus von der Börse Epex Spot nannte dies einen "historischen Moment für die Strombranche". Es sei nach seinem Wissen der erste lokale Stromhandel in Deutschland, die erste Anwendung eines lokalen Orderbuchs und das erste Mal, dass ein Verteilnetzbetreiber statt eines Übertragungsnetzbetreibers Flexibilität aktiviert, um einen Netzengpass zu beseitigen. Audi habe den Strom auch tatsächlich abgenommen.

Trotz negativem Preis volkswirtschaftlich besser

EWE-Technikvorstand Urban Keussen sprach von einem "Proof of Concept" dieses Teilprojekts im Rahmen des Intelligente-Energiewende-Schaufenster(Sinteg)-Projekts Enera.

Vassilopoulus strich heraus, nun bekomme Flexibilität ein Preisschild. Er strich den volkswirtschaftlichen Vorteil heraus: Zwar habe man einen Teilnehmer dieses lokalen Marktes dafür bezahlen müssen, Strom zu verbrauchen, aber die Alternative wäre gewesen, für die gleiche elektrische Leistung Windräder zwangsweise aus dem Wind zu nehmen und sie dafür nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz mit 90 bis 100 Euro pro nicht produzierte MWh zu entschädigen. So sei zudem für Geld tatsächlich ein Gegenwert entstanden: Strom, der in Wasserstoff umgewandelt wurde.

Alle Spannungsebenen können Flexibilitäten abrufen

Das Besondere an dem "Enera-Markt" in Ostfriesland ist auch, dass Netzbetreiber aller Spannungsebenen Flexibiliäten zur Beseitigung prognostizierter Netzengpässe ausschreiben können: EWE Netz für die Niederspannung, die vorgelagerte Avacon Netz für Mittelspannung sowie 110 kV und Tennet für Höchstspannung.

Es sind zunächst sieben der vorgesehenen etwa zwei Dutzend lokalen Marktgebiete freigeschaltet, die den Standorten von Umspannstationen entsprechen, etwa in Varel, war zu hören. Die Anbieter müssen in dem jeweiligen Marktgebiet physisch Flexibilitäten anbieten können. Es gibt auch ein Präqualifizierungsverfahren, aber es ist nicht so aufwändig wie im Regelenergiemarkt auf Übertragungsnetz-Ebene. Einen Doppelhöcker-Test gibt es für den "Enera-Markt" nicht. Auf der Anbieterseite sind neben Audi Industriegas von Anfang an dabei:

  • Alpiq SA
  • BayWa r.e.
  • EWE Trading
  • Quadra Energy und
  • Statkraft Markets.

Bundesweit ausrollbar

EWE-Vorstand Keussen betonte, dass der erste Preis in einem Forschungsumfeld gefunden worden sei und noch nicht als liquider Marktpreis gelten könne. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass der "Enera-Markt" nicht nur über den Zeitraum des Sinteg-Projekts bis 2020/21 fortgeführt, sondern dass das Konzept innerhalb Deutschlands ausgerollt wird. (geo)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper