Farben geben den Ton bei den Satellitenbildern an: So zeigt sich, wo „Gefahr im Verzug“ sein könnte.

Farben geben den Ton bei den Satellitenbildern an: So zeigt sich, wo „Gefahr im Verzug“ sein könnte.

Bild: © LiveEO

Um den sicheren Betrieb von Hochspannungsnetzen zu gewährleisten, bedarf es regelmäßiger Kontrollen der Trassen, Leitungen und Maste. Mit einem Pilotprojekt beschreitet die Netze BW dabei neue Wege: Aufnahmen von Flugdrohnen und von Satelliten sollen in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz (KI) die Zuverlässigkeit der Daten erhöhen und dabei den Aufwand bei der Inspektion deutlich reduzieren helfen.

Bislang wurden bei der EnBW-Tochter im Netzbetrieb zwar auch schon Drohnen eingesetzt, allerdings nur in ausgesuchten Einzelfällen. „Der Aufwand, tausende Fotos einer großen Befliegung händisch auszuwerten war bislang einfach zu hoch“, erläutert Projektleiter Mario Gnädig. Ein gemischtes Team aus jungen IT-Spezialisten und erfahrenen Netzmonteuren sowie -ingenieuren arbeitet deshalb jetzt an einer Lösung mithilfe von KI.

Satelliten-Bilder ergänzen die Aufnahmen

Im April wurden dafür Bilder von je zwei Leitungsabschnitten in den Landkreisen Ludwigsburg sowie Ortenau mit insgesamt zwanzig Masten aufgenommen. Die sind zwar auch zunächst händisch penibel zu katalogisieren. Aber: „Mit dem Ergebnis füttern wir dann Algorithmen, die auf diese Weise die automatisierte Auswertung erlernen“. Das Ziel sei eine hohe Genauigkeit erkannter Schäden unterschiedlicher Art und Größe.

In Kooperation mit dem Start-up LiveEO aus Berlin haben die Tüftler der Netze BW auch die Kontrolle der Trassen selbst im Blick. Mithilfe hochauflösender Satelliten-Bilder werden dazu rund 500 der rund 7500 Kilometer Hochspannungsleitungen auf bevorstehende Beeinträchtigungen durch Gehölze untersucht. Das Ziel sind Modelle der betrachteten Trassen, auf denen sich durch Überlagerung mit Vegetationsprognosen dynamische Wartungsintervalle erzeugen lassen.

Klettern an Masten minimiert sich

Die Ergebnisse der aktuellen Tests sollen laut Mario Gnädig Ende 2020 zunächst in eine Machbarkeitsstudie und im Laufe des kommenden Jahres in weitere Feldtests münden. Dabei gehe es um eine durchgängige Erfassung und Dokumentation von Schäden und deren einheitliche Bewertung, was einen automatisierten End-to-End-Prozess von der Datenerhebung bis zur Handlungsempfehlung erlaube. So ließen sich zudem die stets risikobehafteten und aufwändigen Klettereien an Masten minimieren.

„Erste Erkenntnisse stimmen uns optimistisch, auch wenn wir sicher noch einen weiten Weg vor uns haben“. Dies bezieht sich zum einen auf die Satellitenbilder. Denn an den Farbe soll sich rasch erkennen lassen, wo Gefahr im Verzug sein könnte. Bei den Drohnenfotos könne man sagen, dass die Objekterkennung funktioniere, etwa der Isolator oder der Splint an einem Bolzen, erklärte Netze BW auf ZfK-Nachfrage. Kräftig Arbeit warte jetzt mit der Fehlererkennung, die man nun angehe. (sg)

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