Die Erzeugung von Wasserstoff und anderen E-Fuels über Strom aus erneuerbaren Energien gilt als wesentlicher Bestandteil der Energiewende – vor allem wenn es um Netzengpässe geht, wird gerne die Sektorenkopplung als Teillösung ins Feld geführt. Soweit so gut, das Öko-Institut hat nun im Auftrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) drei Kriterien aufgestellt, wie die Power-to-X (PtX) auch tatsächlich nachhaltig für den Klimaschutz bleibt.
Als erstes wichtiges Kriterium für den Einsatz von PtX wurde demnach definiert, dass wirklich nur Stromüberschüsse aus EE-Anlagen genutzt wird. Ansonsten würde die Technologie eine schlechtere Emissionsbilanz aufweisen als fossile Brennstoffe, wie eine Beispielrechnung beweist.
CO2-Herkunft entscheidend
Beim heutigen Strommix in Deutschland kommen PtX-Anlagen je nach Wirkungsgrad auf einen CO2-Ausstoß von 700 bis 1100 Gramm pro kWh. Zum Vergleich: Wird Erdgas direkt verbrannt, werden rund 240 Gramm Co2 pro kWh, bei Diesel circa 300 Gramm pro kWh emittiert. Kommen für die Erzeugung von E-Fuels allerdings nur zusätzliche Potenziale aus erneuerbaren Quellen zum Einsatz steuert sie auf annähernde Klimaneutralität zu.
Auch der Herkunft des CO2, das wesentlicher Bestandteil für die Herstellung von E-Fuels ist, kommt einer entscheidenden Bedeutung bei. Nur wenn das Kohlendioxid aus der Luft entnommen wird oder aus der Nutzung von nachhaltiger Biomasse stammt, entstehen keine Treibhausgasemissionen.
Emissionsziele werden ins Gegenteil verkehrt
Wird stattdessen CO2 aus Industrieprozessen bei PtX genutzt, besteht das Risiko die Emissionsminderung in diesem Sektor zu torpedieren und sogar noch anzureizen. Immerhin laufen PtX-Anlagen20 Jahre und mehr - für diesen Zeitraum verliert die Industrieanlage, die das CO2 liefert, den Anreiz zur CO2-Minderung, vielmehr bekommen die Emissionen einen Wert als Rohstoff, was die Wirkung des EU-Emissionshandels (EU ETS) negativ beeinflussen kann.
Als letzten Punkt im Impulspapier des Öko-Instituts werden Wasser und Flächen als ökologische und soziale „Hotspots“ moniert. Neben Strom wird für die Herstellung von Wasserstoff und anderen E-Kraftstoffen auch Wasser benötigt. Kommt PtX in Ländern zum Einsatz, in denen ohnehin Wasserknappheit herrscht, kann das die Nachhaltigkeit der Technologie schmälern. Auch die Ausweisung von zusätzlichen Flächen für EE-Anlagen müsse unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten in die Gesamtbilanz einbezogen werden, so das Institut.
Nachhaltigkeitsmonitoring
Als Möglichkeit die Wirkung auf Gesellschaft und Umwelt im Blick zu haben, schlägt das Öko-Institut ein Nachhaltigkeitsmonitoring vor. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Kriterien für eine nachhaltige Nutzung von PtX eingehalten werden. (ls)
