Wie lassen sich Preisschocks, wie sie Strom- und Gasanbieter im Großhandel in den vergangenen Wochen häufiger erlebten, künftig verhindern? Dieser Frage sind Experten des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kopernikus-Projektes nachgegangen.
Ihre Antwort: Kürzlich vorgestellte Empfehlungen der Europäische Kommission wie Steuerentlastungen, finanzielle Hilfen für Geringverdiener oder der Aufbau von Gasreserven auf EU-Ebene seien zwar geeignet, um die Situation kurzfristig zu entschärfen. Voreilige Eingriffe in das Marktgeschehen sollten dagegen vermieden werden.
"Überstürzte Eingriffe" vermeiden
Der aktuelle Preisbildungsmechanismus und explizit auch kurzfristige Preisspitzen trügen grundsätzlich etwa zur Beschleunigung des Ausbaus von Stromspeichern oder Nachfrageflexibilitäten bei, heißt es. "Überstürzte Eingriffe in den Markt können hingegen das Vertrauen der Marktteilnehmenden in die Funktionsfähigkeit der Energiemärkte erheblich gefährden."
Für die notwendigen Invesititionen aus der Privatwirtschaften müssten die Rahmenbedingungen stabil und langfristig planbar bleiben.
Richtiges Strommarktdesign
Die Experten plädieren für ein Strommarktdesign, das die Integration erneuerbarer Energien in das Stromsystem bestmöglich unterstütze, dringend benötigte Flexibilitätspotenziale hebe, Netzeinschränkungen angemessen berücksichtige und somit helfe, die Kosten des Gesamtsystems zu senken.
So könne bereits heute allein die deutsche Industrie ihre Leistung im Umfang von 4,8 GW an das schwankende Angebot erneuerbarer Energien anpassen, führen die Autoren aus. Das entspreche in etwa der Nennleistung von 1370 Windkraftanlagen an Land und damit etwas mehr als den im gesamten Bundesland Bayern installierten Windkraftanlagen.
Europa und Digitalisierung
Für das Stromsystem der Zukunft seien europäische Lösungen sowie eine begleitende Digitalisierung nötig, schreiben die Experten. So ließen sich Stromerzeugung, -übertragung und -verbrauch intelligent koordinieren.
Dabei spiele es eine entscheidende Rolle, Deutschlands klimapolitische Ziele erfolgreich voranzutreiben und gleichzeitig eine kosteneffiziente und bezahlbare Enrgieversorgung zu gewährleisten. (aba)


